veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


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2013 auf dem Blog-Prüfstand :)

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht meines Blogs für das Jahr 2013 an.

Einige von euch werden sogar namentlich erwähnt. An dieser Stelle ein großes, dickes DANKESCHÖN! Ich freu mich, dass ihr alle dabei seid mitlest, mitkommentiert, hin und wieder auch mitleidet und euch mit mir freut!

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 13.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 5 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Die Wahrheit.

Der letzte Tag des Jahres 2013 und ich finde, er hat es verdient, der Wahrheit gewidmet zu werden.

Immerhin bin ich vorgestern 12,4 Kilometer in meiner bisher besten Zeit gerannt. Turtlerunner-Zeit, versteht sich. Aber sapperlot, ich habe mich um mehr als 10 Minuten verbessert auf diese Distanz, seit 6.10.2013. Wenn das mal nicht eine Ansage ist! Aber beginnen wir von vorn und zwar mit der Wahrheit.

Ich mag keine Menschenansammlungen. Ich mag keine Läufe, wo sich Menschen versammeln, die allesamt viel schneller sind als ich. Grundsätzlich mag ich dieses Gewusel, diese kollektive Hektik und das geschäftige „Sich-Warm-Machen“ ohne Rücksicht auf Verluste (und vor allem auf andere Menschen) nicht. Und so kam es, dass ich bereits, bevor ich meine Startnummer in der Hand hielt, schon ziemlich grantig war. Mein Bruder meinte kürzlich, dass solche Läufe für Menschen sind, die gern das soziale Erlebnis, das Miteinander im Vordergrund sehen. Ähm, ja. Wenn’s nach mir ginge, würde ich 30 Sekunden vor Startschuss im Startblock abgesetzt werden und direkt nach dem Sprint über die Ziellinie würde ich einen Portschlüssel direkt nach Hause nehmen. Soviel zum Thema „Miteinander“ – nein, ich bin kein „Miteinander“-Mensch – zumindest nicht, wenn ich als einzelner Vertreter meiner eigenen Rasse (Turtlerunner) unterwegs bin.

Zur Unterstützung hatte ich diesmal meinen Mann dabei (und das war auch bitter nötig, ohne ihn hätte ich vielleicht eine Abkürzung genommen). Das Läuferfeld setzte sich in Bewegung und wir waren mittendrin. Die erste Runde (es waren 4 insgesamt) lief grandios. Wir überholten sogar andere Menschen! Unfassbar, dass ich das noch erleben darf. Die 2. Runde begann vielversprechend. Doch dann hörte ich es. Ein Hecheln direkt hinter meinem linken Ohr. Es kam immer näher und wurde immer lauter. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich behauptet, einer meiner Hunde hat den Weg hierher gefunden. Ein kurzer Blick nach hinten:  Läuferin mit riesigen Kopfhörern, direkt in meinem Windschatten. Sie rückte immer näher auf, ich fühlte mich bedrängt. Versuchte, ruhig zu bleiben. Fiel mir schwer. Über 2 Kilometer blieb sie mir im Nacken sitzen. Wurde schneller, wenn ich schneller wurde – fiel zurück, wenn ich zurück fiel. Was war ich wütend! Eine Unverschämtheit. Hätte ich noch ein wenig mehr Puste gehabt, ich weiß nicht, was ich getan hätte! Vermutlich das erste Damen-Wrestling während eines Silvesterlaufes eröffnet.

Irgendwann hat sie mich dann endlich überholt! Hätte nicht gedacht, dass ich das mal so erleichtert hinnehmen würde. Dann kamen die letzten 3 Kilometer. Mein Mann war schon ziemlich erledigt, von mir wollen mir mal gar nicht sprechen. Aber ich war  glücklich, da ich meinen Puls mehr oder weniger konstant bei 170 bzw. etwas darunter halten konnte. So 600 Meter vor dem Ziel hatte ich dann das Gefühl, die Beine sind nicht mehr da. Und wir hatten vereinbart, dass wir Hand in Hand ins Ziel laufen. 300 Meter vor dem Ziel sagte ich dann zu ihm: „Hand! Schnell! Ich schaff’s sonst nicht!“. Also packte er mich an der Hand und zog mich ins Ziel.

Insgesamt haben wir beide ein respektables Ergebnis geschafft: die letzten in der eigenen Altersklasse und beide haben wir den vorletzten Platz in der Gesamtwertung gemacht (Männer/Frauen getrennt). Ich finde, wir haben die Turtlerunner-Ehre heldenhaft verteidigt!

