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aus dem laufalltag eines turtlerunners


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Der WOW-Lauf beim Bodensee Frauenlauf 2014

Müsste ich diesen Lauf mit einem Wort beschreiben, dann wär’s einfach nur: WOW!

Sowas wie gestern habe ich noch nie erlebt. Alles, was ich bei meinem 1. Frauenlauf 2012 an zweifelhaftem Feedback geerntet habe, habe ich gestern in doppelt und dreifacher Form POSITIV zurückbekommen. Und das lag an meinem tollen Team!

Die WOW-Frauen: 

Cindy, Karin, Seline, Kerstin, Andrea, Marlene, Rikke und Yvonne – alle unterschiedlich und doch viel gemeinsam: die Freude am Frauenlauf und den Teamgeist! Nicht zu vergessen die beiden fabelhaften Journalistinnen, die uns begleitet haben: Marlies von den Vorarlberger Nachrichten und Susi von der Schwäbischen Zeitung. Es war eine Wahnsinns-Truppe, mit der ich die Shoppingmesse des Bodensee-Frauenlaufs gestürmt habe. Gemeinsam waren wir anschließend beim offiziellen Fotoshooting und stellten fest, dass Andreas Hosenbund seinen Dienst nicht mehr tun wollte. Aber wozu waren wir auf einer sportlichen Shopping-Messe? Schnell noch eine neue Hose für Andrea organisiert und nagelneue pinke Kompressionsstrümpfe fanden auch die dazu passenden Waden in unserer Gruppe.

Der WOW-Lauf: 

Wie angekündigt, starteten wir ganz am Ende auf der Lindauer Seebrücke. Hinter uns war niemand mehr außer dem Einsatzfahrzeug vom BRK. Ich durfte offiziell mit einer „Ihr seid spitze“-Fahne auf dem Rücken das Feld abschließen und so liefen wir los. Die Turtletruppe teilte sich bereits zu Beginn in zwei Felder: die Speed-Turtles mit Cindy, Rikke, Andrea, Seline und VN-Redakteurin Marlies führten das Feld an und waren relativ zügig außer Sichtweite. Karin, Kerstin, Marlene, ihre Mutter Yvonne und ich bildeten das Schlusslicht und pendelten uns bei einem konstanten Pace von 9:45 ein. Hinter uns ständig das BRK, teilweise 2 Polizeiautos, THW und weiteres Gefolge.

Für mich war das sehr spannend, da es exakt das Tempo war, das ich bereits vor 2 Jahren bei meinem Debüt lief. Damals mit einem Puls von über 170 und argen körperlichen Problemen. Heute mit einem Puls von 155 (dank der ganzen Aufregung) und einer körperlichen Fitness, die es mir erlaubte, endlich die wunderschöne Strecke zu genießen. Spannend, die Mädels zu begleiten, die teils verblüffend ähnlich fit waren, wie ich damals. Und noch viel verblüffender waren die Reaktionen der Zuschauer. Es waren nicht mehr viele da, wo wir auch hinkamen. Aber die, die noch da waren, die klatschten, feuerten uns an und trieben unseren Puls in die Höhe. Nach 6 Kilometern lachte Marlene, dass sie schon Muskelkater habe – im Gesicht vor lauter Lachen! Vier nette, junge Herren im Schrebergarten direkt an der Strecke boten uns kalte Getränke an – ein paar ausgeflippte Zaungäste sorgten für Party – und am Kaiserstrand gab es sogar eine LaOla-Welle für uns mit Dusche aus dem Gartenschlauch für jede einzelne von uns.

Wir hatten unseren persönlichen Betreuer, von dem ich leider nicht weiß, wer er ist oder wie er heißt, aber falls er mitliest: DANKE! Er hat hinter uns die Strecke abgeräumt, die Schilder abgenommen und vor uns dafür gesorgt, dass wir wissen, wo wir hin müssen, hat den Weg für uns frei gemacht und als wir auf die Seebühne getrabt sind, lief er voraus und rief laut: „Achtung! Achtung! Aus dem Weg!“ – sowas kannte ich bisher nur von den schnellen Läufern, für die der Weg freigemacht wird. Gestern wurde der Weg für uns freigemacht. Ich habe mich wirklich noch nie so besonders gefühlt beim Laufen – im positiven Sinne! Bei Kilometer 8 wartete Speed-Turtle Andrea auf uns, die meinte, sie will den Rest mit uns gemeinsam laufen. Sie war so begeistert von ihrem Lauf, dass sie mir erzählte: „Die Hemmschwelle, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen, die ist jetzt weg. Ich lauf weiter!“ Ach, ich hätte grad heulen können, so schön war das.

Bei Kilometer 9 liefen Marlene und ihre Mama Yvonne vor mir, als aus der Menge am Rand plötzlich Hannes, Marlenes Papa und Yvonnes Mann, heraustritt. Zusammen mit ihnen läuft er Richtung Casino-Stadion – so stolz auf seine beiden Frauen, die heute zum ersten Mal 10 Kilometer liefen und bis zuletzt nicht sicher waren, ob sie es schaffen! Das war ein Bild, kann ich euch sagen …

Kerstin, die überhaupt zum allerersten Mal solch eine Strecke lief, kämpfte bis zum Schluss! Und hat es geschafft, gemeinsam mit Karins Unterstützung, die ständig dafür sorgte, dass sie nicht alleine lief. Beständig zwei Meter vor dem Wagen des BRK liefen die beiden von Lindau nach Bregenz.

