veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


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Der Reschenseelauf und die „verdammten Komma 3“

Die Ankunft am Reschensee (inkl. beginnender Panik)

Gute zwei Stunden Fahrtzeit bei 30°C Außentemperatur. Vier Mädels, ein Kofferraum voller Gepäck (das meiste davon meins, da ich Verpflegung für ungefähr 2 Wochen eingepackt hatte, man weiß ja nie) und die Vorfreude auf den Reschenseelauf. Tja, und da kam er dann. Der wunderschöne Reschensee. Mit ihm die sagenhafte Kirche, die im See steht. Besser gesagt: unter Wasser steht. Ein faszinierendes Bild. Einige Zeit war es still im Vier-Mäderl-Auto. Andächtig betrachteten wir die beeindruckende Landschaft. Jede hing ihren Gedanken nach. Bis endlich eine aussprach, was wir uns alle dachten: „Also, wenn das der See ist, um den wir rundum laufen – dann krieg ich jetzt Panik!“

Und ja, genau das war der See. Doch der sah irgendwie sehr viel größer als wir es uns vorgestellt hatten. Waren das wirklich nur 15,3 Kilometer? Vom ersten Gefühl her hätte ich auf rund 50 Kilometer getippt. Leichte Beunruhigung breitete sich aus. Aber naja, was soll ich sagen. Jetzt, wo wir schon mal da waren …

Am Reschensee.

Beim Startnummern abholen trafen wir dann die anderen unserer „Crew“. Und dann wurde es Zeit für das wichtigste vor einem Lauf bei knapp 30°C auf 1500 Höhenmeter: Essen! Ohne Treibstoff läuft nichts und so vereinbarten wir, uns am Start wiederzutreffen, während mein Vierer-Kleeblatt sich wieder auf den Weg zum Futter-Mobil machten. Im Schatten futterte jeder seine favorisierte Energiequelle und die Bandbreite reichte von Müsliriegel über Risotto, Fladenbrot und Kuchen bis hin zum Apfel. Man könnte sagen, wir waren wirklich gut vorbereitet, was den Proviant anging. Ich kaute so an meinem Fladenbrot, als ich Sarah sagen höre: „Also die 15 Kilometer, darauf bin ich eingestellt, das krieg ich hin. Aber diese verdammten Komma 3, ich glaube, das sind die, die uns zum Schluss dann noch fertig machen!“ Ich verschluckte mich beinahe an meinem Brötchen. Die 15 km sind ok? Aber die 0,3 am Schluss sind dann zuviel des Guten? Ich musste lachen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sie die Lage ziemlich gut einschätzte.

Der Start

Es hatte ein wenig was vom Viehtrieb, wie wir uns da so eingepfercht in unsere Startblöcke vorwärts bewegten. Besser gesagt: vorwärts getrieben wurden. Zwischen unserem Startblock und den Nordic Walkern war nur ein hauchdünnes Absperrband in rot-weiß. Wir bekamen 1 Minute Vorsprung. Dann ging es los. Die Sonne heizte uns ordentlich ein und die ersten paar Meter über die Wiese waren ein wenig holprig. Es ging über die Brücke, immer entlang am Reschensee. Ein frische Wind, wehte mir um die Ohren, die ich vorsorglich mit einem Tuch bedeckt hatte. Mit Sarah an der Seite hatte ich eine a) passende Laufpartnerin, der ich nicht zu langsam war – wir pendelten uns bei gut 8 km/h ein und b) passende Gesprächspartnerin, dank der ich eine Weile nicht mal merkte, dass wir mal wieder von den Abschlussradfahrern begleitet wurden.

Der Lauf

Immer wieder kamen uns Läufer entgegen, die abgebrochen oder aufgegeben hatten – zumindest machte es so den Anschein. Ich denke, einige hatten die Sonne doch etwas unterschätzt und sind vielleicht zu schnell losgelaufen. Von hinten hörte ich plötzlich ein Klack-Klack-Klack und ich wusste: es war soweit! Der erste Nordic Walker ging zum Angriff über. Roberto (sein Name stand auf dem Shirt) stöckelte in einem Affenzahn an uns vorbei. Sarah und ich waren uns einig. Der gute Mann darf das, der sieht von hinten so gut aus, dass wir kein Problem damit haben, ihn direkt vor unserer Nase zu haben. Der schöne Anblick hielt leider nicht lange an – er war zu schnell für uns. Aber man kann ja nicht alles haben.

