veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


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Der Reschenseelauf und die „verdammten Komma 3“

Die Ankunft am Reschensee (inkl. beginnender Panik)

Gute zwei Stunden Fahrtzeit bei 30°C Außentemperatur. Vier Mädels, ein Kofferraum voller Gepäck (das meiste davon meins, da ich Verpflegung für ungefähr 2 Wochen eingepackt hatte, man weiß ja nie) und die Vorfreude auf den Reschenseelauf. Tja, und da kam er dann. Der wunderschöne Reschensee. Mit ihm die sagenhafte Kirche, die im See steht. Besser gesagt: unter Wasser steht. Ein faszinierendes Bild. Einige Zeit war es still im Vier-Mäderl-Auto. Andächtig betrachteten wir die beeindruckende Landschaft. Jede hing ihren Gedanken nach. Bis endlich eine aussprach, was wir uns alle dachten: „Also, wenn das der See ist, um den wir rundum laufen – dann krieg ich jetzt Panik!“

Und ja, genau das war der See. Doch der sah irgendwie sehr viel größer als wir es uns vorgestellt hatten. Waren das wirklich nur 15,3 Kilometer? Vom ersten Gefühl her hätte ich auf rund 50 Kilometer getippt. Leichte Beunruhigung breitete sich aus. Aber naja, was soll ich sagen. Jetzt, wo wir schon mal da waren …

Am Reschensee.

Beim Startnummern abholen trafen wir dann die anderen unserer „Crew“. Und dann wurde es Zeit für das wichtigste vor einem Lauf bei knapp 30°C auf 1500 Höhenmeter: Essen! Ohne Treibstoff läuft nichts und so vereinbarten wir, uns am Start wiederzutreffen, während mein Vierer-Kleeblatt sich wieder auf den Weg zum Futter-Mobil machten. Im Schatten futterte jeder seine favorisierte Energiequelle und die Bandbreite reichte von Müsliriegel über Risotto, Fladenbrot und Kuchen bis hin zum Apfel. Man könnte sagen, wir waren wirklich gut vorbereitet, was den Proviant anging. Ich kaute so an meinem Fladenbrot, als ich Sarah sagen höre: „Also die 15 Kilometer, darauf bin ich eingestellt, das krieg ich hin. Aber diese verdammten Komma 3, ich glaube, das sind die, die uns zum Schluss dann noch fertig machen!“ Ich verschluckte mich beinahe an meinem Brötchen. Die 15 km sind ok? Aber die 0,3 am Schluss sind dann zuviel des Guten? Ich musste lachen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sie die Lage ziemlich gut einschätzte.

Der Start

Es hatte ein wenig was vom Viehtrieb, wie wir uns da so eingepfercht in unsere Startblöcke vorwärts bewegten. Besser gesagt: vorwärts getrieben wurden. Zwischen unserem Startblock und den Nordic Walkern war nur ein hauchdünnes Absperrband in rot-weiß. Wir bekamen 1 Minute Vorsprung. Dann ging es los. Die Sonne heizte uns ordentlich ein und die ersten paar Meter über die Wiese waren ein wenig holprig. Es ging über die Brücke, immer entlang am Reschensee. Ein frische Wind, wehte mir um die Ohren, die ich vorsorglich mit einem Tuch bedeckt hatte. Mit Sarah an der Seite hatte ich eine a) passende Laufpartnerin, der ich nicht zu langsam war – wir pendelten uns bei gut 8 km/h ein und b) passende Gesprächspartnerin, dank der ich eine Weile nicht mal merkte, dass wir mal wieder von den Abschlussradfahrern begleitet wurden.

Der Lauf

Immer wieder kamen uns Läufer entgegen, die abgebrochen oder aufgegeben hatten – zumindest machte es so den Anschein. Ich denke, einige hatten die Sonne doch etwas unterschätzt und sind vielleicht zu schnell losgelaufen. Von hinten hörte ich plötzlich ein Klack-Klack-Klack und ich wusste: es war soweit! Der erste Nordic Walker ging zum Angriff über. Roberto (sein Name stand auf dem Shirt) stöckelte in einem Affenzahn an uns vorbei. Sarah und ich waren uns einig. Der gute Mann darf das, der sieht von hinten so gut aus, dass wir kein Problem damit haben, ihn direkt vor unserer Nase zu haben. Der schöne Anblick hielt leider nicht lange an – er war zu schnell für uns. Aber man kann ja nicht alles haben.