Und dann liefen wir auf den Eingangsbogen vom Casino-Stadion zu – ein motorisierter Streckenposten hupte, fuhr vor uns her und kündigte uns an – und plötzlich waren auch die anderen wieder da: Seline, Cindy und Rikke holten uns ab. Wir fassten uns an den Händen und liefen auf unseren letzten Metern durchs Casino-Stadion – angefeuert von Daniela und Michaela und Evi, meinen neuen Bodensee-Frauenlauf-Freundinnen, die ich auf der Pressekonferenz kennengelernt hatte. Die machten vielleicht einen Lärm für uns, ärger als der Rest des Stadions 😉

Wir alle liefen in 1 Stunde, 39 Minuten und ein paar Sekunden ins Ziel – die Zielzeitvorstellung lag bei den meisten übrigens bei rund 2 Stunden. Es war einfach großartig! Mit nichts zu vergleichen – ich habe so etwas wirklich noch nie erlebt. Und auch wenn ich weiß, dass ich mir am 21.6.2014 beim Wälderlauf mal wieder alles abverlangen werde, muss ich sagen: das will ich wieder! Turtlerun mit Fahne auf dem Rücken, das bewusste Schlusslicht sein, andere Frauen (gerne auch Männer) begleiten bei ihren Schritten ins Wettlauf-Geschehen … das ist wirklich mein Ding!

Zieleinlauf!

Und jetzt wird’s Zeit für ein paar Dankeschöns:

Allen voran Verena und Patricia, den beiden Schwestern, die den Bodensee Frauenlauf gegründet haben. Ihr beide seid so dermaßen spitze und ich danke euch von ganzem Herzen, dass ihr mir/uns diese Möglichkeit geboten habt! Wir bewegen damit so viel mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Ihr lebt euer Motto, dass bei eurem Frauenlauf jede Frau eine Siegerin ist. Wirklich jede. Auch die, die erst 30 Minuten später als alle anderen ins Ziel kommt. Das würde ich mir noch für ganz viele Läufe auf dieser Welt wünschen. Dass ihr mich so gefördert habt und sogar noch mit einer offiziellen Frauenlauffahne habt laufen lassen, das vergesse ich euch nie und ich bin so dankbar, dass dieses Mal Frauen mitlaufen konnte, die sich das sonst niemals getraut hätten und die ich mit einem Selbstbewusstsein begleiten konnte, das ich sonst nie entwickelt hätte, einfach weil ich wusste, es ist von euch aus vollkommen in Ordnung, dass wir so langsam sind! DANKE!

Den Streckenposten und dem BRK-Team, die uns über 10 Kilometer mit einer stoischen Ruhe begleitet haben. Die gebremst und gewartet haben, als Kerstin sich nach 2 Kilometern den Schuh wieder binden musste. Die ständig da waren, die uns den Weg freigeräumt und hinter uns aufgeräumt haben. Die an den Wasserständen noch warteten, mit einem Becher Wasser und einem Gartenschlauch. Die, obwohl sie wegen uns Überstunden machen mussten, applaudiert haben, als wir ankamen (möglicherweise auch aus Erleichterung, dass endlich Feierabend ist, haha …)  – es war toll, euch in unserem Rücken zu wissen und sorgte für ein gewisses Gefühl der Sicherheit (gut, ein wenig Verfolgungswahn war evtl. auch dabei).

Den Zuschauern am Straßenrand, die immer noch da waren und für jeden von uns noch einen aufmunternden Spruch parat hatten. Die applaudiert haben, gelacht haben und uns angefeuert haben. Und besonders danke ich jenem Mann, dem ich ein neues Judith-Zitat verdanke, das mir völlig spontan entwich, als er fragte, ob wir zwischendrin einkehren waren, denn wir würden noch so frisch aussehen. „Tja, so ist das“, habe ich geantwortet, „Wer langsamer läuft, ist länger frisch!“

Unseren beiden bewegten Journalistinnen Susi und Marlies. Die uns beide auf ihre Weise und in ihrem Tempo begleitet haben, die es sich nicht nehmen lassen, von dieser Aktion in der lokalen Presse zu berichten. Und das obwohl wir so gar nicht der Norm entsprechen. Heutzutage gewinnt meist der, der schneller, höher, weiter kann – und landet damit auch in den Nachrichten. Ihr beide macht es möglich, dass eine Zeitlang auch mal die in den Lokalnachrichten landen, die genau das nicht sind. Danke euch von ganzem Herzen dafür und ich war gestern sehr stolz, euch in unserem Team zu haben!

Das Schlusswort überlasse ich heute meinem 5-jährigen Neffen Constantin. Der mich mit großen Augen am Abend ansah, als ich mit der Medaille nach Hause kam und fragte:

„Bist du die Erste geworden, Tante Judith?“

„Nein, Schatz, ich bin die letzte geworden.“

„Bist du Dritte geworden?“

„Nein, Constantin, letzte.“

Er überlegt kurz und meint dann: „Aber vielleicht könntest du beim nächsten Mal die Zweite werden. Wenn du etwas mehr übst.“ 

Irgendwann erkläre ich ihm vielleicht, dass man auch als Letzte die Erste sein kann. Aber nicht heute.

Freude nach dem Lauf!

 


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Teil 2 Bodensee Frauenlauf Rückblick

… und ich muss ich wiederholen, denn jetzt kommt der wirklich üble Teil meines Tagebuchs 🙂 Trotzdem werde ich ihn nicht beschönigen, denn genauso intensiv habe ich ihn erlebt. Und ich sag euch ehrlich: ich möchte keine Minute davon missen. Keine einzige Minute! Es war perfekt, so wie es war. Dieser Lauf hat mich geprägt und stark gemacht, für alles was danach kam. Deswegen starte ich dieses Jahr mit meiner eigenen Turtle-Truppe, weil ich damals alleine – in Begleitung meiner Schwester – diesen Lauf gemacht und geschafft habe. Vermutlich der wichtigste Lauf meiner bisherigen Läufer-Karriere. Here we go!