Der Buckel

Ich wurde bereits noch in heimatlichen Gefilden vor dem bösen Buckel zwischen Kilometer 9 und 10 gewarnt. Der wäre soooo steil und der hätte es in sich. Bei jedem minimalen Anstieg meinte Sarah: „Das war er jetzt, oder?“ und ich antwortete jedes Mal: „Ich fürchte, nein.“ So liefen wir weiter, mein Puls stetig bei knapp 160 Schlägen, was für einen Wettlauf schon fast eine kleine Sensation ist, denn unter 175 geht da normal nix bei mir. Ich hatte ein richtig gutes Laufgefühl. Ich mochte die Strecke, die Strecke mochte mich. Wir liefen über die Staumauer, auf Schotterwegen, an seltsamen Riesenbottichen vorbei, die im Stausee standen (wir stellten uns vor, wir könnten daraus prickelnde Holder-Bowle schlürfen aus einem Riesenstrohhalm). Und dann, aus dem Nichts heraus, hörten wir Samba-Klänge. Ein wildes Getrommel, rhythmisch, stampfend, mitreißend. Da war er plötzlich. Der Buckel, vor dem mich alle gewarnt hatten – und mittendrin vier Burschen mit Trommeln, die den Läufern praktisch den Takt vorgaben. Alle, die vor uns waren, gingen den Anstieg hinauf. Ich wollte eigentlich auch gehen. Aber erstens habe ich Bergläufe trainiert und zweitens hatte auch Sarah extra für diesen Lauf Hügellauf trainiert und drittens … ach was weiß ich, was mich da geritten hat. „Ich überhole aufwärts aber niemanden, das ist mir zu stressig“, gab ich Sarah noch schnell bekannt, bevor die Luft fürs Reden zu knapp wurde. Schweigend liefen wir im Samba-Rhythmus die etwa 500 Meter lange Passage noch oben.

Ein Fuß vor dem anderen. Einatmen, ausatmen. Und ich gestehe: ich hatte noch nie in meinem kurzen Läuferleben sowas wie ein Runner’s High. Noch nie. Aber dieser Buckel, kam dem schon ziemlich nahe. Denn ich merkte, nachdem der Puls bei gut 170 Schlägen lag, dass ich lief, wie ein gut funktionierendes Uhrwerk. Es war anstrengend, aber es überforderte mich nicht. Das machte mich sowas von glücklich, das ich gar nicht merkte, wie ich ein Pärchen überholte, das vor mir immer langsamer wurde. „Ich dachte, du überholst bergauf nicht“, sagte Sarah später. Stimmt, hatte ich ganz vergessen. Berglauftraining, ich liebe dich! Das hat ja sowas von funktioniert!

Die verdammten Komma 3 und weiche Knie

Einige Kilometer verflogen, ohne dass ich sie wirklich registriert habe. Ich bin einfach gelaufen, dank Sarah abgelenkt von eventuellen Wehwehchen, wie die linke, mittlere Zehe, die zwischendrin mal wieder Aufmerksamkeit einforderte. Wir liefen durch einen extra aufgestellten Rasensprenger mitten auf der Straße hindurch, klatschten uns mit dem Streckenposten ab, der uns anfeuerte, holten uns Wasser und Melone beim Verpflegungsstand und liefen und liefen. Wir liefen vorbei am Schild mit KM 14 und dann kam das Ziel in Sichtweite. „Mist, ich hab das Ziel gesehen“, sagte Sarah. In dem Moment sah ich es auch und es passierte, was immer passiert: ich bekam weiche Knie. Und das seltsame Verlangen, einfach mittendrin stehenzubleiben und aufzuhören, schlug wieder zu. Wir stellten fest, dass es uns beiden genau gleich ging. Ziel in Sicht? Alles klar, dann können wir ja jetzt aufhören. Zumindest scheint das im Gehirn so abzulaufen. Natürlich rannten wir weiter. Das Schild mit KM 15 kam in Sichtweite. Und ab da war es dann tatsächlich so, als würden wir die letzten 300 Meter durch Pudding waten. Natürlich sahen wir dabei äußerst entspannt und vollkommen athletisch aus, denn dieses seltsame Empfinden existiert ja nur in meinem Kopf – und scheinbar auch in Sarah’s. Mein Puls sprang auf hübsche 180 Schläge, was auch schon wieder eine Sensation für sich ist, denn normalerweise verbringe ich Zieleinläufe in einem Zustand ganz knapp vor dem Koma, bei rund 190 Schlägen.

