veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


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Zum Heulen

Manchmal sind die Dinge einfach nur zum Heulen. Wir heulen, wenn was weh tut (gut, nicht wir alle). Wir heulen, wenn etwas blöd gelaufen ist (auch nicht wir alle). Wir heulen, wenn etwas Trauriges passiert (die meisten von uns).

Nach den letzten grenzüberschreitenden Trainingsintervallen, als ich neben meinem bestens gelaunten Mann heimwärts kroch auf allen vieren (ok, das ist übertrieben, aber kommt der Wahrheit schon ziemlich nahe), versuchte er mich aufzumuntern und meinte: „He, letztes Jahr hättest du auf der Strecke noch heulen können!“

Was heißt denn hier „letztes Jahr“? Das tue ich heute noch! Jede Woche mindestens einmal. Zumindest gedanklich. Aber vielleicht ist das auch gar nicht das Verkehrteste. Denn heulen tun wir ja auch, wenn wir glücklich sind (manche von uns). Wir heulen, wenn wir etwas Wichtiges geschafft haben (ja, nicht jeder von uns, aber einige). Wir heulen, wenn uns etwas überwältigt. Zumindest ich.

Und das geschah am 1. Mai 2014. Also vorgestern. Ich saß am Computer (was öfters vorkommt, wenn ich nicht gerade laufe) und bekam eine Mail. Von einem Menschen, dessen Namen ich vorher nie gehört hatte, der mir gänzlich unbekannt war. Und dieser Mensch schrieb folgendes:

Einen wunderschönen guten Morgen!

Warum schreibe ich Dir?

Ich habe mich im Dezember im Internet ein bisschen schlau machen wollen von wegen gesunder Rezepte und so……! Da bin ich durch Zufall auf Deine Seite gekommen und war ganz begeistert von Deiner Story.
Nun, wie gesagt es war Dezember. Weihnachten vor der Tür, mein Geburtstag am 21.12. und anschließend Silvester……..also der richtige Zeitpunkt seine Essensgewohnheiten neu zu strukturieren!

Natürlich mit Hintertürl, so quasi „Vegan hört sich super an, aber vielleicht halt nur 3x die Woche und auf Käse wird schwer zu verzichten sein, na dann schau mer mal!“ (wie der Kaiser Franz das so schön auszudrücken weiß).

Kurze Rede, langer Sinn: kein Problem mit Käse oder sonstigen Sündenfällen, kein Gramm Wurst, kein Gramm Fleisch – Smoothies bis zum abwinken, Salate Gemüse und sämtliche erlaubte Dinge, die das Veganerleben so erfreulich machen. Ich habe wieder zu laufen begonnen, laufe am Sonntag, 04.05. meinen ersten Lauf seit 6 Jahren und habe mein Gewicht in diesen 5 Monaten auf 82kg herunter“gefressen“ (von über 90kg).

Also ein Ganz festes DANKE an Dich liebe Judith, I feel good!!!!

Ach ja, der Geburtstag im Dezember war mein 63er, also es gibt sicherlich keine Grenzen und keine Ausreden!!!

Und an diese Zeilen werde ich nächstes Mal denken, wenn ich mal wieder heulen konnte. Vor Frust oder Wut. Denn da draußen sind wirklich Menschen, die wegen mir etwas verändern. Das kriege ich vielleicht gar nicht immer mit, denn nicht jeder schreibt mir oder macht sich bemerkbar. Aber alleine der Gedanke daran, dass so etwas möglich ist, macht mich so glücklich, dass ich glatt schon wieder heulen könnte.


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Laufmantra

Laufen macht den Kopf frei. Heißt es immer.

Bei mir ist das genau andersrum. Ich hab danach immer dermaßen viele Gedanken im Kopf, dass ich sie aufschreiben muss. Denn ich lerne unheimlich viel während des Laufens. Über mich. Was für Ängste ich habe, welche Zweifel da sind … und wie man es schafft, den ganzen Blödsinn abzustellen. Also die Ängste und die Zweifel.

Da ich selbst aber meistens in Gedanken bin und außerdem damit beschäftigt, halbwegs vernünftig atmen zu können und einen mehr oder minder aufrechten Gang zu bewahren, während ich laufe, brauche ich dabei manchmal einen Schubser von außen. Mental gesehen natürlich. Ein tatsächlicher Schubser während des Laufens hätte fatale Folgen, die ich mir gar nicht ausmalen möchte. Denn so gefestigt bin ich ja noch nicht in meinem neuen Training.