Rückblick Frauenlauf Juni 2012:

Dann hören wir den Startschuss – es geht los! Der ganze Trupp setzt sich in Bewegung und trotzdem dauert es noch an die 10 Minuten bis auch endlich Block G ganz vorne am Start angelangt ist. Die Wartezeit verkürzt uns ein netter Herr, der mit offenem Hemd etwa 4 Stockwerke über uns auf einem Balkon rumturnt. Er winkt uns zu, macht leicht affenartige Bewegungen – ich nehme an, er tanzt. Dann beginnt er, sich auszuziehen… Die ganze Damenmeute schreit kurz auf. Ob vor Schock oder vor Begeisterung ist schwer zu sagen. Dann sind wir endlich am Start angelangt und es kann losgehen. 

Miriam und ich haben abgemacht, dass wir in meinem Tempo joggen. Also Schildkrötenliga. Wir werden permanent überholt. Die mit den Stöcken sind die schlimmsten; denn sie sind bewaffnet. Und sie machen durchaus Gebrauch von ihren Waffen. Da wird von links und rechts überholt, mit den Stöcken wird Platz geschaffen. Scheinbar soll es sogar zu einem kleinen Unfall zwischen Stockbesitzer und unbewaffneter Joggerin gekommen sein – mich wundert, dass keiner mit gebrochenem Bein abgeholt wurde. Es ist nicht schön, wenn dir so ein Stock beim Überholen mal schnell zwischen die Füße geschoben wird und du merkst es zu spät. Natürlich wird auch geflucht und über die langsameren hergezogen. Alles in allem sehr sympathisch diese reine Frauen-Veranstaltung! Wir Frauen sind wirklich ein großes, tolles Team. Alle für eine, eine für alle! Ohne mich. 

Ich schaue auf meine Pulsuhr: 159 Schläge.

Und das schon nach ein paar Hundert Metern. Nicht gut, ich sollte langsamer werden. Geht aber nicht. Von hinten schieben die bewaffneten Ladies und von vorne feuern dich die Zuschauer an. Ich verfalle in schnelles Gehen, statt langsames Joggen, und höre hinter mir schon wieder jemanden schimpfen: „Ja, schlafen wir jetzt ein, oder was?“ Dann werden wir von zwei fluchenden Damen überholt und mein Herz sackt etwas ab. Die sind doppelt so breit wie ich und überholen mich??? Irgendwas mach ich verkehrt. 

Vorne steht ein etwas älterer Herr, der klatscht und uns zuruft: „Super Mädels, immer weiter – das Ende naht!“ Ja, genau! So fühle ich mich gerade, das Ende naht…. Der Puls geht nicht runter, immer noch auf 160 Schlägen. Und vorne kommen schon wieder Menschenmassen, die meine, uns anfeuern zu müssen. Und prompt steigt mein Puls noch ein paar Schläge. Ich kann es nicht mehr beeinflussen. Langsam macht sich Verzweiflung breit. So schaffe ich es nie und nimmer die 5 Kilometer durchzulaufen. Nach ungefähr 2 Kilometern hat sich mein Puls auf stabile 170 Schläge eingependelt, ich jogge wieder. Ganz langsam. Miriam immer an meiner Seite. Die erste Getränkestation. Ein kleiner Junge hält uns 2 Becher mit Wasser hin. Ich greife dankbar zu. Stelle dann fest: Trinken während dem Laufen hab ich eindeutig zu wenig geübt. Die Hälfte schütte ich über mein Shirt. Fühlt sich auch nicht schlecht an. Allerdings wollte ich hier nicht auf Miss-Wet-T-Shirt machen.

Wir laufen das Bregenzer Molo runter – ganz unten bei dem großen Baum auf der Parkbank sitzen 3-4 junge Männer, die ihren Tag mit Bier und Musik verbringen. Sehen aus wie Punks. Normalerweise würde ich da niemals vorbeilaufen, vor lauter Panik, angesprochen zu werden. Bei diesem Lauf allerdings sind das die nettesten Menschen, die mich da ansprechen: „Willst du ein Bier?“ Wie gerne würde ich jetzt ja sagen und mich einfach auf die Parkbank setzen. Aber nein, das Ende naht. Das schaff ich schon. Auch wenn ich ganz kurz mit dem Gedanken spiele, meine Laufschuhe mit dem Zeitnehmungschip auszuziehen, irgendjemandem um den Hals zu hängen und mich auf die Parkbank zu setzen, Bier zu trinken und den anderen beim Laufen zu zusehen. Die Entscheidung fällt: ich laufe weiter. Aber es ist gut zu wissen, dass man immer eine Wahl hat. 

Überholt werde ich jetzt nicht mehr.

Wir sind schon langsam auf dem Weg Richtung Ziel. Im wahrsten Sinne des Wortes langsam. Mittlerweile laufen Miriam und ich fast alleine – die anderen haben uns abgehängt und hinter uns kommen nur noch die, die noch schlechter sind als wir. Eine ältere Dame aus dem Publikum ruft uns zu: „Nicht einschlafen, Mädels!“ Ich bin total empört und würde ihr am liebsten eine ganze Reihe Verwünschungen und Flüche zurufen. Aber ich kriege keinen Ton raus, der Puls ist auf knapp 180 Schläge angestiegen. Genauso wie das Publikum, das mit jedem Meter in Richtung Ziel zunimmt. Aber wozu hat man eine Schwester: „Lauf doch selber mit, du Schnepfe!“ brüllt sie ihr lauthals hinterher. Ich muss lachen, was meinen Puls weitere 5 Schläge in die Höhe treibt. „Sollen wir kurz gehen?“ fragt Miriam. Ich schüttle nur den Kopf. Zu mehr Kommunikation bin ich nicht mehr fähig. Ich will nur noch ins Ziel! 

Weitere drei Zuschauer-Kommentare später, traben wir in Richtung Zieleinlauf. Und dort stehen Menschenmassen!! Soweit das Auge reicht. Miriam fragt noch mal, ob wir vielleicht nicht doch einfach gehen wollen. Ich schüttle wieder den Kopf. Diese Blöße gebe ich mir garantiert nicht.

Ich werde joggen, und wenn es das letzte ist, was ich tue! 