Der Buckel

Ich wurde bereits noch in heimatlichen Gefilden vor dem bösen Buckel zwischen Kilometer 9 und 10 gewarnt. Der wäre soooo steil und der hätte es in sich. Bei jedem minimalen Anstieg meinte Sarah: „Das war er jetzt, oder?“ und ich antwortete jedes Mal: „Ich fürchte, nein.“ So liefen wir weiter, mein Puls stetig bei knapp 160 Schlägen, was für einen Wettlauf schon fast eine kleine Sensation ist, denn unter 175 geht da normal nix bei mir. Ich hatte ein richtig gutes Laufgefühl. Ich mochte die Strecke, die Strecke mochte mich. Wir liefen über die Staumauer, auf Schotterwegen, an seltsamen Riesenbottichen vorbei, die im Stausee standen (wir stellten uns vor, wir könnten daraus prickelnde Holder-Bowle schlürfen aus einem Riesenstrohhalm). Und dann, aus dem Nichts heraus, hörten wir Samba-Klänge. Ein wildes Getrommel, rhythmisch, stampfend, mitreißend. Da war er plötzlich. Der Buckel, vor dem mich alle gewarnt hatten – und mittendrin vier Burschen mit Trommeln, die den Läufern praktisch den Takt vorgaben. Alle, die vor uns waren, gingen den Anstieg hinauf. Ich wollte eigentlich auch gehen. Aber erstens habe ich Bergläufe trainiert und zweitens hatte auch Sarah extra für diesen Lauf Hügellauf trainiert und drittens … ach was weiß ich, was mich da geritten hat. „Ich überhole aufwärts aber niemanden, das ist mir zu stressig“, gab ich Sarah noch schnell bekannt, bevor die Luft fürs Reden zu knapp wurde. Schweigend liefen wir im Samba-Rhythmus die etwa 500 Meter lange Passage noch oben.

Ein Fuß vor dem anderen. Einatmen, ausatmen. Und ich gestehe: ich hatte noch nie in meinem kurzen Läuferleben sowas wie ein Runner’s High. Noch nie. Aber dieser Buckel, kam dem schon ziemlich nahe. Denn ich merkte, nachdem der Puls bei gut 170 Schlägen lag, dass ich lief, wie ein gut funktionierendes Uhrwerk. Es war anstrengend, aber es überforderte mich nicht. Das machte mich sowas von glücklich, das ich gar nicht merkte, wie ich ein Pärchen überholte, das vor mir immer langsamer wurde. „Ich dachte, du überholst bergauf nicht“, sagte Sarah später. Stimmt, hatte ich ganz vergessen. Berglauftraining, ich liebe dich! Das hat ja sowas von funktioniert!

Die verdammten Komma 3 und weiche Knie

Einige Kilometer verflogen, ohne dass ich sie wirklich registriert habe. Ich bin einfach gelaufen, dank Sarah abgelenkt von eventuellen Wehwehchen, wie die linke, mittlere Zehe, die zwischendrin mal wieder Aufmerksamkeit einforderte. Wir liefen durch einen extra aufgestellten Rasensprenger mitten auf der Straße hindurch, klatschten uns mit dem Streckenposten ab, der uns anfeuerte, holten uns Wasser und Melone beim Verpflegungsstand und liefen und liefen. Wir liefen vorbei am Schild mit KM 14 und dann kam das Ziel in Sichtweite. „Mist, ich hab das Ziel gesehen“, sagte Sarah. In dem Moment sah ich es auch und es passierte, was immer passiert: ich bekam weiche Knie. Und das seltsame Verlangen, einfach mittendrin stehenzubleiben und aufzuhören, schlug wieder zu. Wir stellten fest, dass es uns beiden genau gleich ging. Ziel in Sicht? Alles klar, dann können wir ja jetzt aufhören. Zumindest scheint das im Gehirn so abzulaufen. Natürlich rannten wir weiter. Das Schild mit KM 15 kam in Sichtweite. Und ab da war es dann tatsächlich so, als würden wir die letzten 300 Meter durch Pudding waten. Natürlich sahen wir dabei äußerst entspannt und vollkommen athletisch aus, denn dieses seltsame Empfinden existiert ja nur in meinem Kopf – und scheinbar auch in Sarah’s. Mein Puls sprang auf hübsche 180 Schläge, was auch schon wieder eine Sensation für sich ist, denn normalerweise verbringe ich Zieleinläufe in einem Zustand ganz knapp vor dem Koma, bei rund 190 Schlägen.