So geschehen letzten Montag. Intervall-Training. Alleine das Wort lässt mir momentan die Nackenhaare zu Berge stehen. Nicht, dass ich davon viele hätte, aber sagt man halt so. Es scheint eine Art Trauma zu sein. Das vorletzte Intervall-Training (iiih, da ist es schon wieder!) war ja nicht gerade mein angenehmstes. Aber soll ein Intervall-Training (ah, jetzt langt’s aber!)  überhaupt angenehm sein? Soll überhaupt irgendein Training angenehm sein? Ich sag jetzt einfach mal: nein. Und außerdem ist alles unangenehm bevor es angenehm wird. Zumindest die Sachen, die einen Überwindung kosten. So entwickelt man sich weiter. Als Sportler. Als Mensch. Und überhaupt. Denke ich. Hoffe ich. Glaube ich.

Zurück zum Inter … nein, ich schreib’s jetzt nicht nochmal. Ich werde es ab sofort „Grenzen-Überwindungs-Training“ nennen. Letzten Montag stand also das GÜ-Training auf dem Plan. Zur mentalen und körperlichen Unterstützung begleitet mich beim GÜT immer mein Mann. Und um zu verstehen, wieso das hier so wichtig für mich ist, muss man folgendes wissen: Er ist kein Mann großer Worte (für die Worte bin ich zuständig, meine reichen für uns beide), aber wenn er was sagt, dann nie ohne Grund. Ich also mal wieder leichte Panikattacken kurz vor dem Grenzen-Überwindungs-Training: „Schaffe ich das?“ „2 Kilometer in dem Pulsbereich? Das ist aber schon hart.“ „Ich weiß nicht, ob ich den Puls so schnell hochkriege …“  Blablabla … ich sag ja, meine Worte reichen für uns beide. Wenn nicht sogar noch für 2-3 weitere Familienangehörige.

Und alles was er dazu sagt ist:

Du musst nur rennen. Sonst nichts.

Und das mit einer Gelassenheit, die selbst einen Pandabären beim Mittagsschlaf vor Neid erblassen lassen würde. „Du musst nur rennen? Sehr witzig“, giftete ich zurück. Aber dann, das Einlaufen ging los, die Atmung wurde schneller – Sprechen war nicht mehr ganz so lustig – begann ich, wie immer beim Laufen, nachzudenken. Stimmt ja eigentlich. Ich muss nur rennen. Sonst nichts. Nicht denken. Nicht zweifeln. Nicht reden. Nicht durchdrehen. Nicht ängstlich sein. Einfach nur rennen. Wie früher. Als ich klein war. Da bin ich auch ständig gerannt. Wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass das irgendwie beängstigend wäre. Und nur weil ich heute mit GPS-Uhr, Pulszonen und einem Wettkampfziel ausgestattet bin, hat sich an der grundlegenden Sache überhaupt nichts geändert.

Ich muss nur rennen. Sonst nichts.

Und das ist so kinderleicht, dass ich schon wieder lachen muss. Über meine Kompliziertheit. Nur rennen. Ganz einfach.

Einfach nur rennen. Kinderleicht!

Dieses Bild stammt übrigens von der wunderbaren Fotografin und Journalistin Susi Donner, die mit mir ein Interview für die Schwäbische Zeitung geführt hat. Danke, liebe Susi!


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Nadelstiche, ein Kompliment und die 32-kg-Marke

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Die Welt ist im Fest- und Geschenkerausch. Ich auch. Nur bei mir kommt noch der Waldrausch dazu: ich rausche fast täglich durch die Wälder. Ausgerüstet mit Goretex-Laufschuhen, meinem Polar-Buff, der mein edles Haupt schützt und natürlich mit Spikes.

Es sind noch 3 Tage bis zum Silvesterlauf, an dem ich ehrenhaft die Fahne der Turtlerunner hochhalten werde. Denn wenn bis Sonntag nicht noch ein Wunder geschieht, dann werde ich wohl wieder so um die 1,5 Stunden für den Lauf brauchen. Aber was soll’s! Es gibt üblere Wege seinen Sonntag zu verbringen. Letzte Woche habe ich übrigens – so ganz nebenbei – meinen ersten ganz privaten Halbmarathon absolviert. 21,2 Kilometer in gefühlten 6,75 Stunden (in Wirklichkeit waren es ziemlich genau drei Stunden). Es war das sensationellste Feeling seit langem, als ich zu dem Schild mit der 21-Kilometer-Marke kam. Kann ich nicht beschreiben, müsst ihr ausprobieren, wenn ihr es noch nicht getan habt. Einfach WUHUUUU!