Ein Blick auf die Pulsuhr zeigt, dass der Gedanke gar nicht so abwegig ist. 190 Schläge! Ist das überhaupt noch gesund? Nur noch 300 Meter – ich krieg keine Luft mehr. In der letzten Kurve winken uns Nachbarn aus dem Dorf zu. Normalerweise wäre mir das peinlich gewesen, zu dem Zeitpunkt war mir alles völlig egal. Ich wollte nur zu diesem verdammten Zieleinlauf. Und dann waren sie wieder da: 2 Nordic-Walkerinnen – ca. 100 Meter vor dem ersehnten Ziel. Ich sah Miriam an und sie nickte nur und setzte zum Überholen an. Ich versuchte mitzuziehen, was mich meine letzte Kraft kostete, aber ich schaffe es. Mit einem Puls von 197 Schlägen, hochrotem Kopf und dem Gefühl, jeden Moment umzukippen lief ich nach 51 Minuten und 6 Sekunden Spießrutenlauf ins Ziel ein.

Geschafft. Wir sind Finisher!

Geschafft. Im wahrsten Sinne des Wortes!


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Bodensee Frauenlauf: Rückblick & Vorschau

Noch knappe 24 Stunden bis zum Startschuss in Lindau am Bodensee. Dass Wetter hält, ist genau genommen fantastisch! Und wie ich an dieser Stelle immer mal wieder gerne schreibe … ich glaub, es geht schon wieder los!

Hektische Überlegungen, Gedanken, Planung … dieses Mal nicht nur für mich, sondern auch für meinen Turtlepower-Trupp! Und was gäbe es da Schöneres, als sich ein wenig abzulenken? Werfen wir doch mal einen Blick zurück ins Jahr 2012. Drei Tage vor dem Fraufenlauf – meinem ersten Lauf überhaupt – war ich da nämlich mit ganz anderen Sorgen beschäftigt.

Dieser Text blieb bisher unveröffentlicht. Heute darf er ans Licht und man möge mir die etwas verschärfte Sichtweise mancher Situationen vor Ort nachsehen, schließlich war es mein 1. Lauf und ich war damals noch nicht so wettkampferprobt (man könnte auch sagen: kampferprobt), wie ich es heute bin. Daher liebe Mädels, glaubt nur die Hälfte von dem, was ich schreibe! 😉

Frauenlauf 2012 Siesta und ich!

 

Rückblick Juni 2012: 

Noch 2 Tage bis zum Frauenlauf! Am Donnerstag wachte ich auf und fühlt mich erstmal pudelwohl. Solange, bis ich aufgestanden bin. Dann stürmte ich das WC und verbrachte dort die nächsten 24 Stunden  – unterbrochen von ca. 1 – 2 stündigen Pausen, die ich mit Jammern, Tee trinken und Salzstangen kauen verbrachte. Gegen Abend ging es mir so schlecht, dass mein Mann die Notfallapotheke aufsuchen musste, und mir Tabletten gegen Durchfall, Magenkrämpfe und wachsende Verzweiflung besorgte. Hat leider nicht wirklich funktioniert. Es folgte eine weitere schlaflose Nacht und permanent die nagenden Gedanken: „Werde ich laufen können?“ 

Freitag 8.15 Uhr, noch 1 Tag bis zum Frauenlauf: ich kann aufstehen, ohne gleich die Keramikabteilung besuchen zu müssen! Hurra! Ich bin geheilt. 

10.15 Uhr: Kommando zurück… Es ist doch noch nicht vorbei. Das WC hat mich wieder. Und so geht das weiter bis zum Abend. Gegen 20 Uhr gibt es dann erste Anzeichen der Besserung. Bis zum Schluss des Tages bin ich mir nicht sicher, ob ich am nächsten Tag laufen werde. Andererseits, ich trainiere seit 2 Monaten darauf hin – lasse ich mich von einem fiesen Magen-Darm-Virus aus der Laufbahn werfen?

Samstag, 9. Juni Frauenlauf

10.00 Uhr: Ich fahre noch kurz ins Büro, um zu sehen was ich verpasst habe. Dort treffe ich auf meine Chefin, die mir zu verstehen gibt, dass sie sich Sorgen um meinen Gesundheitszustand macht. Das läge doch bestimmt an meiner seltsamen Ernährung. Und dann fällt mein Lieblingswort: „Mangelernährung“. 

Ich versuche, ihr zu erklären, dass ein Magen-Darm-Virus nichts mit einer Mangelernährung zu tun hat und dass man doch bitte nicht vergessen solle, dass ich in den letzten 10 Monaten nicht ein einziges Mal krank war. Den ganzen Winter nicht. Daraufhin sagt sie mir noch, dass sie das „Zeug“, das ich esse, niemals essen könnte. Ich bin so perplex, dass ich gar nicht wusste, was ich antworten soll. Was für Zeug esse ich denn, das sie niemals essen könnte? Äpfel, Bananen, Mangos, Salate, Zucchini, Paprika, Pilze, Nudeln, Kartoffeln, Brot? Klingt ja auch echt eklig das Zeug. Ich frag mich auch jeden Tag, wie ich so was nur essen kann. 

„Wenn Sie vielleicht Käse essen würden, dann wäre das bestimmt gesünder… Und deswegen muss doch auch kein Tier sterben. Ich verstehe das nicht!“ Mein ohnehin angeschlagener Körper verfällt in Panik. Eine Grundsatzdiskussion über die Milchwirtschaft? Nein danke, das packe ich jetzt nicht. Ich ergreife die Flucht mit einem milden Lächeln und dem Spruch: „Da gibt‘s ganz tolle Bücher drüber, wenn es Sie interessiert, lesen Sie doch eins.“

90 Minuten später, beim Startnummern abholen, überfällt mich dann doch leichte Panik.

Überall schwirren sportlich aussehende Menschen rum. Beim Eingang in die Halle, trifft mich fast der Schlag. Es hat gefühlte 58°C und der Trubel macht mich ganz nervös. Meine Schwester Miriam und ich sind für die Pink-Ribbon-Gruppe angemeldet, die für einen guten Zweck laufen. Und dafür bekommen wir ein gratis T-Shirt. In Pink. Wir laufen also mit unserem Gutschein zum Pink-Ribbon-Stand und die nette Dame präsentiert uns die Shirts. Meines sieht aus als wäre es in der Waschmaschine eingelaufen. Aber ist Größe XL. Steht zumindest drauf. Mit diesem Problem beschäftige ich mich später zuhause vor dem Spiegel. 