Und um es kurz zu machen (der Artikel ist eh schon viel zu lang, aber he, es waren immerhin 15 Kilometer und die verdammten Komma 3 noch dazu – freut euch auf meinen Halbmarathonbericht): es war ein wunderschöner Lauf, auf den ich mich körperlich so gut eingestellt hatte, dass ich heute – einen Tag später – weder Muskelkater habe noch sonstige Beschwerden. Ich weiß, ich kann morgen mein HM-Training fortsetzen, ohne zu pausieren. Ich fühle mich pudelwohl. Und das habe ich, neben vielen anderen Erkenntnissen, aus diesem Lauf gestern mitgenommen:

Ich möchte zukünftig jeden Wettkampf so laufen, dass ich hinterher sagen kann: Schön war’s. Anstrengend war’s. Ich habe es genossen. Ich habe mich gefordert, aber nicht überfordert. Mein Körper kommt mit der Anstrengung klar und braucht keine Woche zum Regenerieren. Und wenn ich dafür halt 1h 52 min. auf 15,3 Kilometer brauche, dann ist das perfekt.

Einfach perfekt.

Danke an Ina (perfekte Chauffeurin) , Sarah (perfekte Laufbegleitung), Katharina (perfekter Roadie)! Und danke an Elke mit Roland und Sandra mit Markus, die extra diese weite Anfahrt auf sich genommen haben und unser Team vor Ort komplettiert haben. Perfekt!

Die perfekte Truppe!

 

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Zum Heulen

Manchmal sind die Dinge einfach nur zum Heulen. Wir heulen, wenn was weh tut (gut, nicht wir alle). Wir heulen, wenn etwas blöd gelaufen ist (auch nicht wir alle). Wir heulen, wenn etwas Trauriges passiert (die meisten von uns).

Nach den letzten grenzüberschreitenden Trainingsintervallen, als ich neben meinem bestens gelaunten Mann heimwärts kroch auf allen vieren (ok, das ist übertrieben, aber kommt der Wahrheit schon ziemlich nahe), versuchte er mich aufzumuntern und meinte: „He, letztes Jahr hättest du auf der Strecke noch heulen können!“

Was heißt denn hier „letztes Jahr“? Das tue ich heute noch! Jede Woche mindestens einmal. Zumindest gedanklich. Aber vielleicht ist das auch gar nicht das Verkehrteste. Denn heulen tun wir ja auch, wenn wir glücklich sind (manche von uns). Wir heulen, wenn wir etwas Wichtiges geschafft haben (ja, nicht jeder von uns, aber einige). Wir heulen, wenn uns etwas überwältigt. Zumindest ich.

Und das geschah am 1. Mai 2014. Also vorgestern. Ich saß am Computer (was öfters vorkommt, wenn ich nicht gerade laufe) und bekam eine Mail. Von einem Menschen, dessen Namen ich vorher nie gehört hatte, der mir gänzlich unbekannt war. Und dieser Mensch schrieb folgendes:

Einen wunderschönen guten Morgen!

Warum schreibe ich Dir?

Ich habe mich im Dezember im Internet ein bisschen schlau machen wollen von wegen gesunder Rezepte und so……! Da bin ich durch Zufall auf Deine Seite gekommen und war ganz begeistert von Deiner Story.
Nun, wie gesagt es war Dezember. Weihnachten vor der Tür, mein Geburtstag am 21.12. und anschließend Silvester……..also der richtige Zeitpunkt seine Essensgewohnheiten neu zu strukturieren!

