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aus dem laufalltag eines turtlerunners


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Intervalltraining: Tu es!

Vielleicht erinnert sich noch jemand schwach daran, aber dieses grässliche Wort mit „I“, das mag ich nicht. Und das Training, das hinter dem grässlichen Wort mit „I“ steckt, das mag ich noch viel weniger. Liegt vermutlich daran, dass ich nicht besonders drauf stehe, mich zu quälen. Und noch dazu ziemlich wehleidig bin. Und überhaupt ein ziemliches Weichei, wenn es darum geht, an meine Grenzen zu gehen.

Und da heute wieder einer dieser Tage ist, an denen das grässliche Wort mit „I“ im Trainingskalender steht, schreibe ich heute und erzähle euch, wieso ihr unbedingt dieses „Igitt“-Training in euren Plan einbauen solltet. So habt ihr das garantiert noch nie gesehen.

Fahre Achterbahn!

Emotionales Gefühlschaos: Hoffnung, Vorfreude, Angst, Zorn, Wut, Aggression, Erschöpfung, Anspannung, Erleichterung, Stolz – das alles kannst du innerhalb nur weniger Minuten erleben. Während eines Intervalltrainings. Natürlich muss es eines sein, dass dich so richtig an deine Grenzen bringt. Eines, bei dem du weinen möchtest – am Anfang vor Wut, am Ende vor Erleichterung. Beim Intervalltraining kochst du dir sozusagen ein Instant-Süppchen der Gefühle. Zeitsparend, intensiv und hinterlässt ein Gefühl der emotionalen Reinigung. Also nix wie rein in die Laufschuhe und ran an die körperlichen Grenzen!

Fühl dich schnell wie der Roadrunner!

Ok, am Anfang fällt das schwer und du wirst dir eher vorkommen wie ein Trampeltier, das schnaufend den Boden plattwalzt (zumindest geht es mir jedes Mal so – wirklich jedes Mal!). Beim 200-Meter-Intervall, bei dem du über die Grenzen des Vorstellbaren gehst, bei dem dir nach 120 Metern die Oberschenkel anfangen zu brennen und du das Gefühl hast, du watest durch ein Meer von Schokoladenmousse – genau bei diesem Intervall wirst du dir denken: das wird nie was! Aber warte mal ab, bis du zuhause bist. Wenn du erschöpft auf der Couch sitzt und dein Wasser schlürfst, endlich wieder Luft bekommst, die Gesichtsfarbe sich wieder normalisiert … dann kommt der Moment. Der Moment, in dem du dir denkst: „So schlecht war das gar nicht. Eigentlich war ich verdammt flott. Mindestens so flott wie … miep miep!“

Ist er der Richtige?

Möglicherweise bist du auch ein Intervall-Trainings-Motzer, so wie ich. Falls dem so ist, und du gerade auf Partnersuche bist, dann kann ich dir nur raten: lade den Traum deiner schlaflosen Nächte zu einem gemeinsamen Intervall-Training ein. Wenn er dich danach immer noch gut findet, dann schnapp ihn dir! Möglicherweise bin ich da ja die Ausnahme, aber was ich in den Trab- bzw. Gehpausen eines Intervalltrainings so von mir gebe, das steckt nicht jeder weg. Da kommt dann doch ein Teil meines Selbsts an den Tag, den ich normalerweise gerne verstecke – oder zumindest nur gut verkleidet ans Tageslicht lasse. Mein Mann bezeichnete mich heute als „negatives Teilchen“. Er meinte, er gleiche das mit seiner positiven Art dann wieder aus. Das perfekte Team also. Hauptsache, ich darf weiterfluchen.

Schon klar, das ist alles mit einem Augenzwinkern geschrieben, aber wenn es nächste Woche Dienstag wieder heißt „Igitt“-Training werde ich mich trotz allem nicht freuen. Ich werde es hassen. Und hinterher werde ich es lieben. So wie jedes Mal. Auch eine Art von Routine. Und der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier. Jetzt freu ich mich aber erstmal auf 6 Tage ohne den „Igitt“-Faktor.