Auf dem Weg zum Auto muckt mein Magen wieder ein bisschen. Aber ich denke, es wird schon gehen. Vielleicht muss ich walken – ich probiere es auf jeden Fall. Schließlich habe ich ein pinkes T-Shirt. 

Zuhause merke ich: das T-Shirt ist mindestens eine Nummer zu klein und 6 cm zu kurz, als dass ich mich darin wohlfühlen könnte. Ich schließe einen Kompromiss und ziehe eine schwarze Weste drüber. So muss es gehen! 

Und dann stehen wir plötzlich mitten in 3.300 Frauen!

Es hat so ein bisschen was von einem Hühnerstall. Überall wird geschnattert, gekichert, gelacht. Eine sehr aufregende Stimmung. Nach kurzem Suchen finden meine Schwester Miriam und ich auch meine andere Schwester und meine 13-jährige Nichte, die zum ersten Mal mitläuft. Wir starten im Block G.

G steht für „Gemütlich“. Hinter uns ist nur noch der Block H für die Nordic-Walker.
H steht für „Hau die aus Block G mit den Stöcken aus der Bahn“. 

Etwa 300 Meter vor uns steht auf einem Podest eine schlanke, sportliche Frau, die zum Takt der Musik Aufwärmübungen vorturnt. Wir sollen mitmachen. Um besser sehen zu können, rücken die schnatternden Damen näher zusammen. So wird‘s schön kuschlig. Dann werden die Arme geschwungen und Ausfallschritte gemacht, ohne Rücksicht auf Verluste in der näheren Umgebung. Ich beschließe, mich rauszuhalten – schließlich soll ich nachher noch 5 km laufen und will mich nicht beim Aufwärmen schon fertig machen. 

Dann hören wir den Startschuss – es geht los!

… tja, und was dann noch alles geschah, das erzähle ich euch morgen vormittag 😉

 

 

 

 

 


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Eat & Run – ein Buch und irgendwie viel mehr

Wenn ein Buch schon den Titel „Eat & Run“ trägt und somit meine beiden Lieblingsbeschäftigungen vereint, dann muss ich das natürlich lesen. Ich hatte das Vergnügen, Scott Jureks Autobiografie bereits auf Englisch zu lesen und vor kurzem kam im Südwest-Verlag dann die deutsche Übersetzung auf den Markt. Ich wusste ja bereits von der englischen Ausgabe her, was mich erwartet und war gespannt, wie das Buch auf Deutsch wirken würde.

Es fällt mir unheimlich schwer, die richtigen Worte dafür zu finden.

Wahrscheinlich dauerte es deswegen so lang, bis ich mich überhaupt hingesetzt habe, um darüber zu schreiben. Denn vermutlich können sich die wenigsten von uns mit einem Hochleistungssportler, wie Scott Jurek einer ist, identifizieren. Die wenigsten von uns stehen morgens vor der Arbeit auf, um 30 Kilometer zu laufen – und das mehrmals wöchentlich. Die wenigsten von uns nehmen an Rennen teil, die 100 Kilometer und mehr betragen – und zwar regelmäßig im Abstand von ein paar Wochen. Die wenigsten von uns nehmen Kredite auf, um Startgebühren und Reisen zu Rennen in der ganzen Welt finanzieren zu können. Die wenigsten von uns können es sich auch nur im entferntesten vorstellen, mit einem gebrochenen Knöchel, einem angerissenen Band oder auch nur einer Blase noch 90 Kilometer zu rennen, weil „man manche Dinge einfach tut“.

Und dennoch beginnst du zu lesen und bist irgendwie mittendrin.

Du liegst mit Scott in der Wüste auf dem Boden, während er mit seinem Schicksal hadert und glaubt, nie wieder aufstehen zu können. Du bist dabei, wenn sein Freund Dusty ihn mit derben Sprüchen dazu bringt, aufzustehen und weiterzulaufen. Du läufst mit, wenn Scott auf 336 Seiten durch sein Leben zu fliegen scheint. Zwischendrin legt er einen kurzen Stop ein, um dir seine Rezepte mit auf den Weg zu geben. Schnörkellos, ohne Bilder. So, wie der ganze Mann, der ganze Athlet zu sein scheint. Einfach, natürlich, unkompliziert.

Dieses Buch ist schlicht gesagt: faszinierend. Du tauchst in die Welt eines Menschen ein, der Dinge vollbringt, die für dich unvorstellbar sind. Und gleichzeitig löst er in dir den Wunsch aus: Das will ich auch!

Oder zumindest etwas davon, was in meiner Welt vergleichbar wäre. Denn vermutlich werde ich nicht 7x hintereinander bei einem Ultramarathon gewinnen – vermutlich werde ich kein einziges Mal gewinnen, vielleicht werde ich nicht mal mitlaufen. Aber darum geht es auch nicht und diese Entwicklung  macht auch Scott Jurek in dem Buch durch. Zu Beginn beweist er sich und der Welt was für ein Ausnahmeläufer er ist und am Ende bleibt … ach, lest es doch einfach selbst. Hier geht es zu einer Leseprobe des Südwest-Verlags.