Und um es kurz zu machen (der Artikel ist eh schon viel zu lang, aber he, es waren immerhin 15 Kilometer und die verdammten Komma 3 noch dazu – freut euch auf meinen Halbmarathonbericht): es war ein wunderschöner Lauf, auf den ich mich körperlich so gut eingestellt hatte, dass ich heute – einen Tag später – weder Muskelkater habe noch sonstige Beschwerden. Ich weiß, ich kann morgen mein HM-Training fortsetzen, ohne zu pausieren. Ich fühle mich pudelwohl. Und das habe ich, neben vielen anderen Erkenntnissen, aus diesem Lauf gestern mitgenommen:

Ich möchte zukünftig jeden Wettkampf so laufen, dass ich hinterher sagen kann: Schön war’s. Anstrengend war’s. Ich habe es genossen. Ich habe mich gefordert, aber nicht überfordert. Mein Körper kommt mit der Anstrengung klar und braucht keine Woche zum Regenerieren. Und wenn ich dafür halt 1h 52 min. auf 15,3 Kilometer brauche, dann ist das perfekt.

Einfach perfekt.

Danke an Ina (perfekte Chauffeurin) , Sarah (perfekte Laufbegleitung), Katharina (perfekter Roadie)! Und danke an Elke mit Roland und Sandra mit Markus, die extra diese weite Anfahrt auf sich genommen haben und unser Team vor Ort komplettiert haben. Perfekt!

Die perfekte Truppe!

 


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Schiff auf zwei Beinen oder Wie ich nochmal laufen lerne

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Intervalltraining

Ich trabe im Warmmach-Tempo vor mich hin. Noch 20 Sekunden bis zum Intervall meldet der Garmin. Noch 10 Sekunden. Ich laufe ein wenig schneller, schließlich will ich vom Intervall-Tempo nicht überrumpelt werden. Noch 3, 2, 1 … LOS! „1. Intervall für 800 Meter in der Pulszone 172 – 181“, befiehlt der Garmin mit einem nervigen Piepsen, vibrierend am Armgelenk. Ich laufe schneller, atme schneller. Nach 10 Sekunden habe ich das Gefühl, ich kann nicht mehr schlucken. Irgendwie ist alles so trocken. Nach 30 Sekunden habe ich das Gefühl, ich kann nicht mehr atmen. Kein Rhythmus. Der Garmin vibriert genervt: „Puls zu niedrig“. Ich laufe weiter, will nicht zu sehr beschleunigen, denn schließlich muss ich 800 Meter durchhalten. Das kann verdammt lang sein. Bei jedem Ausatmen ist inzwischen ein seltsamer Ton  hinzugekommen, nicht vom Garmin, sondern von mir. Eine Art Ächzen. Ich keuche. Vor lauter Speed (gefühlter Speed, in Wirklichkeit war’s wohl irgendwas um die 10 km/h) werde ich unkonzentriert, muss aufpassen, dass ich nicht stolpere. Wie ein Schluck Wasser in der Kurve, versuche ich, meine Bahn zu halten. Atmen geht immer noch nicht geräuschlos. Nur durch den Mund. Koordiniertes Laufen sieht auch anders aus – ich schwanke, wie ein Schiff auf zwei Beinen. Nach rund 300 Metern habe ich endlich diesen verdammten Pulsbereich erreicht. Allerdings nur die unterste Grenze davon.