Die Euphorie begann dann ca. 15 -20 Minuten später. Ich fühlte mich großartig (tu es auch heute noch, bis auf ein bisschen Muskelkater) und war einfach stolz auf meine Verbesserung. Wenn juckt es da, dass die Verpflegungsstände schon fast leer waren und ich sogar um meine Fleecedecke noch kämpfen musste (Hast du keine bekommen? Nein, bin grad erst ins Ziel? Wieso das denn – warst du zwischendrin Kaffee trinken?) ?

Wenn ich also alle Widrigkeiten hinter mir lasse und das Erlebnis aufs Wesentliche reduziere, war es ein toller Lauf, mit einer krassen Zeitverbesserung und zum ersten Mal einer Art „Miteinander-Feeling“, denn ich hatte mit meinem Mann einen zweiten Turtlerunner an der Seite. Die Gemeinde wächst!

Und wieso ich trotz allem, was ich hier geschrieben habe, finde, dass noch mehr von uns an Rennen teilnehmen sollten, das habe ich auf meinem Blog veröffentlicht – hier geht es zu den 5 Gründen, wieso wir Langsamläufer eigentlich die besten Erlebnisse während eines Laufs haben.

So, ich bin dann mal am Regenerieren …

Auf geht's! Oder?


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Ich glaub, es geht schon wieder los.

Noch 1 Stunde bis zur Abfahrt. Startschuss um 12.15 Uhr, Silvesterlauf. Bis spätestens 11 Uhr muss ich unsere Startnummern abholen (557 und 558 – 5 ist meine Lieblingszahl, das kann nur Glück bedeuten, oder?).

Und wie immer an solchen Tagen und dem davor (also dem Tag vor dem Rennen), frage ich mich, wieso ich das eigentlich tue. Ich könnte es sooooo viel gemütlicher haben. Nur für mich ein bisschen vor mich hinlaufen, Natur genießen, mein Tempo laufen, alles easy und entspannt. Was tue ich stattdessen?

Ich stürze mich in eine Masse von hufscharrenden Läufern, die alle ganz wild darauf sind, beim Startschuss nach vorne zu preschen, die anderen hinter sich zu lassen, Tempo zu machen und der Welt zu zeigen, wie schnell sie laufen können.

Mein Anliegen ist das nicht, denn ich kann nicht schnell laufen. Es will einfach nicht … also wird das heute wieder ein Turtlerunner-Missions-Lauf. Ich lauf für alle, die so langsam sind wie ich (hallo – ist da jemand?) und versuche, mich nicht davon irritieren zu lassen, dass ich heute gleich 4 x an denselben Menschen vorbeilaufe, denn der Lauf geht über 4 Runden.

Heute bin ich außerdem in Begleitung: Mein Mann läuft mit und zwar im T-Shirt von „Laufen gegen Leiden“. Ich laufe natürlich für meinen Verein „Team vegan.at“. Wir werden aussehen wie zwei Twinnie-Eis, falls das noch jemand kennt. Fotos folgen später.

So, nun sitz ich hier, löffle Hirsebrei, trinke Wasser und bin nervös. Wie immer. Und denke mir, dass ich nie wieder an einem Lauf teilnehmen werde. Wie immer. Und dann werde ich vermutlich diesen Lauf laufen und mich dabei selbst übertreffen. Wie immer. Nur wird es keiner merken, denn wenn ich mich selbst übertreffe bin ich immer noch turtlerunnermäßig langsam. Wie immer. Aber eigentlich ist das auch völlig egal. Danach, wenn ich es geschafft habe, werde ich Spaß haben. Wie immer. Und dann ist ja noch dieser eine Gedanke da …. „vielleicht, ganz vielleicht schaff ich es ja, diesmal meine Zeit um 3-5 km/h zu verbessern. So ganz spontan. Plötzliche Läufer-Geschwindigkeits-Erleuchtung. Vielleicht.“ .

Und weil ich auf diese Erleuchtung warte, muss ich an Rennen teilnehmen. Denn sonst krieg ich es ja nicht mit, wenn es soweit ist.


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Nadelstiche, ein Kompliment und die 32-kg-Marke

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Die Welt ist im Fest- und Geschenkerausch. Ich auch. Nur bei mir kommt noch der Waldrausch dazu: ich rausche fast täglich durch die Wälder. Ausgerüstet mit Goretex-Laufschuhen, meinem Polar-Buff, der mein edles Haupt schützt und natürlich mit Spikes.