Natürlich mit Hintertürl, so quasi „Vegan hört sich super an, aber vielleicht halt nur 3x die Woche und auf Käse wird schwer zu verzichten sein, na dann schau mer mal!“ (wie der Kaiser Franz das so schön auszudrücken weiß).

Kurze Rede, langer Sinn: kein Problem mit Käse oder sonstigen Sündenfällen, kein Gramm Wurst, kein Gramm Fleisch – Smoothies bis zum abwinken, Salate Gemüse und sämtliche erlaubte Dinge, die das Veganerleben so erfreulich machen. Ich habe wieder zu laufen begonnen, laufe am Sonntag, 04.05. meinen ersten Lauf seit 6 Jahren und habe mein Gewicht in diesen 5 Monaten auf 82kg herunter“gefressen“ (von über 90kg).

Also ein Ganz festes DANKE an Dich liebe Judith, I feel good!!!!

Ach ja, der Geburtstag im Dezember war mein 63er, also es gibt sicherlich keine Grenzen und keine Ausreden!!!

Und an diese Zeilen werde ich nächstes Mal denken, wenn ich mal wieder heulen konnte. Vor Frust oder Wut. Denn da draußen sind wirklich Menschen, die wegen mir etwas verändern. Das kriege ich vielleicht gar nicht immer mit, denn nicht jeder schreibt mir oder macht sich bemerkbar. Aber alleine der Gedanke daran, dass so etwas möglich ist, macht mich so glücklich, dass ich glatt schon wieder heulen könnte.


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4 Dinge, die ich (fast) täglich verwende

Seit ich laufe, trainiere und sonst viele nette Dinge mache, an die ich vor zwei Jahren noch nicht im Traum gedacht hätte, haben sich ein paar Dinge verändert.

Ich kann Hosen anziehen, die seit 8 Jahren im Schrank auf mich warteten (ist eigentlich noch jemand außer mir so seltsam und bewahrt Klamotten so lange auf, für den Fall, dass man doch mal wieder schlank wird?), ich esse merkwürdige Dinge zum Frühstück (heute zum Beispiel Misosuppe und Vollkornreis mit Spitzkohl, weil es anscheinend für ein gutes Bauchgefühl den ganzen Tag sorgen soll – das muss ich natürlich testen) und ich habe ständig und überall an den verschiedensten Stellen meines Körpers Schmerzen.

Und auf die bin ich richtig stolz. Die sind hart erarbeitet. Muskelkater vom Berglauf, Muskelkater vom Bergablauf, Muskelkater vom Stabi-Training, Muskelkater vom Yoga, Muskelkater vom Wadenheben mit dem eigenen Gewicht (Mein Mann will mich ständig dazu überreden, noch Gewichtsscheiben draufzumachen, aber wozu? Habe ja mit meinem eigenen Körpergewicht schon genug zu tun) und sonst tut auch noch so dies und das hin und wieder mal weh.

Und wegen all dieser wunderbaren Neuerungen in meinem bewegten Leben, komme ich nicht umhin, heute aufzuschreiben, was mir kürzlich aufgefallen ist. Es gibt nämlich seither ein paar Dinge, die beinahe täglich bei mir im Einsatz sind und möglicherweise, kann der ein oder andere von euch, diese Dinge auch gut gebrauchen – oder mir Tipps geben, wie ich diese Liste erweitern könnte.