Was ist passiert?

Ganz grob kann man sagen, mein Körper muss nun mit einer Geschwindigkeit laufen, um den angestrebten Pulsbereich zu erreichen, die er noch nicht kennt. Die Beine müssen sich schneller bewegen, die Atmung muss sich anpassen, Muskeln, Sehnen, Bänder – das Zusammenspiel funktioniert noch nicht wirklich in dem Bereich. Wir haben uns daran gewöhnt, gemütlich mit 7 km/h vor uns hinzutrotten. Darin sind wir inzwischen großartig und beinahe unschlagbar! Aber das hier? Das ist neu. Nachdem ich mich deswegen bei meinem Trainer ausgeheult habe und ihm mitgeteilt habe, dass ich fürchte, ich bin nicht dazu gemacht, so schnell zu laufen, hat er es mir dann erklärt.

Es ist ein bisschen so,  wie wenn du nochmal Gehen lernst.

Dein Körper lernt jetzt, sich mit einer neuen, schnelleren Geschwindigkeit fortzubewegen – er ist es nicht gewohnt, da er es bisher nie musste. Neue Abläufe werden mit jedem Training innerhalb des Körpers programmiert. Anfangs kann das unkoordiniert sein, die Atmung passt nicht – eigentlich passt gar nix. Aber der Körper lernt. Jedes Mal. Jedes verfluchte Intervalltraining. Und ja, geflucht habe ich in den Trabpausen wie ein Weltmeister (darin bin ich ausgesprochen gut). Das ändert nix daran, dass ich gestern hätte heulen mögen. Ich fühlte mich, wie ganz am Anfang. Kaugummi unter den Füßen, Waten durch ein Meer aus flüssigem Zement. Anstrengung, Schweiß, zeitweise Überforderung – und immer wieder kurz der Gedankenblitz: „Lass es sein. Das kannst du nicht!“ Aber genau das stimmt nicht. Ich kann es sehr wohl. Als ich klein war und laufen lernte, bin ich auch oft auf die Schnauze gefallen. Habe ich damals meinem inneren Kritiker geglaubt? Nein. Ich bin so oft wieder aufgestanden, bis das Laufen von selber ging. Bis ich nicht mehr drüber nachdenken musste. Und deswegen bin ich gestern diese doofen 6 Intervalle gelaufen. Zornig, wütend, erschöpft und atemlos. Aber ich bin gelaufen. Werden wir schon noch sehen, wer hier den längeren Atem hat. In einem Jahr werde ich dann hier zu diesem Eintrag zurückblättern. Dann schauen wir mal, was sich bis dahin getan hat. Aber eins ist sicher: liegenbleiben gilt nicht!


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Wenn der Berg ruft

Dann sollte man springen. Oder zumindest sein Bestes geben und bei dem Versuch … nein, ich will das Drama nicht vorweg nehmen. Heute auf meinem Trainingsplan: ein Lauf mit 3 kleinen Berglaufeinheiten. Heißt: 3 x 6 Minuten den Berg hoch, Puls bis max. 173 (das ist meine GA3-Stufe) und zwischen den „Bergen“ wieder runterschalten auf Erholungspuls.

Man nehme dafür im Optimalfall: 2 kräftige Beine, 3 passende Berge bzw. Anstiege und 1 ausgeruhte Läuferin.

Ich hatte heute zur Verfügung: 2 Gummioberschenkel, 3 unpassende Anstiege mit teilweise hochalpinen Schneeverhältnissen und 1 ziemlich ausgelutschten Turtlerunner, nämlich mich.

Reden wir nicht lang drumherum: Ich hatte kurzzeitig das Gefühl, mitten im Geschehen, direkt und jetzt sofort sterben zu müssen. Mein Herz schlug bis zum Hals und darüber hinaus, meine Lunge gab seltsame Geräusche von sich (die nur ich hören konnte, denn natürlich übertreibe ich mal wieder ohne Ende) und meine Beine … ach ja, reden wir nicht davon.

