veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


4 Kommentare

Die Wahrheit.

Der letzte Tag des Jahres 2013 und ich finde, er hat es verdient, der Wahrheit gewidmet zu werden.

Immerhin bin ich vorgestern 12,4 Kilometer in meiner bisher besten Zeit gerannt. Turtlerunner-Zeit, versteht sich. Aber sapperlot, ich habe mich um mehr als 10 Minuten verbessert auf diese Distanz, seit 6.10.2013. Wenn das mal nicht eine Ansage ist! Aber beginnen wir von vorn und zwar mit der Wahrheit.

Ich mag keine Menschenansammlungen. Ich mag keine Läufe, wo sich Menschen versammeln, die allesamt viel schneller sind als ich. Grundsätzlich mag ich dieses Gewusel, diese kollektive Hektik und das geschäftige „Sich-Warm-Machen“ ohne Rücksicht auf Verluste (und vor allem auf andere Menschen) nicht. Und so kam es, dass ich bereits, bevor ich meine Startnummer in der Hand hielt, schon ziemlich grantig war. Mein Bruder meinte kürzlich, dass solche Läufe für Menschen sind, die gern das soziale Erlebnis, das Miteinander im Vordergrund sehen. Ähm, ja. Wenn’s nach mir ginge, würde ich 30 Sekunden vor Startschuss im Startblock abgesetzt werden und direkt nach dem Sprint über die Ziellinie würde ich einen Portschlüssel direkt nach Hause nehmen. Soviel zum Thema „Miteinander“ – nein, ich bin kein „Miteinander“-Mensch – zumindest nicht, wenn ich als einzelner Vertreter meiner eigenen Rasse (Turtlerunner) unterwegs bin.

Zur Unterstützung hatte ich diesmal meinen Mann dabei (und das war auch bitter nötig, ohne ihn hätte ich vielleicht eine Abkürzung genommen). Das Läuferfeld setzte sich in Bewegung und wir waren mittendrin. Die erste Runde (es waren 4 insgesamt) lief grandios. Wir überholten sogar andere Menschen! Unfassbar, dass ich das noch erleben darf. Die 2. Runde begann vielversprechend. Doch dann hörte ich es. Ein Hecheln direkt hinter meinem linken Ohr. Es kam immer näher und wurde immer lauter. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich behauptet, einer meiner Hunde hat den Weg hierher gefunden. Ein kurzer Blick nach hinten:  Läuferin mit riesigen Kopfhörern, direkt in meinem Windschatten. Sie rückte immer näher auf, ich fühlte mich bedrängt. Versuchte, ruhig zu bleiben. Fiel mir schwer. Über 2 Kilometer blieb sie mir im Nacken sitzen. Wurde schneller, wenn ich schneller wurde – fiel zurück, wenn ich zurück fiel. Was war ich wütend! Eine Unverschämtheit. Hätte ich noch ein wenig mehr Puste gehabt, ich weiß nicht, was ich getan hätte! Vermutlich das erste Damen-Wrestling während eines Silvesterlaufes eröffnet.

Irgendwann hat sie mich dann endlich überholt! Hätte nicht gedacht, dass ich das mal so erleichtert hinnehmen würde. Dann kamen die letzten 3 Kilometer. Mein Mann war schon ziemlich erledigt, von mir wollen mir mal gar nicht sprechen. Aber ich war  glücklich, da ich meinen Puls mehr oder weniger konstant bei 170 bzw. etwas darunter halten konnte. So 600 Meter vor dem Ziel hatte ich dann das Gefühl, die Beine sind nicht mehr da. Und wir hatten vereinbart, dass wir Hand in Hand ins Ziel laufen. 300 Meter vor dem Ziel sagte ich dann zu ihm: „Hand! Schnell! Ich schaff’s sonst nicht!“. Also packte er mich an der Hand und zog mich ins Ziel.

Insgesamt haben wir beide ein respektables Ergebnis geschafft: die letzten in der eigenen Altersklasse und beide haben wir den vorletzten Platz in der Gesamtwertung gemacht (Männer/Frauen getrennt). Ich finde, wir haben die Turtlerunner-Ehre heldenhaft verteidigt!