Und vor ein paar Tagen bekam ich ein tolles Kompliment. Nicht, dass ich die nicht ständig bekommen würde (hüstel …), aber da war schon besonders. Mein Bruder, von der sportlichen Hälfte der Familie (wir waren von Geburt an gesplittet in Sportler und Couchpotatoes und die letzten 32 Jahre verbrachte ich mehr oder weniger auf der Couch – dann wechselte ich die Lager), kam zu Besuch an Weihnachten. Er hatte mich 1 Jahr lang nicht mehr gesehen und sagte plötzlich:

„Judith, du bist ja eine richtige Sportlerin geworden!“

Das bringt es sowas von auf den Punkt. Und ich glaube, das ist das Wichtigste, an der ganzen Veränderungssache. Ich wollte von Anfang an eine Sportlerin werden. Nichts anderes stand im Vordergrund. Und jetzt bin ich das irgendwie, auf meine Art. Einfach cool, oder?

Und weil ich eine Sportlerin bin, auf deren Trainingsplan heute 40 Minuten Fahrtspiel standen, das letzte richtige Training vor dem Silvesterlauf, schnürte ich natürlich auch heute die Laufschuhe. Draußen 0 Grad, scharfe Windböen, Eiseskälte und ein Schneesturm. Schweinehund und ich trabten los, gut eingepackt. Eine Zeit lang wurde es ganz hart, da lief ich gegen den Wind und der Sturm peitschte tatsächlich die gefrorenen Schneeflocken direkt in mein Gesicht – wie kleine Nadelstiche fühlte sich das an. Am liebsten hätte ich die Augen zugemacht. Ist aber ungünstig beim Laufen. Also durchhalten, durchbeißen und dann bei der Kehrtwende auf dem Heimweg, den Wind im Rücken. Laufen, traben, beschleunigen, treiben lassen … das war dann herrlich! Und jetzt sitz ich hier, schlürfe meinen Obst-Nuss-Kakao-Smoothie und bin schon fast auf dem Weg zum nächsten Familienfest: Mama und Bruder haben heute Geburtstag. Natürlich gibt’s massenhaft zu futtern, aber was soll ich sagen: Es ist der 2. Weihnachtsfeiertag und ich habe heute meine 32-Kilo-Marke geknackt. Offiziell bin ich heute 32 Kilo leichter als am 1. April 2012. Da darf’s heute auch mal ein Löffelchen mehr sein … 😉


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5 Gründe, wieso du trotz Regen laufen solltest.

Eigentlich wollte ich schreiben, „wieso du genau deswegen, weil es regnet, laufen gehen solltest!“. Dachte mir dann aber, es schreckt die „Noch-Nicht-Regen-Läufer“ ab. Aber freut euch, ihr Lieben, das wird sich jetzt ändern!

Die Regenläufer brauchen Verstärkung und wenn ihr es bisher nicht gewagt habt, dann tut ihr es gleich. Heute schüttet es bei uns aus Kübeln und dazu haben wir noch starken Wind.  Geplant ist bei mir heute eine ca. 70-minütige Laufeinheit. Die könnte ich natürlich auch verschieben. Könnte ich.

Tu ich aber nicht.

Hier meine 5 Gründe, wieso ich (und ab sofort auch du) trotz Regen laufe:

1. SPASS– ich weiß, du kannst es dir nicht vorstellen, aber es macht tatsächlich Spass! Es sind die ersten 2-3 Minuten, die etwas Überwindung kosten, aber dann … sind die Schuhe erstmal nass und du hast dich an das Gefühl von Regen auf der Haut gewöhnt, dann ist es – TATSACHE – ein grandioses Gefühl!

2. DEIN ZIEL – Was bringt dich deinem Ziel (ich hoffe doch, du hast eines?) näher? Daheim auf der Couch zu sitzen oder draußen in freier Wildbahn die frischeste Luft, den Geruch des Waldes, der Wiese, der Natur und überhaupt das LEBEN an sich einzuatmen, während du läufst?

3. DAS DANACH – Du bist also durch und durch nass, ausgepowert, erschöpft – deine Wangen sind rosig, du strahlst und du fühlst dich einfach großartig! Jetzt nichts wie heim, nasse Klamotten weg (am besten direkt in die Waschmaschine) und unter die warme Dusche hüpfen. Anschließend ein Tässchen Tee und jetzt: die Couch! Ich garantiere dir, du wirst dich selten besser fühlen nach einem Lauf!