Das war der erste Anstieg. Ganz schön ungewohnt und ich war mir nicht sicher, ob ich die nächsten beiden Anstiege überleben würde. Aber ich hatte ja meinen Turtle-Mann dabei, der hätte mich bestimmt nach Hause getragen, wenn nix mehr ging. Oder doch nicht? Ich frag lieber nicht nach und lebe weiter innerhalb meiner romantischen Illusionen …

6 Minuten sind ja sooooooo lang! Unfassbar. Der zweite Anstieg war noch fieser, weil steiler. Ich keuchte jede Minute nur noch ein Wort: „Zeit!“ Denn Zeit ist was unglaublich Wichtiges. Wurde mir heute wieder mehr als deutlich bewusst. Zeit.

Wann zum Teufel sind denn diese verdammten 6 Minuten um?

Ehrlich,  hätte ich nicht schon vor Monaten mit dem Rauchen aufgehört – heute hätte ich’s getan! Einfach so. Aus voller Brust heraus. Denn da war heute nur Luft drin und davon auch schon zu wenig. Wenn ich beim Laufen mal nicht ständig meinen Schnabel aufhabe, dann sollte man sich langsam Gedanken machen.

Heute war der stillste Lauf meiner bisherigen Karriere.

Und ich musste die ursprünglich geplante Trainingszeit von 55 Minuten überziehen. Um ganze 18 Minuten! Warum? Weil ich so langsam zwischen den Bergen, die gar keine waren, gehen musste, damit mein Puls runterkommt. Ganz schöne Berg- und Talfahrt war das heute. Alles in allem ein kleines Drama. Und ja, das ist es tatsächlich, denn in Wirklichkeit war es eigentlich halb so wild. Klar, hab ich das alles genauso zu 100% empfunden.

Aber jetzt – zuhause – nach der warmen Dusche, nach meinem Energie-Erholungs-Drink, Salat mit Kräckern, gefühlten 2 Kilo Datteln und einer Viertel Reisbohnen-Pizza mit Brokkoli, muss ich sagen:

Das war mit Abstand der coolste Lauf, den ich bisher gemacht habe!

Habe mich selten so lebendig gefühlt und gespürt, wie sehr mein Herz klopfen kann und das ich trotz allem fähig bin, einen Berg (es war in Wirklichkeit kein Berg, aber für mich war es einer) hinaufzurennen. Gut, „rennen“ ist jetzt vielleicht auch wieder relativ … aber Herrschaftszeiten, wen juckt das? Für mich und meine Verhältnisse bin ich heute 3 Berge hochgerannt. Und allein das zählt. Ein Supertag!

Foto gibt’s übrigens keins – hatte keine Zeit zu fotografieren (war ja am „rennen“) 😉


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Nadelstiche, ein Kompliment und die 32-kg-Marke

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Die Welt ist im Fest- und Geschenkerausch. Ich auch. Nur bei mir kommt noch der Waldrausch dazu: ich rausche fast täglich durch die Wälder. Ausgerüstet mit Goretex-Laufschuhen, meinem Polar-Buff, der mein edles Haupt schützt und natürlich mit Spikes.

Es sind noch 3 Tage bis zum Silvesterlauf, an dem ich ehrenhaft die Fahne der Turtlerunner hochhalten werde. Denn wenn bis Sonntag nicht noch ein Wunder geschieht, dann werde ich wohl wieder so um die 1,5 Stunden für den Lauf brauchen. Aber was soll’s! Es gibt üblere Wege seinen Sonntag zu verbringen. Letzte Woche habe ich übrigens – so ganz nebenbei – meinen ersten ganz privaten Halbmarathon absolviert. 21,2 Kilometer in gefühlten 6,75 Stunden (in Wirklichkeit waren es ziemlich genau drei Stunden). Es war das sensationellste Feeling seit langem, als ich zu dem Schild mit der 21-Kilometer-Marke kam. Kann ich nicht beschreiben, müsst ihr ausprobieren, wenn ihr es noch nicht getan habt. Einfach WUHUUUU!

