veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


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Nadelstiche, ein Kompliment und die 32-kg-Marke

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Die Welt ist im Fest- und Geschenkerausch. Ich auch. Nur bei mir kommt noch der Waldrausch dazu: ich rausche fast täglich durch die Wälder. Ausgerüstet mit Goretex-Laufschuhen, meinem Polar-Buff, der mein edles Haupt schützt und natürlich mit Spikes.

Es sind noch 3 Tage bis zum Silvesterlauf, an dem ich ehrenhaft die Fahne der Turtlerunner hochhalten werde. Denn wenn bis Sonntag nicht noch ein Wunder geschieht, dann werde ich wohl wieder so um die 1,5 Stunden für den Lauf brauchen. Aber was soll’s! Es gibt üblere Wege seinen Sonntag zu verbringen. Letzte Woche habe ich übrigens – so ganz nebenbei – meinen ersten ganz privaten Halbmarathon absolviert. 21,2 Kilometer in gefühlten 6,75 Stunden (in Wirklichkeit waren es ziemlich genau drei Stunden). Es war das sensationellste Feeling seit langem, als ich zu dem Schild mit der 21-Kilometer-Marke kam. Kann ich nicht beschreiben, müsst ihr ausprobieren, wenn ihr es noch nicht getan habt. Einfach WUHUUUU!

Und vor ein paar Tagen bekam ich ein tolles Kompliment. Nicht, dass ich die nicht ständig bekommen würde (hüstel …), aber da war schon besonders. Mein Bruder, von der sportlichen Hälfte der Familie (wir waren von Geburt an gesplittet in Sportler und Couchpotatoes und die letzten 32 Jahre verbrachte ich mehr oder weniger auf der Couch – dann wechselte ich die Lager), kam zu Besuch an Weihnachten. Er hatte mich 1 Jahr lang nicht mehr gesehen und sagte plötzlich:

„Judith, du bist ja eine richtige Sportlerin geworden!“

Das bringt es sowas von auf den Punkt. Und ich glaube, das ist das Wichtigste, an der ganzen Veränderungssache. Ich wollte von Anfang an eine Sportlerin werden. Nichts anderes stand im Vordergrund. Und jetzt bin ich das irgendwie, auf meine Art. Einfach cool, oder?

Und weil ich eine Sportlerin bin, auf deren Trainingsplan heute 40 Minuten Fahrtspiel standen, das letzte richtige Training vor dem Silvesterlauf, schnürte ich natürlich auch heute die Laufschuhe. Draußen 0 Grad, scharfe Windböen, Eiseskälte und ein Schneesturm. Schweinehund und ich trabten los, gut eingepackt. Eine Zeit lang wurde es ganz hart, da lief ich gegen den Wind und der Sturm peitschte tatsächlich die gefrorenen Schneeflocken direkt in mein Gesicht – wie kleine Nadelstiche fühlte sich das an. Am liebsten hätte ich die Augen zugemacht. Ist aber ungünstig beim Laufen. Also durchhalten, durchbeißen und dann bei der Kehrtwende auf dem Heimweg, den Wind im Rücken. Laufen, traben, beschleunigen, treiben lassen … das war dann herrlich! Und jetzt sitz ich hier, schlürfe meinen Obst-Nuss-Kakao-Smoothie und bin schon fast auf dem Weg zum nächsten Familienfest: Mama und Bruder haben heute Geburtstag. Natürlich gibt’s massenhaft zu futtern, aber was soll ich sagen: Es ist der 2. Weihnachtsfeiertag und ich habe heute meine 32-Kilo-Marke geknackt. Offiziell bin ich heute 32 Kilo leichter als am 1. April 2012. Da darf’s heute auch mal ein Löffelchen mehr sein … 😉

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Klick im Kopf.