Und zum Schluss lasse ich meinen Schulkollegen zu Wort kommen, der letzte Woche folgendes Gespräch mit mir führte:

„Judith, kann ich dich mal was fragen?“

„Klar. Was denn?“

„Ernährst du dich nur ohne Fleisch oder so richtig vegan?“

„Vegan. Ich ernähre mich rein pflanzlich. Wieso fragst du?“

„Naja, ich lese da so ein blödes Buch … “

„Was für ein blödes Buch?“

„Es heißt Eat & Run.“

An dem Punkt unterbrach ich ihn und beschimpfte ihn mehrere Atemzüge lang, wie er dieses Buch als „blöd“ bezeichnen kann, denn es ist das beste und tollste und schönste und überhaupt …

„Glaubst du denn, das stimmt wirklich mit der Ernährung? Der schreibt ja wieviel Energie im veganes Essen schenkt und wie leistungsfähig er ist. Stimmt das?“

„Gut, ich bin kein Leistungssportler und ich bin noch nicht mal schnell, aber Fakt ist: ich kann 21 Kilometer laufen, am nächsten Tag kurz ausruhen und am übernächsten Tag wieder weitertrainieren und habe dabei noch nicht mal wirklich Muskelkater.“

Beeindrucktes Schweigen. Dann erklärt er mir, dass er eben nicht mehr so oft laufen kann, weil er immer 2-3 Tage zur Erholung braucht. Und überlegt, ob er vielleicht doch mal probieren könnte, sich eine Weile vegan zu ernähren. Nur mal so zum Test.

„Weil, weißt du, seit ich dieses Buch gelesen habe … also irgendwie steckt es einen schon an. Man kann an gar nix anderes mehr denken.“

Ich weiß nicht, ob diese Form der Ernährung der Schlüssel zu sämtlicher Energie ist und jedem auf dieselbe Weise zu Erfolg verhilft, wie es bei Scott Jurek, Brendan Brazier und Matt Frazier und wie sie alle heißen, der Fall ist. Aber mir geht es gut damit. Ich bin satt, zufrieden und kann laufen. Ich kann nicht schnell laufen, aber ich kann lange laufen. Ich bin schnell wieder fit und kann weitermachen, wenn ich an meine Grenzen gegangen bin. Ich liebe Tiere und bin froh, dass ich sie nicht mehr essen muss (früher dachte ich, es geht nicht anders). Und nicht zuletzt schmeckt es einfach gut, ich fühle mich pudelwohl und warum in aller Welt, sollte ich daran etwas ändern wollen? Ich liebe mein pflanzliches Essen.

Und Scott Jureks Buch auch.
Scott sagt übrigens, dass jeder Mensch ein Ultraläufer sein kann. Jeder.

Also weiß ich ja jetzt, was ich zu tun habe: Essen & Laufen.

Völlig unkompliziert.

Eat Run von Scott Jurek


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Turtlerunners beim Frauenlauf – machst du mit?

Manchmal muss man Wünsche nur laut aussprechen und prompt kommt jemand daher und erfüllt sie dir.

Im letzten Artikel habe ich mich noch darüber gewundert, wo denn die ganzen Slowrunners sind, wenn man sie mal braucht bei einem Wettkampf. Gleichzeitig habe ich mir einen Startblock „T“ für uns Turtlerunner gewünscht, damit auch uns die Ehre erwiesen wird, die wir verdient haben.

Und was passiert? 

Das Team vom Bodensee Frauenlauf fand die Idee so gut, dass sie bei der Pressekonferenz letzten Mittwoch verkündet haben, dass sie 10 Frauen suchen, die gemeinsam mit mir als Team „Bewegt und motiviert mit Judith“ die 10 Kilometer von Lindau nach Bregenz laufen. Oder besser gesagt turtlen.

Denn es sind speziell die Läuferinnen gefragt, die denken sie sind zu langsam. Verena Eugster und Patricia Zupan vom Bodensee Frauenlauf sponsern die Startgebühr und laden diese 10 Läuferinnen herzlich zum Lauf am 24.05.2014 ein.

Ist das nicht der Hammer? So, Mädels und jetzt seid ihr gefragt!

Wer hat Lust, mit mir zu laufen?

Schreib eine kurze Mail an info@bodensee-frauenlauf.com und sag Bescheid, dass du gerne dabei sein willst. Aus allen Einsendungen werden 10 Frauen ausgesucht. Es gibt nix zu verlieren – Mach mit! Und bitte erzähl das auch deinen Freundinnen.

Zu weit weg?

Ich kann dir versichern, dieser Lauf, diese Strecke, die Region und die Atmosphäre sind einen kurzen Wochenend-Trip wert. Und wenn dich das nicht überzeugt, dann vielleicht die Shopping- und Relaxmesse, die am 23./24.5.2014 beim Festspielhaus in Bregenz stattfindet. Dort ist übrigens auch die Startnummernausgabe und du erhältst ein Gutscheinheft mit Gutscheinen im Wert von 65 Euro für die Messe.

Und nicht zuletzt lernen wir uns live kennen – das ist doch auch eine schöne Sache!

Hier mein Aufruf via Antenne Vorarlberg (im Dialekt) zu der Aktion – mein Radiointerview.

Daraufhin habe ich gestern übrigens gleich den neuen Anita-Sport-BH getestet (sind übrigens auch Aussteller auf der Shoppingmesse). Beim Berglauf-Training mit Supramaximalläufen inklusive kurzfristiger Heulattacken, körperlichen Schwächeeinbrüchen und akutem Selbstmitleid habe ich dem Anita-Momentum-Sport-BH alles abverlangt. Und ich muss sagen: der beste Sport-BH, den ich bisher hatte! Man spürt ihn kaum. Er sitzt, wo er sitzen soll und hält, was er halten soll. Jetzt hat er sich seine erste Wäsche verdient und ich bin gespannt, ob er auch danach noch so gut aussieht, wie zu Beginn.

 

 


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Slow down – die Entdeckung der Langsamkeit

Als ich anfing zu laufen, habe ich bereits die Langsamkeit für mich entdeckt. Kein Wunder, denn viel anderes gab es für mich nicht zu entdecken. Und nach meinem letzten Wettlauf am vergangenen Samstag, begann ich wieder mal nachzudenken. Den irgendwas stimmte nicht mehr.