Geschafft! "Igitt"-Training für diese Woche abgehakt :)

Geschafft! „Igitt“-Training für diese Woche abgehakt 🙂

 


Ein Kommentar

Schiff auf zwei Beinen oder Wie ich nochmal laufen lerne

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Intervalltraining

Ich trabe im Warmmach-Tempo vor mich hin. Noch 20 Sekunden bis zum Intervall meldet der Garmin. Noch 10 Sekunden. Ich laufe ein wenig schneller, schließlich will ich vom Intervall-Tempo nicht überrumpelt werden. Noch 3, 2, 1 … LOS! „1. Intervall für 800 Meter in der Pulszone 172 – 181“, befiehlt der Garmin mit einem nervigen Piepsen, vibrierend am Armgelenk. Ich laufe schneller, atme schneller. Nach 10 Sekunden habe ich das Gefühl, ich kann nicht mehr schlucken. Irgendwie ist alles so trocken. Nach 30 Sekunden habe ich das Gefühl, ich kann nicht mehr atmen. Kein Rhythmus. Der Garmin vibriert genervt: „Puls zu niedrig“. Ich laufe weiter, will nicht zu sehr beschleunigen, denn schließlich muss ich 800 Meter durchhalten. Das kann verdammt lang sein. Bei jedem Ausatmen ist inzwischen ein seltsamer Ton  hinzugekommen, nicht vom Garmin, sondern von mir. Eine Art Ächzen. Ich keuche. Vor lauter Speed (gefühlter Speed, in Wirklichkeit war’s wohl irgendwas um die 10 km/h) werde ich unkonzentriert, muss aufpassen, dass ich nicht stolpere. Wie ein Schluck Wasser in der Kurve, versuche ich, meine Bahn zu halten. Atmen geht immer noch nicht geräuschlos. Nur durch den Mund. Koordiniertes Laufen sieht auch anders aus – ich schwanke, wie ein Schiff auf zwei Beinen. Nach rund 300 Metern habe ich endlich diesen verdammten Pulsbereich erreicht. Allerdings nur die unterste Grenze davon.

Was ist passiert?

Ganz grob kann man sagen, mein Körper muss nun mit einer Geschwindigkeit laufen, um den angestrebten Pulsbereich zu erreichen, die er noch nicht kennt. Die Beine müssen sich schneller bewegen, die Atmung muss sich anpassen, Muskeln, Sehnen, Bänder – das Zusammenspiel funktioniert noch nicht wirklich in dem Bereich. Wir haben uns daran gewöhnt, gemütlich mit 7 km/h vor uns hinzutrotten. Darin sind wir inzwischen großartig und beinahe unschlagbar! Aber das hier? Das ist neu. Nachdem ich mich deswegen bei meinem Trainer ausgeheult habe und ihm mitgeteilt habe, dass ich fürchte, ich bin nicht dazu gemacht, so schnell zu laufen, hat er es mir dann erklärt.

Es ist ein bisschen so,  wie wenn du nochmal Gehen lernst.

Dein Körper lernt jetzt, sich mit einer neuen, schnelleren Geschwindigkeit fortzubewegen – er ist es nicht gewohnt, da er es bisher nie musste. Neue Abläufe werden mit jedem Training innerhalb des Körpers programmiert. Anfangs kann das unkoordiniert sein, die Atmung passt nicht – eigentlich passt gar nix. Aber der Körper lernt. Jedes Mal. Jedes verfluchte Intervalltraining. Und ja, geflucht habe ich in den Trabpausen wie ein Weltmeister (darin bin ich ausgesprochen gut). Das ändert nix daran, dass ich gestern hätte heulen mögen. Ich fühlte mich, wie ganz am Anfang. Kaugummi unter den Füßen, Waten durch ein Meer aus flüssigem Zement. Anstrengung, Schweiß, zeitweise Überforderung – und immer wieder kurz der Gedankenblitz: „Lass es sein. Das kannst du nicht!“ Aber genau das stimmt nicht. Ich kann es sehr wohl. Als ich klein war und laufen lernte, bin ich auch oft auf die Schnauze gefallen. Habe ich damals meinem inneren Kritiker geglaubt? Nein. Ich bin so oft wieder aufgestanden, bis das Laufen von selber ging. Bis ich nicht mehr drüber nachdenken musste. Und deswegen bin ich gestern diese doofen 6 Intervalle gelaufen. Zornig, wütend, erschöpft und atemlos. Aber ich bin gelaufen. Werden wir schon noch sehen, wer hier den längeren Atem hat. In einem Jahr werde ich dann hier zu diesem Eintrag zurückblättern. Dann schauen wir mal, was sich bis dahin getan hat. Aber eins ist sicher: liegenbleiben gilt nicht!