Geht es darum, nach dem Moment zu suchen, bei dem es bei mir „Klick“ machte, dann ist das nicht so einfach. Mit „Klick“ meine ich dieses Umschalten von „Ich bleib so wie ich bin und das ist gut so“ zu „Ich will was verändern. Ich will mehr. Und dabei gleichzeitig weniger werden.“

Es gab kein Auslösen des Klicks im Außen. Kein verstörendes Foto, keine geplatzte Hose, kein erschreckendes Spiegelbild – nichts. Ich war einfach ich. In einer zunehmenden Phase. Zugegeben, mit Höchstgewicht, aber auch die dreistellige Zahl, die in greifbare Nähe rückte, schockierte mich nicht grob. Ich hatte aufgegeben. Es war mir irgendwie egal. Aber nicht ganz.

So ein leises Klick war da schon. Innerlich. Kaum hörbar. Es gab da dieses Gefühl. Dieses „Eigentlich-bin-ich ganz-anders-nur-weiß-es-noch-keiner“-Gefühl. Ich habe darüber nie bewusst nachgedacht. Nur ab und zu hatte ich eben solche komischen Gedanken. Dass ich in Wirklichkeit gar nicht so dick sein müsste. Dass ich eigentlich anders gedacht bin. Schlank. Und schnell.

Lächerlich, wenn man sich das mit 98 Kilo (oder 110, oder 125 oder 80 – setzt ein, was ihr wollt) denkt. Aber im Nachhinein, wenn ich jetzt Fotos sehe, oder an die Zeit denke, in der ich soviel mehr war – da verstehe ich es. Es war so, als hätte ich einen Fettanzug an. Einen, den ich mir selbst angefuttert hatte. Ich fühlte mich niemals so dick, wie ich mich jetzt auf den Fotos sehe. Als hätte ich ein Kostüm an! Erst letzte Woche, als ich das Lauffoto vom Frauenlauf 2012 für euch auf Facebook gestellt habe, fiel ich beinahe ins Koma vor Schreck. Ich habe dieses Foto gekauft. Ein Jahr später. Letztes Jahr wollte ich es nicht haben, weil es mir nicht gefiel. Dieses Jahr musste ich es haben (zum Glück verliert das Internet nichts) – ich konnte nicht glauben, dass ich das war! Ich bin mit dem Computer zu meinem Mann gerannt und rief: „Schau dir das an! Schau! Dir! Das! An!“ Und er grinste nur und meinte: „Schatz, ich weiß wie du ausgesehen hast.“ Ich bekam beinahe Schnappatmung und brüllte: „Aber doch nicht SO!“

Ein paar Wehwehchen hatte ich damals schon, aber nichts Weltbewegendes. Kleidung bestellte ich mir im Internet in Übergröße („gefällt mir sowieso viel besser als der andere Kram, da sieht ja alles gleich aus“) und ich wurde überall gemocht, hatte Freunde, einen Job mit Anerkennung, einen Mann, der mich so nahm wie ich war – kein Grund sich zu verändern.

Und trotzdem wurde das Klick-Klick-Klick immer hörbarer. Ich wurde unruhig. Immer öfter dachte ich: „Irgendwas tut sich. Das war‘s noch nicht. Du bist nicht so. Du bist anders.“ Wo das herkam? Ich habe keine Ahnung, aber ich glaube, dass es dieser Gedanke war, der schlussendlich dazu beigetragen hat, dass ich heute 30 Kilo weniger habe und laufe.

Am 1.4.2012 wog ich 98,3 Kilogramm. Ich stand auf und fasste den Entschluss: Ich laufe einen Marathon! Ich weckte meinen Mann und warf ihm meinen Plan ohne Vorwarnung mitten in das noch verschlafene Gesicht. „Ok“, brummelte er. „Wann fangen wir an zu trainieren?“ Ich habe mich noch am selben Tag für den Viertelmarathon, der 6 Monate später stattfand, angemeldet und mit dem Training begonnen.

Das war mein Klick.
Genau auf dieselbe Art und Weise habe ich übrigens vor fast drei Monaten mit dem Rauchen aufgehört. Ich hatte wieder das Gefühl, dass was nicht passt. Das Gefühl, dass ich eigentlich keine Raucherin (mehr) bin. Das passte nicht mehr. Ich war jetzt eine Läuferin. Rauchen musste ich nicht mehr. Von heute auf morgen aufgehört und ich vermisse es kein Stück. Denn ich bin eine Läuferin.