Ich fühlte mich nicht gut. Ok, ich war gerade erkältet und musste ein paar Tage Laufpause einlegen, was auch nicht gerade förderlich für mein Wohlbefinden war. Und so stand ich also zwischen sportlich gekleideten Menschen, die sich in 2-er Teams gruppierten und dachte mir mal wieder:

Wieso tust du dir diesen Mist eigentlich an?

Dann begann das Warmlaufen. Dann begann der Countdown der letzten 60 Sekunden und ich hörte auf, nachzudenken. Dann ertönte der Startschuss. Ich lief los, denn ich durfte die erste Runde absolvieren. 800 Meter, danach Wechsel mit dem Teampartner, der die 2. Runde lief. Ich rannte also und war nach kurzer Zeit in meinem GA3-Bereich bei rund 175 Schlägen pro Minute. Ich fühlte mich gar nicht so schlecht. Die 800 Meter waren bald geschafft und insgesamt lief ich 7 Runden, mein Mann 6 Runden. Als Team schafften wir 13 Runden für den guten Zweck und sicherten uns damit den 8. Platz in unserer Altersklasse. Insgesamt gab es neun.

Ich bin also gerannt wie der Teufel. Herzklopfen bis zum Anschlag. Und wurde mit dieser Leistung Vorletzte. Ich würde ja gern sagen, es lag an meinem Mann – aber das ist nicht so. Hätte er mich nicht an der Backe gehabt, hätte der bestimmt noch 2-3 Runden draufgelegt. Zuhause war ich dann total gestresst und überlegte mir Dinge, wie:

  • Sind bei solchen Läufen denn nur überdurchschnittlich gute Läufer dabei?
  • Oder bin ich einfach so schlecht?
  • Und wenn ich so schlecht bin, dann bin ich damit doch nicht allein auf der Welt?
  • Wo sind all die andern langsamen Läufer?
  • Nehmen die nicht an solchen Läufen teil?
  • Wieso denn nicht?
  • Trauen sie sich nicht?
  • Weil sie dann möglicherweise letzter oder vorletzter wären?
  • Was ist hier eigentlich los?

Ich habe die letzte Zeit versucht, einer Zeit hinterherzurennen, die ich (noch) nicht in der Lage bin zu schaffen. Mein Traum war es, beim Frauenlauf die 10 Kilometer unter 60 Minuten zu schaffen. Und wieso will ich das?

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung.

Denn ich habe als langsame Läuferin angefangen und mein Wunsch war es immer, anderen langsamen Läufern Mut zu machen. Damit sie auch mitlaufen, damit wir uns gemeinsam am Ende der Wertungszeiten wiederfinden. Und das Paradoxe ist ja: Sogar wenn ich die 10 Kilometer unter 60 Minuten schaffen würde – sogar dann wäre ich nur im Mittelfeld, allerhöchstens.

Und mal ehrlich: im Mittelfeld gibt es sooooo viele! Da braucht’s mich nicht auch noch.

Ich bleibe lieber hinten, genieße meine Zeit und meine Läufe und habe viel länger was vom Wettkampf, von der Strecke, von den Leuten, von der Atmosphäre. Denn, wie ein weiser Mann kürzlich via Facebook zu mir sagte:

Warum sollte ich die Zeit, die ich damit verbringe, meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Laufen, nachzugehen, unbedingt so schnell wie möglich hinter mich bringen?

Und damit hat er sowas von recht. Und er hat mich dazu gebracht, mich wieder zu erinnern, wie ich eigentlich angefangen habe. Was „mein Ding“ war. Ich bin langsam. Und das ist gut so.

Heißt das jetzt, dass ich mich nicht mehr im grenzüberschreitenden Training der Grausamkeiten anstrengen werde? Heißt das, dass ich beim Frauenlauf nicht in der Gruppe der 60-Minuten-Ladies mitlaufen werde?

Nein, das heißt es nicht! Ich werde mich anstrengen und ich werde mit der fabelhaften Gabi als Pacemakerin beim Frauenlauf in der 60-Minuten-Gruppe starten. Aber wenn es mich zwischendrin überkommt, dass ich denke, ein wenig langsamer wäre auch ganz nett, dann werde ich dem nachgeben. Und wenn das heißt, dass die Gruppe mich abhängt, dann wird das so sein. Und wenn das heißt, dass ich ganz alleine nach 1 Stunde und 20 Minuten durch das Ziel laufe, wenn vielleicht keiner mehr da ist, dann wird das so sein. Und es wird gut sein.

Und an dieser Stelle möchte ich dem Frauenlauf-Team einen Vorschlag machen: beim nächsten Mal Frauenlauf macht doch bitte bei der 10-km-Strecke nach dem letzten Startblock D (der für die 60-Minuten-Ladies ist) noch einen weiteren. Einen Block T für Turtlerunner. Denn auf den ersten Blick könnte man meinen, nach Block D gibt es nichts mehr. Sprich, die 60-Minuten-Läufer sind sowieso schon die Langsamsten. Hätte ich nicht schon mehrjährige Erfahrung als Schlusslicht eines jeden Laufes, dann würde ich mich niemals trauen, mich für diesen Lauf anzumelden, da ich befürchtete, ich müsste mindestens in die Gruppe D passen. Aber es gibt noch so viele Buchstaben im Alphabet und es wäre schön, wenn es für die, die nicht ins Schema passen auch einen eigenen Startblock gibt.

Nix für ungut, Ladies. Einmal Turtlerunner, immer Turtlerunner! 

An dieser Stelle nochmal danke an Isa, Ariane, Ina und meinen Mann, die am letzten Samstag beim Teamlauf in Oberreitnau mit mir gekämpft haben – wir waren alle spitzenmäßig!

Girls, Girls, Girls - on the run!