1. Meine neue App für’s Stabilisations-Training

Anfangs war mein Mann meine App. Ich habe ihn dazu gezwungen, mir für 4 Übungen à 3 Runden die Stoppuhr zu drücken – je 20 Sekunden pro Übung. Und vermutlich würden wir das auch heute noch so machen,  wenn ich nicht dahinter gekommen wäre, dass er mich betrügt. Mit der Stoppuhr! Als ich letztens keuchend in dieser Bauchstütz-Planken-Haltung war und kurz vor dem Exitus gehaucht habe „Wieviel noch?“, sagt der doch glatt: 30 Sekunden sind jetzt vorbei. Ich brach auf der Matte zusammen und erklärte ihm dann mit hochrotem Kopf, dass der Unterschied zwischen 20 Sekunden und 30 Sekunden vielleicht nicht gravierend ist, wenn man auf der Couch sitzt und fern sieht. Wohl aber, wenn man auf Zehenspitzen und Ellenbogen, lang ausgestreckt, versucht, sein Balance zu halten. Das war der Anfang vom Ende und ich beschloss, mir eine App zu holen. Fündig wurde ich bei Gymboss – kostet genau gar nichts und ich kann meine Intervalle genauestens programmieren, sowie die Pausen dazwischen und wieviele Durchgänge ich machen möchte. Perfekt! Mindestens 2 x die Woche im Einsatz. Gibt’s auch für Android, wenn ich es richtig gesehen habe.

2. Traumaplant – Schmerzsalbe

Manchmal, wenn ich es mal wieder übertrieben habe, und 500 Meter bergab gelaufen bin, kann es sein, dass meine Knie etwas mehr Zuwendung brauchen. Dann massier ich eine kleine Portion Traumaplant ein und gönne ihnen etwas Ruhe. Bisher hat es noch bei jedem Wehwehchen geholfen. Mehrmals wöchentlich im Einsatz bei mir.

3. Blackroll – die Rolle des Schreckens

Ich möchte jetzt hier gar nicht lang erklären, was das ist, denn das können andere viel besser. Am besten ihr googelt einfach mal nach dem Wort „Blackroll“ und dann seht ihr gleich wovon ich spreche. Im Grunde genommen, kann man sich damit selbst massieren und ich tue das mehrmals pro Woche. Wenn ich es nicht vergesse. Denn manchmal würde ich es gern vergessen. Es tut nämlich weh. Zumindest bei mir. Die meisten Leute, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, sagen, es wird besser, wenn man es ein paarmal gemacht hat. Bei mir nicht. Ich könnte jedesmal heulen vor Schmerzen. Scheinbar geht es um „verklebte Faszien“, was an sich schon total gruslig klingt. Und mit der Blackroll kann man die wieder fein fluffig rollen, damit nix mehr klebt. Das Gefühl während des Rollens ist ziemlich „bäh“. Aber danach fühlt man sich wirklich gut! Gut durchblutet, warm und entspannt. Beugt auch Verletzungen vor. Also, Augen und Mund zu (am besten geknebelt wegen der Schmerzensschreie) und durch!

4. Pferdebalsam

Erst war ich skeptisch. Schließlich bin ich Veganerin. Da schmier ich mir doch keinen Pferdeextrakt auf die Beine. Heutzutage weiß man ja nie, wo was drin ist. Aber dann habe ich entdeckt, dass der Balsam so heißt, weil er ursprünglich für Pferde entwickelt wurde. Das heißt, die lieben Vierbeiner wurden damit eingerieben. Wozu? Gute Frage, das habe ich noch nicht recherchiert, war mir aber an und für sich auch egal, wenn ich ehrlich bin. Der Mensch nutzt es dazu, schmerzende Muskeln, erschöpfte Beine, Gelenke, die weh tun und andere nette Dinge, damit einzureiben. Es riecht kräutrig-frisch, ist  kühl und zieht sehr schnell ein. Tut gut vor dem Laufen und auch danach. Meinen Balsam hab ich bei DM gekauft – aber Hersteller gibt es Tausende, wenn man so das www durchforstet.

Und dann gibt es heute noch ein paar Empfehlungen & Links, die mir grad wichtig sind: 

Anke und Timo haben eine vegane Suchmaschine realisiert und helfen damit, schneller Produkte im Dschungel des WWW zu finden. Ich finde, eine Hammer-Idee. Zu finden unter www.vegansuche.de 

Außerdem wurde ich doch glatt von einem englischsprachigen Blog interviewt zu meiner Geschichte. Die Chance habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen. Schließlich grad in Englisch maturiert, gute Gelegenheit, dranzubleiben. Nachzulesen unter runinspired!

Außerdem hab ich mal wieder einen Podcast aufgenommen – zum Thema Superheldentraining. Vielleicht wollt ihr ja was auf die Ohren 🙂 Viel Spaß beim Anhören!