Es sind noch 3 Tage bis zum Silvesterlauf, an dem ich ehrenhaft die Fahne der Turtlerunner hochhalten werde. Denn wenn bis Sonntag nicht noch ein Wunder geschieht, dann werde ich wohl wieder so um die 1,5 Stunden für den Lauf brauchen. Aber was soll’s! Es gibt üblere Wege seinen Sonntag zu verbringen. Letzte Woche habe ich übrigens – so ganz nebenbei – meinen ersten ganz privaten Halbmarathon absolviert. 21,2 Kilometer in gefühlten 6,75 Stunden (in Wirklichkeit waren es ziemlich genau drei Stunden). Es war das sensationellste Feeling seit langem, als ich zu dem Schild mit der 21-Kilometer-Marke kam. Kann ich nicht beschreiben, müsst ihr ausprobieren, wenn ihr es noch nicht getan habt. Einfach WUHUUUU!

Und vor ein paar Tagen bekam ich ein tolles Kompliment. Nicht, dass ich die nicht ständig bekommen würde (hüstel …), aber da war schon besonders. Mein Bruder, von der sportlichen Hälfte der Familie (wir waren von Geburt an gesplittet in Sportler und Couchpotatoes und die letzten 32 Jahre verbrachte ich mehr oder weniger auf der Couch – dann wechselte ich die Lager), kam zu Besuch an Weihnachten. Er hatte mich 1 Jahr lang nicht mehr gesehen und sagte plötzlich:

„Judith, du bist ja eine richtige Sportlerin geworden!“

Das bringt es sowas von auf den Punkt. Und ich glaube, das ist das Wichtigste, an der ganzen Veränderungssache. Ich wollte von Anfang an eine Sportlerin werden. Nichts anderes stand im Vordergrund. Und jetzt bin ich das irgendwie, auf meine Art. Einfach cool, oder?

Und weil ich eine Sportlerin bin, auf deren Trainingsplan heute 40 Minuten Fahrtspiel standen, das letzte richtige Training vor dem Silvesterlauf, schnürte ich natürlich auch heute die Laufschuhe. Draußen 0 Grad, scharfe Windböen, Eiseskälte und ein Schneesturm. Schweinehund und ich trabten los, gut eingepackt. Eine Zeit lang wurde es ganz hart, da lief ich gegen den Wind und der Sturm peitschte tatsächlich die gefrorenen Schneeflocken direkt in mein Gesicht – wie kleine Nadelstiche fühlte sich das an. Am liebsten hätte ich die Augen zugemacht. Ist aber ungünstig beim Laufen. Also durchhalten, durchbeißen und dann bei der Kehrtwende auf dem Heimweg, den Wind im Rücken. Laufen, traben, beschleunigen, treiben lassen … das war dann herrlich! Und jetzt sitz ich hier, schlürfe meinen Obst-Nuss-Kakao-Smoothie und bin schon fast auf dem Weg zum nächsten Familienfest: Mama und Bruder haben heute Geburtstag. Natürlich gibt’s massenhaft zu futtern, aber was soll ich sagen: Es ist der 2. Weihnachtsfeiertag und ich habe heute meine 32-Kilo-Marke geknackt. Offiziell bin ich heute 32 Kilo leichter als am 1. April 2012. Da darf’s heute auch mal ein Löffelchen mehr sein … 😉


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Verrückte Ideen und Zehennägel.

Tja, heute schreib ich über seltsame Dinge und ich kann mich nicht entscheiden welches davon ich seltsamer finde.

Fangen wir mal damit an, dass ich seit einiger Zeit verrückte Zehennägel habe. Also wirklich ver-rückt. Zwei bis drei dieser seltsamen Zehenanhängsel verformen sich nämlich seit ich den Viertelmarathon gelaufen bin. Hatte immer mal wieder blaue Verfärbungen, Hornhaut und so hübsche Dinge, die kein Mensch haben will und vor kurzem habe ich festgestellt, dass manche der Nägel eine andere Richtung einschlagen. Das gibt mir zu denken … an den Schuhen sollte es nicht liegen – ich habe Platz genug für alle Zehen. Ist jetzt nicht dramatisch, aber irgendwie verrückt. Kennt das wer von euch?

Die letzte Zeit hab ich mir wieder Gedanken zum Thema Motivation gemacht. Ich brauche ständig etwas, was mich antreibt und vorwärts bringt. Mich zu motivieren ist nicht immer einfach. Und die letzten Tage bin ich etwas müde geworden – müde vielleicht auch vom anstrengenden Training auf den Silvesterlauf (aaaah! In 13 Tagen ist es schon so weit!), das schöne, aber anstrengende Laufen auf dem Schnee und im Eis und so im Allgemeinen, was aber durchaus an der Jahreszeit liegen könnte. Wenn um 17 Uhr das Licht draußen ausgeht, geht es bei mir auch aus.
220 Kilometer. Mit dem Auto kein Problem. Und zu Fuß?