Die Euphorie begann dann ca. 15 -20 Minuten später. Ich fühlte mich großartig (tu es auch heute noch, bis auf ein bisschen Muskelkater) und war einfach stolz auf meine Verbesserung. Wenn juckt es da, dass die Verpflegungsstände schon fast leer waren und ich sogar um meine Fleecedecke noch kämpfen musste (Hast du keine bekommen? Nein, bin grad erst ins Ziel? Wieso das denn – warst du zwischendrin Kaffee trinken?) ?

Wenn ich also alle Widrigkeiten hinter mir lasse und das Erlebnis aufs Wesentliche reduziere, war es ein toller Lauf, mit einer krassen Zeitverbesserung und zum ersten Mal einer Art „Miteinander-Feeling“, denn ich hatte mit meinem Mann einen zweiten Turtlerunner an der Seite. Die Gemeinde wächst!

Und wieso ich trotz allem, was ich hier geschrieben habe, finde, dass noch mehr von uns an Rennen teilnehmen sollten, das habe ich auf meinem Blog veröffentlicht – hier geht es zu den 5 Gründen, wieso wir Langsamläufer eigentlich die besten Erlebnisse während eines Laufs haben.

So, ich bin dann mal am Regenerieren …

Auf geht's! Oder?

Advertisements


5 Kommentare

Ich glaub, es geht schon wieder los.

Noch 1 Stunde bis zur Abfahrt. Startschuss um 12.15 Uhr, Silvesterlauf. Bis spätestens 11 Uhr muss ich unsere Startnummern abholen (557 und 558 – 5 ist meine Lieblingszahl, das kann nur Glück bedeuten, oder?).

Und wie immer an solchen Tagen und dem davor (also dem Tag vor dem Rennen), frage ich mich, wieso ich das eigentlich tue. Ich könnte es sooooo viel gemütlicher haben. Nur für mich ein bisschen vor mich hinlaufen, Natur genießen, mein Tempo laufen, alles easy und entspannt. Was tue ich stattdessen?

Ich stürze mich in eine Masse von hufscharrenden Läufern, die alle ganz wild darauf sind, beim Startschuss nach vorne zu preschen, die anderen hinter sich zu lassen, Tempo zu machen und der Welt zu zeigen, wie schnell sie laufen können.

Mein Anliegen ist das nicht, denn ich kann nicht schnell laufen. Es will einfach nicht … also wird das heute wieder ein Turtlerunner-Missions-Lauf. Ich lauf für alle, die so langsam sind wie ich (hallo – ist da jemand?) und versuche, mich nicht davon irritieren zu lassen, dass ich heute gleich 4 x an denselben Menschen vorbeilaufe, denn der Lauf geht über 4 Runden.

Heute bin ich außerdem in Begleitung: Mein Mann läuft mit und zwar im T-Shirt von „Laufen gegen Leiden“. Ich laufe natürlich für meinen Verein „Team vegan.at“. Wir werden aussehen wie zwei Twinnie-Eis, falls das noch jemand kennt. Fotos folgen später.

So, nun sitz ich hier, löffle Hirsebrei, trinke Wasser und bin nervös. Wie immer. Und denke mir, dass ich nie wieder an einem Lauf teilnehmen werde. Wie immer. Und dann werde ich vermutlich diesen Lauf laufen und mich dabei selbst übertreffen. Wie immer. Nur wird es keiner merken, denn wenn ich mich selbst übertreffe bin ich immer noch turtlerunnermäßig langsam. Wie immer. Aber eigentlich ist das auch völlig egal. Danach, wenn ich es geschafft habe, werde ich Spaß haben. Wie immer. Und dann ist ja noch dieser eine Gedanke da …. „vielleicht, ganz vielleicht schaff ich es ja, diesmal meine Zeit um 3-5 km/h zu verbessern. So ganz spontan. Plötzliche Läufer-Geschwindigkeits-Erleuchtung. Vielleicht.“ .

Und weil ich auf diese Erleuchtung warte, muss ich an Rennen teilnehmen. Denn sonst krieg ich es ja nicht mit, wenn es soweit ist.