Superhelden-Podcast


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Nadelstiche, ein Kompliment und die 32-kg-Marke

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Die Welt ist im Fest- und Geschenkerausch. Ich auch. Nur bei mir kommt noch der Waldrausch dazu: ich rausche fast täglich durch die Wälder. Ausgerüstet mit Goretex-Laufschuhen, meinem Polar-Buff, der mein edles Haupt schützt und natürlich mit Spikes.

Es sind noch 3 Tage bis zum Silvesterlauf, an dem ich ehrenhaft die Fahne der Turtlerunner hochhalten werde. Denn wenn bis Sonntag nicht noch ein Wunder geschieht, dann werde ich wohl wieder so um die 1,5 Stunden für den Lauf brauchen. Aber was soll’s! Es gibt üblere Wege seinen Sonntag zu verbringen. Letzte Woche habe ich übrigens – so ganz nebenbei – meinen ersten ganz privaten Halbmarathon absolviert. 21,2 Kilometer in gefühlten 6,75 Stunden (in Wirklichkeit waren es ziemlich genau drei Stunden). Es war das sensationellste Feeling seit langem, als ich zu dem Schild mit der 21-Kilometer-Marke kam. Kann ich nicht beschreiben, müsst ihr ausprobieren, wenn ihr es noch nicht getan habt. Einfach WUHUUUU!

Und vor ein paar Tagen bekam ich ein tolles Kompliment. Nicht, dass ich die nicht ständig bekommen würde (hüstel …), aber da war schon besonders. Mein Bruder, von der sportlichen Hälfte der Familie (wir waren von Geburt an gesplittet in Sportler und Couchpotatoes und die letzten 32 Jahre verbrachte ich mehr oder weniger auf der Couch – dann wechselte ich die Lager), kam zu Besuch an Weihnachten. Er hatte mich 1 Jahr lang nicht mehr gesehen und sagte plötzlich:

„Judith, du bist ja eine richtige Sportlerin geworden!“

Das bringt es sowas von auf den Punkt. Und ich glaube, das ist das Wichtigste, an der ganzen Veränderungssache. Ich wollte von Anfang an eine Sportlerin werden. Nichts anderes stand im Vordergrund. Und jetzt bin ich das irgendwie, auf meine Art. Einfach cool, oder?

Und weil ich eine Sportlerin bin, auf deren Trainingsplan heute 40 Minuten Fahrtspiel standen, das letzte richtige Training vor dem Silvesterlauf, schnürte ich natürlich auch heute die Laufschuhe. Draußen 0 Grad, scharfe Windböen, Eiseskälte und ein Schneesturm. Schweinehund und ich trabten los, gut eingepackt. Eine Zeit lang wurde es ganz hart, da lief ich gegen den Wind und der Sturm peitschte tatsächlich die gefrorenen Schneeflocken direkt in mein Gesicht – wie kleine Nadelstiche fühlte sich das an. Am liebsten hätte ich die Augen zugemacht. Ist aber ungünstig beim Laufen. Also durchhalten, durchbeißen und dann bei der Kehrtwende auf dem Heimweg, den Wind im Rücken. Laufen, traben, beschleunigen, treiben lassen … das war dann herrlich! Und jetzt sitz ich hier, schlürfe meinen Obst-Nuss-Kakao-Smoothie und bin schon fast auf dem Weg zum nächsten Familienfest: Mama und Bruder haben heute Geburtstag. Natürlich gibt’s massenhaft zu futtern, aber was soll ich sagen: Es ist der 2. Weihnachtsfeiertag und ich habe heute meine 32-Kilo-Marke geknackt. Offiziell bin ich heute 32 Kilo leichter als am 1. April 2012. Da darf’s heute auch mal ein Löffelchen mehr sein … 😉


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Die richtige Einstellung.