 


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Brendan Brazier, die Küchenmaschine und ich

Brendan Brazier „Vegan in Topform – Das Kochbuch“

Vor einigen Wochen erschien Brendan Braziers zweites Buch auf Deutsch im Unimedica-Verlag: „Vegan in Topform – Das Kochbuch“.  Da Brendan ja bereits seit Erscheinen seines ersten Buches „Vegan in Topform“ (ebenfalls Unimedica-Verlag) ja sowas wie ständiger Gast in meiner Küche ist, musste ich natürlich auch dieses Buch lesen.

Was heißt hier „lesen“? Verschlungen haben ich es!

Im wahrsten Sinne des Wortes. Oder wenigstens so in etwa. Das Buch ist noch ganz, hat jetzt Flecken vom Kochen und Knicke vom Umblättern, aber das muss ein gutes Kochbuch wegstecken. Und das hat Mr. Brazier hier, meiner Meinung nach, eindeutig vollbracht: ein gutes Kochbuch.

Chiapudding

Eins vornweg: es wird immer wieder gefragt, ob man denn zuerst sein erstes Buch lesen sollte oder ob man gleich mit dem zweiten Buch beginnen kann. Ja, es ist möglich direkt mit dem zweiten Buch zu starten, denn Brendan erklärt das komplette Prinzip seiner Thrive-Diät im ersten, theoretischen Teil des Buches. Seine Theorie ist für mich sehr gut nachvollziehbar und – was mir am wichtigsten ist – sie ist für mich logisch. Ganz grob und in meinen eigenen Worten würde ich es so beschreiben:

Mein Körper hat mehr Energie zur Verfügung für Training & Regeneration, wenn er Nahrung bekommt, für deren Verdauung er nicht soviel Energie aufwenden muss.

Die genauen Hintergründe, lasst ihr euch am besten vom Meister selbst erklären – er schreibt wirklich so, dass man gut versteht, worum es geht. Er geht außerdem im Theorie-Teil auf die Auswirkungen einer rein pflanzlichen Ernährung auf die Umwelt ein. Und dann geht’s auch schon los!

Wirsing-Buchweizen-Wrap

Die Vielzahl an Rezepten ist unglaublich!

Ich glaube, ich könnte ohne weiteres 2 Monate aus diesem Buch kochen und jeden Tag was anderes essen, bis ich alle Rezepte einmal ausprobiert habe. Hier findet ihr Pancakes, Smoothies, Reisgerichte, Pizzas, Suppen, Gemüsegerichte, Energieriegel, Nachtisch, Snacks, Kuchen, … und vieles mehr.

Für mich als Fan der Brazier-Thrive-Diät ist es das reinste Schlaraffenland! Es sind teils aufwändigere Rezepte drin aber auch sehr viele, die wirklich ruck-ruck gehen, was mir persönlich sehr wichtig ist.

Ein kleines Manko

hat das Buch für mich und ich wäre sehr glücklich, wenn mir jemand diese Frage beantworten könnte: Lieber Brendan, lieber Verlag! Ihr schreibt immer von einer Küchenmaschine. Dieses Teil muss ja wahre Wunder vollbringen, denn scheinbar kann sie aus den trockensten Zutaten wie Nüssen, Kerne etc. einen Teig herstellen! Ich brauche unbedingt sowas in meiner Küche – nur leider ist mit keinem Wort erwähnt, was genau für ein Gerät damit gemeint ist. Also ihr Lieben, welches geheimnisvolle Küchengerät kann alle diese Wunder vollbringen, die im Buch dargestellt werden?

Ich hab mich in dem Fall dann immer mit meinem alten Pürierstab abgemüht. Hat auch funktioniert. Ginge aber bestimmt bequemer. Für alles, was flüssiger ist, benutze ich meinen Vitamix und bin glücklich damit. Vom Equipment her, kommt ihr also mit einem Stabmixer/Mixer durch – es gibt eine Handvoll Rezepte, die nach einem Dörrapparat verlangen, teils wird aber auch die Alternative der Zubereitung im Backofen angeboten.

Coole-Kokos-Orangenschnitten

Worin dieses Buch (wie auch das letzte Buch) unschlagbar ist:

es macht mich satt, zufrieden und glücklich wie es bisher kein anderes Kochbuch bzw. keine andere Ernährungsform geschafft hat. Brendans Rezepte schaffen es, dass ich kaum mehr Heißhunger habe. Kein Verlangen mehr nach anderen Süßigkeiten als Datteln und Obst.

Bauchschmerzen, Völlegefühl oder den Drang, sich vollzustopfen – gibt es nicht bei diesen Rezepten. Ich fühle mich zu 100% gut ernährt, wenn ich nach seinen Prinzipien koche und esse. Wie ihr wisst, trainiere ich rund 6 x die Woche (Laufen & Krafttraining) – und ich habe das Gefühl, wirklich optimal versorgt zu sein. Keine Hungerlöcher – dafür ein kontinuierlich gutes Gefühl beim Sport.

Deswegen  bekommt auch jeder, der mir schreibt und sich über Schokofrust und Heißhungerattacken beschwert, den Tipp, sich Brendans Bücher zu besorgen. Ich kenne nichts Vergleichbares und bin froh, endlich eine Ernährung gefunden zu haben, die mich zufriedenstellt.

Hier geht’s zu einer Leseprobe (inklusive Rezepten)direkt beim Verlag und ich würde euch auch ans Herz legen, das Buch direkt beim Verlag zu bestellen, denn obwohl ich in Österreich wohne und das Buch aus Deutschland kam, wurde ich noch nie so schnell beliefert. Außerdem arbeiten dort lauter nette Menschen, die äußerst freundlich und schnell auf e-Mails reagieren. Und außerdem gibt es dort einen Shop, wo ihr euch z.B. Hanfprotein bestellen könnte – und alles, was ihr sonst noch in dem Buch findet, und nicht wisst, wo man es besorgen kann – dort bekommt ihr es.

Buchweizen-Sonnenblumen-Pizza