Brauche also ein Licht der Motivation. Und als ich am Wochenende am Bodensee war, kam mir eine Idee. So viele Menschen gehen jedes Jahr auf ihren Jakobsweg und laufen Hunderte Kilometer zu Fuß, pilgern von einem Ort zum nächsten, immer näher zu ihrem Ziel, finden sich dabei selbst wieder (zumindest stelle ich mir das so vor) und machen interessante Erfahrungen. Das möchte ich auch. Und ich möchte laufen. Lange laufen. Langsam laufen. Einmal um den Bodensee laufen.

Wann? Keine Ahnung. Soweit bin ich noch nicht. Bisher weiß ich, dass die Strecke ca. 220 Kilometer misst und dass es einen Fußwanderweg gibt. Ich werde die nächste Zeit nutzen, zu recherchieren und zu überlegen, ob, wie und wann ich so etwas umsetzen kann. Ob ich durchlaufen möchte oder nicht, wieviel Begleitung ich brauchen würde, bis wann ich überhaupt körperlich und mental so weit sein könnte. Tatsache ist, dass mich dieses Ziel mehr reizt als jeder Wettkampf. Denn ich würde einfach für mich, ohne offizielle Zeitmessung, versuchen, diese Strecke zu bewältigen. Vielleicht werden’s dann doch nur Etappen oder ich laufe es wirklich komplett. Das wird sich in den nächsten Monaten herauskristallisieren. Und wer weiß, vielleicht begleitet mich ja jemand von euch ein Stück … zu Fuß, mit dem Rad … wird sich alles ergeben, wenn es denn wirklich so sein soll. Daran glaube ich.

Aber jetzt erstmal auf den Silvesterlauf trainieren und ein wenig Stille Nacht und so … abschalten, nachdenken, neu sortieren und orientieren und dann: weiterlaufen, wohin der Weg mich führt.


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Mach das Licht aus!

Letztes Wochenende stand mal wieder ein langer Lauf auf meinem Trainingsplan. Sollten rund 80 Minuten werden. Mein Pacer, mit dem ich zufällig auch verheiratet bin, und ich, beschlossen, dass wir mal eine andere Strecke laufen wollten, zumal es auch wieder ein halber Nachtlauf werden würde. Lässt sich ja momentan kaum vermeiden, da es um 17 Uhr schon beinahe zappenduster wird.

Wir wollten als kleines Action-Element die Lindauer Hafenweihnacht einbauen. Ich stellte mir das so vor, dass ich fröhlich laufend dort eintrudelte, mir geschwind ein heißes Getränk ausfasste, und noch während dem Trinken wieder von der Insel lief.

Begann dann aber damit, dass wir uns mit der Strecke verschätzt hatten und bereits auf dem Hinweg viel länger unterwegs waren als geplant. Dann tauchte noch mein Lieblingsthema auf: ich musste mal. Weit und breit kein WC in Sicht. Hach ja, wer kennt es nicht von euch? Das Problem ist: wenn es dann mal einen gewissen Schmerzensgrad erreicht hat, dann kannst du nix machen. Dann brauchst du ein Örtchen. Am besten ein dunkles. Ich jammerte und seufzte also immer lauter und mein Mann meinte, dass er das perfekte PP-Örtchen für mich wisse.

Dabei fällt mir gerade ein, dass ich ihn noch gar nicht gefragt habe, wieso er auf unserer brandneuen Laufstrecke mindestens 2 naturbelassene, dunkle Örtchen kennt … auch nach 13 Jahren gibt es also immer noch Geheimnisse. Interessant!

Jedenfalls lotste er mich dorthin, wo kein Mensch war und auch keiner hinsah. Es war beinahe schon gemütlich, das Plätschern des Bodensees nebendran … der Ort war wie geschaffen dafür, abgelegen und trotzdem nah an der Straße. Also, Stirnlampe aus, damit mich auch ja keiner sieht und ab in die Büsche. Plötzlich hörte ich die Stimme meines Mannes:

„Hör mal, es nutzt nix, wenn du deine Stirnlampe ausknipst, aber deine Fußreflektoren weiterblinken lässt. Mach das Licht aus!“


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Adventsunruhen.