Himmelherrschaftszeiten! Heute lief aber auch irgendwie alles total schief. Eigentlich fing es schon gestern Abend an, als ich nach dem Lauf-ABC meine Kontaktlinsen herausnehmen wollte. Ich spürte im Auge einen unangenehmen Schmerz und bei der Suche nach der Ursache stellte ich fest, die Linse ist mal wieder verschwunden! Beim letzten Mal habe ich sie in meinem Dekolleté wiedergefunden. Dieses Mal nicht. Sie hatte sich nämlich getrennt – von ihrer besseren Hälfte. Wie auch immer ich das geschafft habe, das Ding war in 2-3 Teile zerrissen. In meinem Auge. Daraus resultierte ein Kontaktlinsen-Trauma, das mich zu dem Entschluss bewegte, heute ohne Kontaktlinsen laufen zu gehen. Quasi halbblind. Das war der erste Fehler.

Der zweite Fehler war der Entschluss, eine neue Strecke auszuprobieren, die ich 85 Minuten gemütlich entlang joggen wollte. Nicht beachtet habe ich dabei, dass die Strecke über Stock und Stein ging, Treppen hoch und runter, Wald, Wiese, Straße – einfach alles!

Der dritte Streich war dann, dass mein Brustgurt plötzlich kein Herzsignal mehr empfangen wollte. Weil er via Bluetooth mit dem Handy des Göttergatten statt mit meinem verbunden war. Merkte ich erst, nachdem wir schon fast 1 Kilometer gelaufen waren. Verflixte Technik!

Also lief ich größtenteils bergauf, bei ziemlich mieser Sicht (was nicht am Wetter lag, das war herrlich!) und fehlendem Pulssignal. Grantig war ich ohne Ende und plötzlich meinte meine bessere Hälfte: „Du hast dich nicht wirklich auf den Lauf eingestellt, oder?“ Da es gerade bergauf ging, konnte ich zwecks akuter Atemnot nicht sofort eine bissige Erwiderung entgegenschleudern à la „Was soll denn das bitte heißen?“.  Bergläufe haben den Vorteil, dass man keine Luft zum Sprechen übrig hat – denken funktioniert aber wunderbar. Also dachte ich nach.

Ja, es stimmte. Ich war überhaupt nicht eingestellt auf den Lauf. Ich hatte müde Beine vom gestrigen Training. Außerdem hatte ich heute morgen in der Schule bei der Probe-Matura echt was versemmelt, ich war hungrig (sehr gefährlich!) und ganz dringend hätte ich mal für kleine Läuferinnen gemusst. Alles in allem keine guten Voraussetzungen für einen fast 1,5 Stunden dauernden Lauf.

Wenn ich aber auf die richtige Einstellung und die richtigen Umstände gewartet hätte, dann wäre ich heute den ganzen Tag nicht gelaufen. Und auch wenn es während des Laufens teilweise zäh und anstrengend war: Das Gefühl danach ist einfach unbezahlbar. Fazit: Einfach laufen, nicht lang nachdenken. Wenn es im Kalender steht (das tut es bei mir), dann wird gelaufen. Das ist – meiner Erfahrung nach – die beste Einstellung!

Seit heute habe ich übrigens auch einen youtube-Kanal. Mein Videotagebuch vom heutigen Lauf ist bereits online!


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Countdown.

Ach herrje, nur noch 2 Tage. Ich bin nervös.

Heute war ein ziemlich guter Tag. Ich war  in der Inselhalle auf der Marathon-Messe und konnte dort meine Startnummer abholen. Außerdem habe ich viele, viele Prospekte ergattert von neuen Läufen und ich habe eingekauft.

Eigentlich hatte ich nur 20 Euro dabei, die ich fast komplett in Bio-Kokosöl umgesetzt habe (ich liebe dieses Zeug und koche derzeit recht viel damit, aber nicht nur … ). Dachte mir dann, umso besser – hast du schon weniger Geld, was du für Läuferkram liegen lassen kannst. Denn eigentlich habe ich ja alles.