4. FREIHEIT – Ich gehe nicht davon aus, dass diesen Blog-Artikel mehr als eine Handvoll Menschen lesen werden (sozusagen mein elitärer Kreis), daher wird sich an folgender Tatsache auch nicht so schnell etwas verändern: Viele scheuen sich davor, im Regen zu laufen. Und das bedeutet für dich: Du hast auf deinen Laufstrecken soviel Platz wie selten. Du bist vermutlich als eine/r der wenigen unterwegs, die bei Wind und Wetter laufen – und das gibt dir das Gefühl von FREIHEIT. Und vielleicht auch ein bisschen von Überlegenheit. Mal ehrlich, bei Sonne und blauem Himmel kann ja jeder. Oder?

5. LAUFGEFÜHL – Eigentlich braucht es keinen 5. Grund mehr. Und ich weiß auch nicht genau, wie ich ihn nenne. Aber ich formulier es mal so: Einige meiner besten Läufe hatte ich bei Regenwetter. Woran es lag, weiß ich nicht. Vielleicht der Luftdruck, vielleicht wollte ich dem Regen davonlaufen – keine Ahnung! Es ist wirklich ein anderes Laufgefühl und hat man sich erstmal überwunden, wird man damit belohnt.

Ich schließe diesen kurzen Monolog mit einem Zitat von Bob Marley, das man gar nicht oft genug wiederholen kann. Und ich hoffe, du bist heute auch dabei, wenn es heißt: Auf in den Regen! Ich trabe so ab 15 Uhr los, falls du mentale Unterstützung brauchst. Und falls euch noch was einfällt, wieso es toll ist, im Regen zu laufen, schreibt mir! Kommentare ausdrücklich erwünscht.

Bob, eine der besten Aussagen, die du machen konntest!


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An alle Turtlerunner da draußen – Bericht Vollmondlauf

Vorweg möchte ich euch eines sagen, meine lieben Mit-Turtlerunner: die Welt braucht euch. Jedes Rennen, das in eurer Nähe ausgetragen wird braucht euch.

Für alle, die nicht wissen, was oder wen genau ich meine, hier eine Definition: 
Turtlerunner sind die Läufer, die als letzte durchs Ziel gehen. 
Es sind die, die für dieselbe Strecke doppelt so lange brauchen, wie die richtig guten Läufer. Es sind die, denen nichts geschenkt wird. 
Es sind die, die für eine Halbmarathon-Vorbereitung ein Jahr brauchen, statt drei Monate. Es sind die, deren Puls beim Schuhe zubinden schon über 110 steigt. 
Es sind die, deren Pace beim ruhigen, langen Lauf über 9 Minuten liegt.

Ja, diese Läufer gibt es. Und sie sind sehr wichtig. Ich gehöre auch dazu.

Und wieso sind wir so wichtig? 
Wieso sollten bei jedem Lauf, der irgendwo stattfindet auch die Turtlerunner vertreten sein?

Ganz einfach: Weil wir damit anderen Menschen Mut machen, es auch zu versuchen.
Weil es keine Schande ist, langsam zu sein und das zu zeigen. Weil wir mental um einiges mehr aushalten müssen als die Speedies des Rennens. Wieso das?

Weil wir neben der körperlichen Anstrengung auch noch den psychischen Kraftakt meistern müssen, die letzten zu sein. Als letzte vor dem Fahrradfahrer herzulaufen, der das Feld von hinten aufräumt. Der bremsen muss, weil wir so langsam sind. Vom Sprecher im Ziel als „die letzten“ angekündigt zu werden. Von überholenden Läufern auf die Schulter geklopft zu werden mit einem „Auf geht‘s!“ während wir schon beinahe das Licht am Ende des Tunnels sehen. Wir müssen oft doppelt so lange laufen wie alle anderen, um dieselbe Strecke zu schaffen. Und das tun wir nicht, weil wir so gemütlich laufen, dass wir nebenher noch lustig schwatzen können – nein, wir tun das und sind dabei an unserem Limit. Wir laufen mit 175 – 180 Puls über 10 Kilometer.

Wenn es uns nicht gibt, wenn wir nicht an Rennen teilnehmen, dann werden es immer die „begnadeten“ Leistungssportler oder begabten Hobbysportler sein, die teilnehmen. Ich bin der Meinung, jedes Rennen braucht seine Turtlerunner-Fraktion. Denn so trauen sich vielleicht auch diejenigen mitzulaufen, die bisher immer dachten: „Da sind doch nur die Guten, das wär total peinlich für mich, da mitzulaufen.“

Scheiß auf peinlich!