Advent, die Zeit der Besinnlichkeit und Ruhe, der Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft und … ach neee, Schmarrn. Ich bin einfach nur genervt. Zumindest von manchen meiner Mitmenschen.

Das hier wird ein Motz-Artikel – wer also in seiner heilen Weihnachtskugel sitzt und Last Christmas hört, liest jetzt bitte nicht weiter. Hat zwar eigentlich nichts mit Weihnachten zu tun, passierte aber eben alles gerade in dieser Zeit.

Hier ein Auszug aus einer e-Mail, die mich kürzlich erreichte:

„blablablablabla … und Judith, du musst jetzt nicht mehr abnehmen, ich habe ein Foto von dir gesehen.“

Erhalten von einem Menschen, mit dem ich so gut wie überhaupt NICHTS aber auch GAR NICHTS zu tun habe. Der mich nicht wirklich kennt, nicht weiß, was ich tue und warum (nicht dass ich das selber immer wüsste), der in den letzten 33 Jahren keine 20 Sätze mit mir gesprochen hat.

Ja, Himmel Sapperlot! Wer sagt denn überhaupt, dass ich am Abnehmen bin? Darüber bin ich doch schon lang hinaus – Abnehmen ist für Anfänger! Und was heißt hier überhaupt „du musst jetzt nicht mehr abnehmen?“ Vorher hatte ich es also nötig, oder wie? Aber da hat kein Mensch was gesagt. Man könnte ja die Gefühle verletzen – und jetzt nicht mehr, oder was? Vielleicht fühle ich mich super und pudelwohl wie der Bär im Honigtopf und bekomme ständig gesagt „jetzt ist dann aber mal gut!“ Wen – außer mir – geht das eigentlich was an?

Und ich wiederhole mich: ich wiege 67 Kilo bei einer Größe von 173 cm und habe einen BMI von knapp 23. Von wegen Untergewicht oder so Schwachsinn braucht mir keiner kommen. Außerdem habe ich als Ass im Ärmel immer noch meine 30% Fettanteil. HA!

Nächster Kandidat. Direkte Ansprache. „Aber Judith, jetzt machst du nicht mehr weiter, oder?“ „Womit?“ „Naja, du weißt schon, ich glaube, es reicht jetzt.“ „Was genau willst du mir sagen – spuck’s einfach aus!“ „Naja, so wie du jetzt bist, gefällst du mir …“ Aha. Na, danke auch.

Wieso denken diese Menschen ich bin hier, um ihnen zu gefallen? Ist es nicht wichtiger, dass ich mir gefalle? Und überhaupt geht es doch schon lange nicht mehr ums Gefallen. Ich und mein Körper wir sind ein Team. Wir haben uns ein Ziel gesetzt, dass wir gemeinsam erreichen. Da geht es nicht um Äußerlichkeiten und darum, ob ich jetzt 2 Kilo mehr oder weniger wiege. Das spielt schon lange keine Rolle mehr.

Was ich zum Schluss sagen möchte (und das  jetzt wirklich mit adventlichem Hintergedanken): Wir sehen von den meisten Menschen nur einen Ausschnitt. Ein Puzzleteil. Um den ganzen Menschen zu erfassen, zu verstehen, ihn zu begreifen, müssen wir uns die Zeit nehmen, ihn kennen zu lernen. Und wie das mit dem Lernen so ist: Es braucht viel Zeit. Die nimmt sich heute niemand mehr und schon gar nicht vor Weihnachten.

Und ich nehme mich selber an der Nase, denn auch ich urteile manchmal vorschnell und ohne großartig zu überlegen. Wenn jemand plötzlich (ist ja auch wieder relativ, wenn ich den Typen zig Jahre nicht gesehen habe) sehr dünn oder sehr dick wird, oder keine Haare mehr hat oder keine Frau mehr oder keinen Job oder was weiß ich – dann steht es mir nicht zu, darüber zu urteilen. Und schon gar nicht, wenn ich diesen Menschen nicht kenne.

Ja, ich weiß, jeder meint es immer nur gut mit dem anderen – glaub ich nicht. Ich erlebe einige Geschichten, die mit gutem Willen nichts zu tun haben, sondern mit Neid und Eifersucht. Das ist ok, so sind die Menschen. Ich möchte mir für mich als Adventsvorsatz nehmen, dass ich keine Urteile fälle bzw. mir eine Meinung bilde, bevor ich mir die Zeit genommen habe, mich mit einem Menschen zu unterhalten.

Und ihr guten Menschen da draußen, ich hoffe, ihr macht es umgekehrt mit mir auch so – denn ich KANN es nicht mehr hören!