Und vor ein paar Tagen bekam ich ein tolles Kompliment. Nicht, dass ich die nicht ständig bekommen würde (hüstel …), aber da war schon besonders. Mein Bruder, von der sportlichen Hälfte der Familie (wir waren von Geburt an gesplittet in Sportler und Couchpotatoes und die letzten 32 Jahre verbrachte ich mehr oder weniger auf der Couch – dann wechselte ich die Lager), kam zu Besuch an Weihnachten. Er hatte mich 1 Jahr lang nicht mehr gesehen und sagte plötzlich:

„Judith, du bist ja eine richtige Sportlerin geworden!“

Das bringt es sowas von auf den Punkt. Und ich glaube, das ist das Wichtigste, an der ganzen Veränderungssache. Ich wollte von Anfang an eine Sportlerin werden. Nichts anderes stand im Vordergrund. Und jetzt bin ich das irgendwie, auf meine Art. Einfach cool, oder?

Und weil ich eine Sportlerin bin, auf deren Trainingsplan heute 40 Minuten Fahrtspiel standen, das letzte richtige Training vor dem Silvesterlauf, schnürte ich natürlich auch heute die Laufschuhe. Draußen 0 Grad, scharfe Windböen, Eiseskälte und ein Schneesturm. Schweinehund und ich trabten los, gut eingepackt. Eine Zeit lang wurde es ganz hart, da lief ich gegen den Wind und der Sturm peitschte tatsächlich die gefrorenen Schneeflocken direkt in mein Gesicht – wie kleine Nadelstiche fühlte sich das an. Am liebsten hätte ich die Augen zugemacht. Ist aber ungünstig beim Laufen. Also durchhalten, durchbeißen und dann bei der Kehrtwende auf dem Heimweg, den Wind im Rücken. Laufen, traben, beschleunigen, treiben lassen … das war dann herrlich! Und jetzt sitz ich hier, schlürfe meinen Obst-Nuss-Kakao-Smoothie und bin schon fast auf dem Weg zum nächsten Familienfest: Mama und Bruder haben heute Geburtstag. Natürlich gibt’s massenhaft zu futtern, aber was soll ich sagen: Es ist der 2. Weihnachtsfeiertag und ich habe heute meine 32-Kilo-Marke geknackt. Offiziell bin ich heute 32 Kilo leichter als am 1. April 2012. Da darf’s heute auch mal ein Löffelchen mehr sein … 😉


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Mach das Licht aus!

Letztes Wochenende stand mal wieder ein langer Lauf auf meinem Trainingsplan. Sollten rund 80 Minuten werden. Mein Pacer, mit dem ich zufällig auch verheiratet bin, und ich, beschlossen, dass wir mal eine andere Strecke laufen wollten, zumal es auch wieder ein halber Nachtlauf werden würde. Lässt sich ja momentan kaum vermeiden, da es um 17 Uhr schon beinahe zappenduster wird.

Wir wollten als kleines Action-Element die Lindauer Hafenweihnacht einbauen. Ich stellte mir das so vor, dass ich fröhlich laufend dort eintrudelte, mir geschwind ein heißes Getränk ausfasste, und noch während dem Trinken wieder von der Insel lief.

Begann dann aber damit, dass wir uns mit der Strecke verschätzt hatten und bereits auf dem Hinweg viel länger unterwegs waren als geplant. Dann tauchte noch mein Lieblingsthema auf: ich musste mal. Weit und breit kein WC in Sicht. Hach ja, wer kennt es nicht von euch? Das Problem ist: wenn es dann mal einen gewissen Schmerzensgrad erreicht hat, dann kannst du nix machen. Dann brauchst du ein Örtchen. Am besten ein dunkles. Ich jammerte und seufzte also immer lauter und mein Mann meinte, dass er das perfekte PP-Örtchen für mich wisse.

Dabei fällt mir gerade ein, dass ich ihn noch gar nicht gefragt habe, wieso er auf unserer brandneuen Laufstrecke mindestens 2 naturbelassene, dunkle Örtchen kennt … auch nach 13 Jahren gibt es also immer noch Geheimnisse. Interessant!