Ich weiß nicht, ob dir das hilft oder ob das nur so ein „Klick-Ding“ von mir ist.

Aber vielleicht ist es nicht schlecht,  ab und zu in dich reinzuhören, um rauszufinden, ob du noch die Dinge tust und isst und in deinem Leben hast, die zu dir passen. Oder ob du eigentlich ganz anders bist.

Siegerfotos

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Heute hab ich noch 2 Fotos für euch. Eins aus dem Jahr 2012, als ich meinen ersten 5-km-Lauf absolviert habe mit 30 Kilo mehr auf den Rippen und das Zieleinlaufbild vom letzten Sonntag nach dem 12-Kilometer-Viertelmarathon. Ich sag euch ehrlich: ich mag beide, denn beides bin ich und beide Male hat mein Körper Höchstleistungen vollbracht, wofür ich sehr dankbar bin! Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann bin ich lieber so wie ich es jetzt bin – denn das ist einfach ein sensationell gutes Gefühl!

2012 - die 5 Kilometer sind geschafft!

2013: Glücklich nach 12 Kilometern!


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Es war einmal …

… eine Replay-Jeans aus dem Jahr 2005. Diese Jeans war sehr stolz und das war auch ihr Preis. Ich habe mich damals in sie verliebt, gekauft, gehegt und gepflegt. Getragen wurde die Jeans max. 2-3 x. Danach begann eine Zeit der zunehmenden Körperfülle. Diese sollte viele Jahre anhalten. Die Jeans verbrachte diese Jahre in Gesellschaft einiger anderer Lieblingsstücke verpackt in einem Karton. Einmal pro Jahr kam sie ans Tageslicht, wurde probiert und enttäuscht wieder zurückgelegt.

Doch vor kurzem geschah etwas Besonderes: die Jeans wurde – wie jedes Jahr – aus dem Karton genommen und genoss das Tageslicht. Sie machte sich schon darauf gefasst, dass sie bald wieder ins Dunkle verbannt werden würde. Aber nichts geschah. Sie durfte am Licht bleiben. Alle paar Tage wurde sie wieder anprobiert und sie spürte selbst, dass sich was verändert hatte. Früher war bei den Knien Schluss, mittlerweile wurde sie wöchentlich höher noch oben gezogen.

Und gestern war es dann soweit:  8 Jahren hat es gedauert – und heute wurde sie zum ersten Mal wieder zugeknöpft! Leise stieß die Jeans einen kleinen Juchzer aus – denn das hieß nichts anderes, als dass sie nun endgültig die dunklen Kartonzeiten hinter sich lassen konnte.

Ein Happy End. 

… und für diejenigen, die mich ständig fragen, wann denn jetzt endlich mal Schluss mit Abnehmen ist („jetzt ist dann aber gut, oder?“ – „Hör auf damit!“)  – das hier war Schritt 1. Meine Replay kann ich wieder anziehen. Das war der Plan und ich habe es geschafft, auch wenn sich auf der Waage seit Tagen, Wochen, Monaten, Jahren (ok, ich übertreibe) nichts mehr tut. Aber es gibt noch einen Schritt 2. Und den redet mir keiner aus. Es geht um meinen Ehering. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Noch 8 Tage bis zum Frauenlauf …

Meine Jeans & Ich. Glücklich vereint. Happy End.


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Trainingsplan und Trauma

Ab heute trainiere ich nach einem Trainingsplan, den ich einem Kollegen verdanke, der ebenfalls beim „Team vegan.at“ läuft (allerdings schon viel länger und wesentlich erfolgreicher als ich – grad am Sonntag hat er einen Halbmarathon in 1 Stunde 24 absolviert – krass, oder?). Dort bin ich ganz neu dabei und hoffe, auch bald ein paar erfolgreiche Läufe beisteuern zu können.