Jeder Schritt zählt. Mitmachen. Mitlaufen. Spaß haben. Und wenn dir bei Kilometer 5 von 10 mitten im stockfinsteren Wald die Taschenlampe verreckt, dann läufst du weiter. Und du lachst dabei! Du läufst für dich selbst und für die anderen. Du läufst für alle, die sich (noch) nicht trauen mitzulaufen, weil sie für die Allgemeinheit zu langsam sind. Und wenn du dann nur noch 2 Kilometer vor dem Ziel bist und den Sprecher und die Leute schon hören kannst, die am Ziel auf die letzten warten, dann gibst du nochmal Gas. Du spürst zwar die Beine kaum mehr, aber ein bisschen was geht noch. Und wenn dann plötzlich einer der Speedies – die schon 40 Minuten vor dir im Ziel waren – zurückkommt, um dich auf dem letzten Kilometer zu begleiten und zu unterstützen, dann ist das schon eine ziemlich geile Sache! (Danke Thomas – es hat mir sehr viel bedeutet!)

Ich hatte gestern das tollste Rennen, das ich bisher gelaufen bin. Ich bin Vorletzte geworden und stolz darauf. Meine Freundin hat den letzten Platz belegt und darauf bin ich genauso stolz – denn wir haben gekämpft! Und ich wage zu behaupten, dass wir beide mehr kämpfen mussten als die meisten, die in besserer Form sind.

Sollten wir uns jetzt verstecken und nicht mehr mitmachen bei solchen Rennen? Nein, ich finde nicht. Jetzt erst recht! Und ich hoffe, durch unsere Lauf-Zeit traut sich vielleicht der ein oder andere nächstes Jahr auch mitzumachen, weil er sieht, dass da nicht nur Profis und Hobbysportler laufen. Sondern eben auch Turtlerunner.

Und ich verspreche an dieser Stelle eines: sollte ich jemals rauskommen aus der Turtlerunner-Klasse und vielleicht irgendwann mal zu den Speedies gehören, dann wird es mir eine Ehre sein, jährlich an 1-2 Rennen teilzunehmen und einen Turtlerunner in seinem Tempo ein ganzes Rennen lang zu begleiten.


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The same procedure as …

… every year! Es scheint zu einer Tradition zu werden. Zu einem ungeschriebenen Gesetz. Letztes Jahr um diese Zeit kristallisierte sich die Hüftsehnenentzündung heraus. Das Aus für den Viertelmarathon 2012 und 6 Monate Laufverbot.

Dieses Jahr war ich besser vorbereitet. Fast 30 Kilo leichter, gut im Training und knapp 3 Wochen vor dem Viertelmarathon sind es immerhin nur noch grob geschätzte 6 Wochen Laufverbot. Diagnose: eine gebrochene, kleine Zehe.

Vielleicht schaffe ich es, in 2014 mit 6 TAGEN Laufverbot auszukommen. Da wäre dann noch alles drin!

Für Sonntag habe ich immerhin eine Ersatzläuferin gefunden: meine große Schwester läuft für mich! So komme ich vielleicht doch noch zu meinem Finisher-T-Shirt, auch wenn es mir rechtmäßig nicht zusteht. Aber hey – zählt die Vorbereitungszeit gar nichts? Doch, ich habe es verdient!

Der Viertelmarathon in 2 Wochen, tja … wer weiß, was bis dahin ist. Vielleicht kommt ja noch was dazu. Oder ich lege eine Express-Heilung aufs Parkett, an die heute noch niemand glauben mag. Fakt ist: ich werde von meinem Körper und äußerst unfairen Umständen (was hat so ein Balkonpfeiler eigentlich mitten auf der Terrasse zu suchen???) in eine Pause gezwungen.

Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden, wie ich damit umgehe.

Variante 1: rumjammern, und in „es soll nicht sein, das ist ein Omen“-Gedanken verfallen
Variante 2: aktiv pausieren, meine Muskeln trainieren (das Training für den kleinen Zeh fällt vorübergehend aus) und mir einen neuen Lauf suchen, für den ich mich anmelden kann

Ich nehme Variante 2 und melde mich dann vorsichtshalber schon mal für den Viertelmarathon 2014 an. Oder nein! Vielleicht ist es ja doch ein Omen und es liegt am verflixten Viertelmarathon. Ich sollte auf Nummer sicher gehen: ich melde mich für den Marathon an! Oder? Ach herrje, diese Entscheidungen! Ich werde nochmal in mich gehen.

Und auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen stelle ich heute noch ein Foto meines wunderbaren kleinen Zeh’s ein (danke lieber Zeh, dass es dich gibt – das nächste Mal legst du dich bitte nicht mit einem viel stabileren Holzpfeiler an – dies nur am Rande!). Blau war schon immer meine Lieblingsfarbe:

Diesen Herbst trägt man BLAU!