Jedenfalls lotste er mich dorthin, wo kein Mensch war und auch keiner hinsah. Es war beinahe schon gemütlich, das Plätschern des Bodensees nebendran … der Ort war wie geschaffen dafür, abgelegen und trotzdem nah an der Straße. Also, Stirnlampe aus, damit mich auch ja keiner sieht und ab in die Büsche. Plötzlich hörte ich die Stimme meines Mannes:

„Hör mal, es nutzt nix, wenn du deine Stirnlampe ausknipst, aber deine Fußreflektoren weiterblinken lässt. Mach das Licht aus!“


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An alle Turtlerunner da draußen – Bericht Vollmondlauf

Vorweg möchte ich euch eines sagen, meine lieben Mit-Turtlerunner: die Welt braucht euch. Jedes Rennen, das in eurer Nähe ausgetragen wird braucht euch.

Für alle, die nicht wissen, was oder wen genau ich meine, hier eine Definition: 
Turtlerunner sind die Läufer, die als letzte durchs Ziel gehen. 
Es sind die, die für dieselbe Strecke doppelt so lange brauchen, wie die richtig guten Läufer. Es sind die, denen nichts geschenkt wird. 
Es sind die, die für eine Halbmarathon-Vorbereitung ein Jahr brauchen, statt drei Monate. Es sind die, deren Puls beim Schuhe zubinden schon über 110 steigt. 
Es sind die, deren Pace beim ruhigen, langen Lauf über 9 Minuten liegt.

Ja, diese Läufer gibt es. Und sie sind sehr wichtig. Ich gehöre auch dazu.

Und wieso sind wir so wichtig? 
Wieso sollten bei jedem Lauf, der irgendwo stattfindet auch die Turtlerunner vertreten sein?

Ganz einfach: Weil wir damit anderen Menschen Mut machen, es auch zu versuchen.
Weil es keine Schande ist, langsam zu sein und das zu zeigen. Weil wir mental um einiges mehr aushalten müssen als die Speedies des Rennens. Wieso das?

Weil wir neben der körperlichen Anstrengung auch noch den psychischen Kraftakt meistern müssen, die letzten zu sein. Als letzte vor dem Fahrradfahrer herzulaufen, der das Feld von hinten aufräumt. Der bremsen muss, weil wir so langsam sind. Vom Sprecher im Ziel als „die letzten“ angekündigt zu werden. Von überholenden Läufern auf die Schulter geklopft zu werden mit einem „Auf geht‘s!“ während wir schon beinahe das Licht am Ende des Tunnels sehen. Wir müssen oft doppelt so lange laufen wie alle anderen, um dieselbe Strecke zu schaffen. Und das tun wir nicht, weil wir so gemütlich laufen, dass wir nebenher noch lustig schwatzen können – nein, wir tun das und sind dabei an unserem Limit. Wir laufen mit 175 – 180 Puls über 10 Kilometer.

Wenn es uns nicht gibt, wenn wir nicht an Rennen teilnehmen, dann werden es immer die „begnadeten“ Leistungssportler oder begabten Hobbysportler sein, die teilnehmen. Ich bin der Meinung, jedes Rennen braucht seine Turtlerunner-Fraktion. Denn so trauen sich vielleicht auch diejenigen mitzulaufen, die bisher immer dachten: „Da sind doch nur die Guten, das wär total peinlich für mich, da mitzulaufen.“

Scheiß auf peinlich!

Jeder Schritt zählt. Mitmachen. Mitlaufen. Spaß haben. Und wenn dir bei Kilometer 5 von 10 mitten im stockfinsteren Wald die Taschenlampe verreckt, dann läufst du weiter. Und du lachst dabei! Du läufst für dich selbst und für die anderen. Du läufst für alle, die sich (noch) nicht trauen mitzulaufen, weil sie für die Allgemeinheit zu langsam sind. Und wenn du dann nur noch 2 Kilometer vor dem Ziel bist und den Sprecher und die Leute schon hören kannst, die am Ziel auf die letzten warten, dann gibst du nochmal Gas. Du spürst zwar die Beine kaum mehr, aber ein bisschen was geht noch. Und wenn dann plötzlich einer der Speedies – die schon 40 Minuten vor dir im Ziel waren – zurückkommt, um dich auf dem letzten Kilometer zu begleiten und zu unterstützen, dann ist das schon eine ziemlich geile Sache! (Danke Thomas – es hat mir sehr viel bedeutet!)