Für diese und nächste Woche sieht mein Plan folgendermaßen aus:

Montag: 60 min. Walking
Dienstag: 45 min. Walking
Mittwoch: 90 min. Walking
Freitag: 50 min. Laufen A2
Samstag: 60 min. Laufen A1
Sonntag: Fitness-Studio Krafttraining

A1 und A2 sind Bereiche meiner Herzfrequenz. A1 ist in meinem Fall ungefähr bis 147 Schläge und somit noch im unteren, aeroben Bereich. A2 darf dann bis 161 Schläge gehen – darüber wird’s anaerob und das will ich vorerst vermeiden. Denn meine Muskulatur und der Stoffwechsel sollen lernen möglichst lange im unteren Pulsbereich auszukommen und die Energie aus den Fettdepots zu ziehen und eben nicht aus den schneller verfügbaren Kohlenhydraten. Zumindest hat man mir das so bei der Leistungsdiagnostik erklärt.

Wer hier schon länger mitliest, kann sich vielleicht noch an meinen Horrortag im letzten Juni erinnern: der 5-km-Frauenlauf. Einer der schrecklichsten Tage in meiner Laufgeschichte (kurze Auffrischung: es kamen so nette Kommentare von den Zuschauern wie „Nicht einschlafen beim Laufen!“, weil ich halt so langsam war, aber ich habe mein Bestes gegeben). Gestern abend, als ich in Scott Jureks Buch Eat & Run von seinen Gefühlen beim Laufen las und wie es so ist in einem Wettkampf zu laufen, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich im Oktober die 12 Kilometer zum ersten Mal ganz alleine laufen werde. Also natürlich nicht ganz allein – ungefähr 10.000 andere Läufer sind auch noch dabei – aber ich habe niemanden, der mit mir mitläuft.

Letztes Jahr war es meine Schwester, die immer an meiner Seite war und auch die doofen Zuschauer mit den blöden Sprüchen in ihre Schranken wies, wofür mir die Luft fehlte – dieses Jahr ist sie hochschwanger und bekommt bald ihr Baby – da ist nix mit Laufen momentan. Beim Frauenlauf in 3 Wochen habe ich meine Laufkollegin Kathi mit dabei, mit der ich wöchentlich trainiere – die ist aber im Oktober auf einer Hochzeit eingeladen, genau am Wochenende des Marathons. So, wer bleibt übrig? Ich. Und ich.

Und da überkamen mich gestern nacht dann tatsächlich zum ersten Mal leise Zweifel und eine dezente Panik. 12 Kilometer ist jetzt nicht der Wahnsinn, aber man ist schon eine Zeitlang unterwegs. So mit sich selbst. Und mit seinen Gedanken. Und mit Menschen, die man nicht kennt (und vielleicht auch gar nicht kennen will). Woher weiß ich, dass ich es trotzdem schaffe, weiterzulaufen auch wenn niemand da ist, der mich anspornt?

Kurze Unterbrechung: Gerade eben ist meine erste Bestellung von veganpower.at eingetroffen. Roh-veganes Eiweißpulver von SunWarrior, sowie Activated Barley (Low Glycemic Index Superfood steht drauf, wenn das mal nicht was kann! Barley ist übrigens Gerste) , was langsame Kohlenhydrate zur Verfügung stellt und für länger andauernde Ausdauereinheiten von Vorteil sein soll. Wenn ich also Zweifel bekommen sollte während meiner 12-km-Reise, dann werde ich mir einfach vor Augen halten, dass ein SunWarrior nicht einfach so aufgibt. Ja, man braucht eine Mission. So wie die Blues Brothers, die im Auftrag des Herrn unterwegs waren, oder? Dann geht’s doch gleich viel leichter. Ich werde das mal testen.

Sonnenkriegerin. Testweise.


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Mutationen im Fitness-Studio

Ich musste heute an diesen grünen Muskelmann denken, als ich meinen Matcha-Shake (giftgrün) trank. Hulk, heißt das Männchen, das aussieht als würde es im Fitness-Studio wohnen. Möglicherweise hat der auch Badelatschen an. Hat jemand von euch schonmal auf das Schuhwerk von Hulk geachtet?

Egal, heute war jedenfalls wieder Studio-Tag, wie eigentlich jeden Sonntag. So wie Mops Oscar beim schnellen Walken mein Pacer (quasi mein Schrittmacher) ist, ist es mein Mann im Fitness-Studio. Sehr praktisch, ich geh einfach hin und er sagt mir was ich zu tun habe – ganz im Gegenteil zum sonstigen Alltag.