Tja, und dann stand ich vor einem Aufsteller mit Tüchern für den Kopf. „Buff“ heißen die Dinger – hab ich noch nie gehört, ist aber mein Fehler, denn ich hab von Mode und so Kram echt keine Ahnung. Jedenfalls sind das Multifunktionsteile – und ich liebe, liebe, liebe so ewas! Man kann sie als Schal, als Mütze oder als Stirnband nutzen. Man kann damit seinen Boden wischen und ein Auto abschleppen. Und sollte man dringend eine Blutung stoppen müssen ist der/die/das Buff bestens geeignet. Was es mir aber wirklich angetan hat war, dass die Buff’s auf meinen Kopf passen. Ist nicht so selbstverständlich bei Dreadlocks. Normale Mützen & Co. sind da nicht drin. Die Dreads brauchen Platz. Viel Platz. Hab gleich 2 Stück gekauft – mit EC-Karte. Es lebe die Technik!

Dann habe ich mir für 1 Euro (die noch vom Kokosöl-Zwanziger übrig waren) eine Körperfettmessung auf der Marathon-Messe geleistet. Mit demselben Gerät mit dem es vor 1 Jahr bei der Leistungsdiagnostik gemessen wurde.
Und das Ergebnis war: 30,2 % Körperfettanteil.

Und an dieser Stelle bitte ich um ein flottes: STOP! 
Bevor ihr jetzt denkt – Liebe Güte, 30% ist ja ganz schön viel! – möchte ich etwas anmerken: Ja, 30% ist ziemlich viel, wenn man es einfach so als nackte Zahl betrachtet. Wenn ihr aber berücksichtigt, dass ich vor 1 Jahr noch einen Körperfettanteil von mehr als 40% hatte, dann sieht es etwas anders aus. Ich habe also in einem Jahr über 10% Körperfett verloren – und das wiederum ist GUT. Oder? Auf meiner Facebook-Seite habe ich heute ein Foto aus dem Jahr 2011 gepostet, auf dem man die Unterschiede  deutlich sieht. Ich stelle es hier auch noch rein, damit ihr ein wenig seht, was sich die letzte Zeit so getan hat.

… und jetzt werde ich mich weiterhin meiner Lieblingsbeschäftigung widmen: nervös auf den Startschuss warten! 🙂


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Es war einmal …

… eine Replay-Jeans aus dem Jahr 2005. Diese Jeans war sehr stolz und das war auch ihr Preis. Ich habe mich damals in sie verliebt, gekauft, gehegt und gepflegt. Getragen wurde die Jeans max. 2-3 x. Danach begann eine Zeit der zunehmenden Körperfülle. Diese sollte viele Jahre anhalten. Die Jeans verbrachte diese Jahre in Gesellschaft einiger anderer Lieblingsstücke verpackt in einem Karton. Einmal pro Jahr kam sie ans Tageslicht, wurde probiert und enttäuscht wieder zurückgelegt.

Doch vor kurzem geschah etwas Besonderes: die Jeans wurde – wie jedes Jahr – aus dem Karton genommen und genoss das Tageslicht. Sie machte sich schon darauf gefasst, dass sie bald wieder ins Dunkle verbannt werden würde. Aber nichts geschah. Sie durfte am Licht bleiben. Alle paar Tage wurde sie wieder anprobiert und sie spürte selbst, dass sich was verändert hatte. Früher war bei den Knien Schluss, mittlerweile wurde sie wöchentlich höher noch oben gezogen.

Und gestern war es dann soweit:  8 Jahren hat es gedauert – und heute wurde sie zum ersten Mal wieder zugeknöpft! Leise stieß die Jeans einen kleinen Juchzer aus – denn das hieß nichts anderes, als dass sie nun endgültig die dunklen Kartonzeiten hinter sich lassen konnte.

Ein Happy End. 

… und für diejenigen, die mich ständig fragen, wann denn jetzt endlich mal Schluss mit Abnehmen ist („jetzt ist dann aber gut, oder?“ – „Hör auf damit!“)  – das hier war Schritt 1. Meine Replay kann ich wieder anziehen. Das war der Plan und ich habe es geschafft, auch wenn sich auf der Waage seit Tagen, Wochen, Monaten, Jahren (ok, ich übertreibe) nichts mehr tut. Aber es gibt noch einen Schritt 2. Und den redet mir keiner aus. Es geht um meinen Ehering. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Noch 8 Tage bis zum Frauenlauf …

Meine Jeans & Ich. Glücklich vereint. Happy End.