Ich hatte gestern das tollste Rennen, das ich bisher gelaufen bin. Ich bin Vorletzte geworden und stolz darauf. Meine Freundin hat den letzten Platz belegt und darauf bin ich genauso stolz – denn wir haben gekämpft! Und ich wage zu behaupten, dass wir beide mehr kämpfen mussten als die meisten, die in besserer Form sind.

Sollten wir uns jetzt verstecken und nicht mehr mitmachen bei solchen Rennen? Nein, ich finde nicht. Jetzt erst recht! Und ich hoffe, durch unsere Lauf-Zeit traut sich vielleicht der ein oder andere nächstes Jahr auch mitzumachen, weil er sieht, dass da nicht nur Profis und Hobbysportler laufen. Sondern eben auch Turtlerunner.

Und ich verspreche an dieser Stelle eines: sollte ich jemals rauskommen aus der Turtlerunner-Klasse und vielleicht irgendwann mal zu den Speedies gehören, dann wird es mir eine Ehre sein, jährlich an 1-2 Rennen teilzunehmen und einen Turtlerunner in seinem Tempo ein ganzes Rennen lang zu begleiten.


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Unter Beobachtung.

Die Welt ist entsetzt, dass Frau Merkels Handy abgehört wird und unsere e-Mails nicht sicher sind. Aber ich sag euch mal was: Nachbarn sind viel schlimmer! Da kann die NSA einpacken. Aber alle miteinander.

Ich habe letzte Woche angefangen, das Lauf-ABC in mein Training einzubauen. Lustige, seltsame Übungen, die mir helfen sollen, schneller zu werden, meinen Laufstil zu verbessern (hab ich sowas?) und überhaupt einfach gut sind. Nun hüpfe und springe ich also 1 x wöchentlich im Hopserlauf durch die Gegend, ziehe die Knie beim Laufen hoch und laufe seitlich überkreuz. Was tut man nicht alles, um aus der Turtlerunner-Klasse auszusteigen?

Bisher lief ich immer kurz vor der Dämmerung – wenn’s halt keiner sieht. Vor ein paar Tagen nicht.

Ein kurzer Szenen-Wechsel. Ein Haus am Waldesrand mit Blick auf einen nicht asphaltierten Wanderweg. Drei ältere Herren sitzen zusammen, trinken ihr Bier und schauen aus dem Fenster. „He! Das da ist meine Tochter“, ruft der eine und zeigt aus dem Fenster. „Ach, echt?“, meint der andere und beugt sich weiter zum Fenster. „Was tut sie denn da?“ fragt der Dritte stirnrunzelnd. „Keine Ahnung. Joggen, oder?“ „Nein, schau mal was die macht!“ Helle Aufregung. „Die bewegt sich so komisch!“ „Hat die irgendwas?“ Die beiden Männer sind total entsetzt und schauen den Dritten fragend an: „Ja sag mal, hat die vielleicht einen Knall?“ „Sieht ein bisschen so aus, als hätte sie nicht mehr alle Latten am Zaun“, grinst einer der beiden.

Der Dritte, übrigens mein Vater, ergreift dann für mich Partei: „Ich weiß nicht, was sie da macht – aber Herrschaftszeiten jetzt hat sie 30 Kilo abgenommen, das ist doch wohl eine Leistung!“ Betretenes Schweigen und dann langsam murmelnde Zustimmung. „Soviel Disziplin! Das ist schon eine Leistung …“ Darauf wird dann beim nächsten Bier angestoßen.

Und was lerne ich daraus? Du stehst immer irgendwo von irgendwem unter Beobachtung. Und man hat zwei Möglichkeiten: entweder im Dunkeln laufen oder sich nicht darüber aufregen, dass es Menschen gibt, die denken, du bist nicht ganz normal.