Heute hatte er sich lauter nette Besonderheiten ausgedacht: unter anderem eine Beinpresse, die ein wenig anders funktioniert, als die herkömmliche. Und damit meine ich nicht, dass sie einfacher wäre. Man belädt dieses Teil nämlich eigenhändig mit Hantelscheiben, um das Gewicht draufzupacken, mit dem man trainieren möchte. Quasi das Training vor dem eigentlichen Training. Gut, ich will ehrlich sein: hat mir mein Mann abgenommen, ich musste mich nur hinsetzen. Und dann ging’s los. Ich dachte ja eigentlich, dass meine Beine durch die ständige Lauferei ziemlich gut in Form sind. Jaha…. weit gefehlt! Ist natürlich auch ein anderer Bewegungsablauf und nicht vergleichbar.

Ich trainierte also mit wahnsinnigen 10, 20 und 25 kg in 3 Sätzen. Aber der Hammer kam danach. Als ich fertig war, die Beine wie Gummi (es lief grad Bob Marley auf meinem iPod mit „Could you be loved“, da fiel zumindest mir der Wackelgang gar nicht so auf), begann ich die Hantelscheiben zurückzuhängen. Bin schließlich eine ordentliche Studiobesucherin in Turnschuhen. Dass die Badeschlappen-Fraktion die Scheiben nicht zurückhängt ist klar, denen könnte ja was auf die Füße fallen.

Und mit dieser 15-kg-Hantel in der Hand mutierte ich dann. Ich lief grün an, meine Muskeln explodierten förmlich und ich lief breitbeinig zu dem Ständer. So muss sich also Hulk fühlen! Es ist tatsächlich ein richtig gutes Gefühl, wenn man solche schweren Eisenteile rumschleppt (nein, bitte keine Angebot von Metall-Firmen, die noch Eisenschlepper suchen – das funktioniert nur im Fitness-Studio). Man fühlt sich so stark und sportlich wie selten. Habe meinen Mann gezwungen, ein Foto von mir zu machen. Er hat mich im Gegenzug dazu gezwungen, die schwerere Hantelscheibe zu nehmen (ich konnte sie genau 10 sec. halten – gottseidank war der Kameraauslöser flott).

Und weil’s so schön war, zwang er mich dann noch, mit in die Folterkammer zu gehen.  Da geh ich sonst nie rein, da sind nur die bulligen Eisenschmeißer drin (und mein Mann), die sich besonders stark vorkommen. Aber heute war grad leer und er meinte: „Mach doch noch ein paar Kniebeugen!“ Ja, logisch. Hab ja heute für die Beine noch nichts getan. Die 5 Stufen zur Folterkammer schaffte ich mit Ach und Krach. Die Kniebeugen ehrlicherweise nur für’s Foto. Ich in Position, gehe in die Knie – er mit der Handy-Kamera ruft „Geh runter!“ – ich: „Ich kann nicht mehr, mach endlich das Sch… Foto!!!“ So sieht der Tatsachenbericht hinter den wunderbaren Fotos aus.

Zur Belohnung durfte ich dann mit 4-kg-Hanteln noch was für den Bizeps tun („Willst du nicht noch was für die Arme tun?“ „Hallo? Wir sind seit über einer Stunde hier!“ „Ja, macht nix – die 5 Minuten packst du auch noch.“) Ok, ich mutiere im Fitness-Studio mental zum grünen Matcha-Hulk. Mein Mann dagegen zum Drill-Sergeant. Ich frag mich grad, was besser ist …


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Fitness, Fun und falsche Anzeigen

So, meine Lieben! Zeit für ein kurzes Update (vor lauter Sport und Essen komm ich gar nicht mehr hinterher mit dem Schreiben).

Seit Montag trainiere ich also zusätzlich im Fitness-Studio. Und mal abgesehen davon, dass ich mit badelatschentragenden Muskelmännern absolut nichts anfangen kann, gefällt es mir dort ganz gut. Die Sache mit den Badelatschen verstehe ich übrigens nicht so wirklich. Was spricht gegen Turnschuhe? Aber gut, es scheint eine neue Generation zu sein.

Ich habe es geschafft mit einer Steigung von 0% auf dem Laufband ganze 35 Minuten am Stück im genehmigten Pulsbereich zu laufen und ich kann euch nicht sagen, was für ein erhebendes Gefühl das war! Nur Fliegen ist schöner – zumindest wenn man schwindelfrei ist. Ich bin es nicht.

Heute war ich dann wieder dort – die Badelatschenträger auch, vielleicht wohnen die ja dort oder gehen nur zum Duschen hin, das würde die Latschen erklären – und habe mich an ein paar Kraftmaschinen versucht. Da kriegt der Begriff „etwas schwach auf der Brust sein“ eine völlig neue Bedeutung, wenn du am Butterfly-Gerät sitzt und das 10-kg-Gewicht mit viel Ächzen und kurz vor dem Nerven- und Muskelzusammenbruch gerade mal 8 x bewegen kannst! Liebe Güte, ich hab wirklich  noch viel zu tun. Ein Wunder, dass ich aufrecht gehen kann, bei der unterentwickelten Muskulatur – aber der Fairness halber muss ich auch gestehen: ich laufe ja nicht mit meiner Brustmuskulatur. Ab Bauchnabel abwärts bin ich schon ziemlich stark. Naja, ok. Ziemlich stark im Verhältnis zur Oberkörpermuskulatur. Lassen wir dieses Thema und widmen wir uns schöneren Dingen: meiner Waage.

Ich hasse sie. Die meisten Menschen hassen die Waage, weil sie ihnen die nackte Wahrheit zeigt. Ich hasse meine Waage, weil sie sie mir vorenthält und mich verwirrt, bis ich nicht mehr weiß, was nun richtig ist. Meine Waage ist ein richtiges Miststück. Gestern war Wiegetag. Ich morgens früh, unbekleidet wie Gott mich schuf und voll mit guter Laune auf die Waage gehüpft: 71,6 – 71,7 kg (sie konnte sich nicht ganz einigen, aber wen jucken schon 100g?). Das ist Tiefststand seit … keine Ahnung. Seit Menschengedenken oder zumindest meinem. Und was macht Frau veganmarathon anlässlich so eines Feiertages?

Sie springt die Treppen runter – immer noch unbekleidet – ich hoffe, die Nachbarn waren nicht zuhause, hatte aber keine Zeit, es zu prüfen – und holt ihr Handy. Denn dieser Erfolg muss fotografisch für die Nachwelt festgehalten werden. Diesmal mit Handy auf die Waage draufgehüpft: 72,2 kg. Wie jetzt? Mein Handy wiegt 500 Gramm? Handy weggelegt. Immer noch 72,2 Kilo. Wutentbrannt den Ehemann um Rat gefragt (etwas unhöflicher natürlich, als ich hier schreibe). Batteriewechsel bei der Waage. Ergebnis: 73,1 Kilo. Und anschließend ERROR. In der Zwischenzeit hüpfte ich im Dreieck und war kurz davor die Waage aus dem (geschlossenen) Fenster zu werfen. Aber einen Versuch bekam sie noch. 71,8 Kilo. Na gut, damit gab ich mich zufrieden. Aber wie erklärt sich das? Was wiege ich denn nun eigentlich? Wozu wiege ich mich überhaupt?

Mein Mann beantwortete die Frage ganz nüchtern: „Vermutlich bist du der einzige Mensch auf dieser Welt, bei dem die Gefühle mitwiegen. Je gereizter und grantiger du wirst, umso mehr zeigt die Waage an.“ Na, herzlichen Dank! In dem Fall hilft nur eins: OM. Yoga. Entspannen.

Oder einfach nicht mehr draufsteigen auf das blöde Ding. Wenn ich nur dran denke, wiege ich schon wieder 300g mehr. Das sind die Gefühle. Aaaargh! (oder doch die selbstgemachte Kokos-Schokolade? Ne bestimmt nicht. Denn ich werde beweisen, dass Schokolade essen und Abnehmen kein Widerspruch ist!)