veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


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Eat & Run – ein Buch und irgendwie viel mehr

Wenn ein Buch schon den Titel „Eat & Run“ trägt und somit meine beiden Lieblingsbeschäftigungen vereint, dann muss ich das natürlich lesen. Ich hatte das Vergnügen, Scott Jureks Autobiografie bereits auf Englisch zu lesen und vor kurzem kam im Südwest-Verlag dann die deutsche Übersetzung auf den Markt. Ich wusste ja bereits von der englischen Ausgabe her, was mich erwartet und war gespannt, wie das Buch auf Deutsch wirken würde.

Es fällt mir unheimlich schwer, die richtigen Worte dafür zu finden.

Wahrscheinlich dauerte es deswegen so lang, bis ich mich überhaupt hingesetzt habe, um darüber zu schreiben. Denn vermutlich können sich die wenigsten von uns mit einem Hochleistungssportler, wie Scott Jurek einer ist, identifizieren. Die wenigsten von uns stehen morgens vor der Arbeit auf, um 30 Kilometer zu laufen – und das mehrmals wöchentlich. Die wenigsten von uns nehmen an Rennen teil, die 100 Kilometer und mehr betragen – und zwar regelmäßig im Abstand von ein paar Wochen. Die wenigsten von uns nehmen Kredite auf, um Startgebühren und Reisen zu Rennen in der ganzen Welt finanzieren zu können. Die wenigsten von uns können es sich auch nur im entferntesten vorstellen, mit einem gebrochenen Knöchel, einem angerissenen Band oder auch nur einer Blase noch 90 Kilometer zu rennen, weil „man manche Dinge einfach tut“.

Und dennoch beginnst du zu lesen und bist irgendwie mittendrin.

Du liegst mit Scott in der Wüste auf dem Boden, während er mit seinem Schicksal hadert und glaubt, nie wieder aufstehen zu können. Du bist dabei, wenn sein Freund Dusty ihn mit derben Sprüchen dazu bringt, aufzustehen und weiterzulaufen. Du läufst mit, wenn Scott auf 336 Seiten durch sein Leben zu fliegen scheint. Zwischendrin legt er einen kurzen Stop ein, um dir seine Rezepte mit auf den Weg zu geben. Schnörkellos, ohne Bilder. So, wie der ganze Mann, der ganze Athlet zu sein scheint. Einfach, natürlich, unkompliziert.

Dieses Buch ist schlicht gesagt: faszinierend. Du tauchst in die Welt eines Menschen ein, der Dinge vollbringt, die für dich unvorstellbar sind. Und gleichzeitig löst er in dir den Wunsch aus: Das will ich auch!

Oder zumindest etwas davon, was in meiner Welt vergleichbar wäre. Denn vermutlich werde ich nicht 7x hintereinander bei einem Ultramarathon gewinnen – vermutlich werde ich kein einziges Mal gewinnen, vielleicht werde ich nicht mal mitlaufen. Aber darum geht es auch nicht und diese Entwicklung  macht auch Scott Jurek in dem Buch durch. Zu Beginn beweist er sich und der Welt was für ein Ausnahmeläufer er ist und am Ende bleibt … ach, lest es doch einfach selbst. Hier geht es zu einer Leseprobe des Südwest-Verlags.

Und zum Schluss lasse ich meinen Schulkollegen zu Wort kommen, der letzte Woche folgendes Gespräch mit mir führte:

„Judith, kann ich dich mal was fragen?“

„Klar. Was denn?“

„Ernährst du dich nur ohne Fleisch oder so richtig vegan?“

„Vegan. Ich ernähre mich rein pflanzlich. Wieso fragst du?“

„Naja, ich lese da so ein blödes Buch … “

„Was für ein blödes Buch?“

„Es heißt Eat & Run.“

An dem Punkt unterbrach ich ihn und beschimpfte ihn mehrere Atemzüge lang, wie er dieses Buch als „blöd“ bezeichnen kann, denn es ist das beste und tollste und schönste und überhaupt …

„Glaubst du denn, das stimmt wirklich mit der Ernährung? Der schreibt ja wieviel Energie im veganes Essen schenkt und wie leistungsfähig er ist. Stimmt das?“

„Gut, ich bin kein Leistungssportler und ich bin noch nicht mal schnell, aber Fakt ist: ich kann 21 Kilometer laufen, am nächsten Tag kurz ausruhen und am übernächsten Tag wieder weitertrainieren und habe dabei noch nicht mal wirklich Muskelkater.“

Beeindrucktes Schweigen. Dann erklärt er mir, dass er eben nicht mehr so oft laufen kann, weil er immer 2-3 Tage zur Erholung braucht. Und überlegt, ob er vielleicht doch mal probieren könnte, sich eine Weile vegan zu ernähren. Nur mal so zum Test.

„Weil, weißt du, seit ich dieses Buch gelesen habe … also irgendwie steckt es einen schon an. Man kann an gar nix anderes mehr denken.“

Ich weiß nicht, ob diese Form der Ernährung der Schlüssel zu sämtlicher Energie ist und jedem auf dieselbe Weise zu Erfolg verhilft, wie es bei Scott Jurek, Brendan Brazier und Matt Frazier und wie sie alle heißen, der Fall ist. Aber mir geht es gut damit. Ich bin satt, zufrieden und kann laufen. Ich kann nicht schnell laufen, aber ich kann lange laufen. Ich bin schnell wieder fit und kann weitermachen, wenn ich an meine Grenzen gegangen bin. Ich liebe Tiere und bin froh, dass ich sie nicht mehr essen muss (früher dachte ich, es geht nicht anders). Und nicht zuletzt schmeckt es einfach gut, ich fühle mich pudelwohl und warum in aller Welt, sollte ich daran etwas ändern wollen? Ich liebe mein pflanzliches Essen.

Und Scott Jureks Buch auch.
Scott sagt übrigens, dass jeder Mensch ein Ultraläufer sein kann. Jeder.

Also weiß ich ja jetzt, was ich zu tun habe: Essen & Laufen.

Völlig unkompliziert.

Eat Run von Scott Jurek


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Born to run. Oder?

Heute ist Ruhetag. Und das macht mich nervös. Ich weiß, dass Ruhetage wichtig sind. Aber ich fühle mich nicht so, als ich unbedingt Ruhe bräuchte – im körperlichen Sinne. Gestern habe ich eine sehr anstrengende Einheit im Fitness-Studio hinter mich gebracht. Habe die Beinmuskulatur trainiert, sowie Bauch und Rücken. Außerdem bin ich 4 Kilometer gelaufen bzw. gewalkt (schreibt man das so?).  Heute also Erholung angesagt. Trotzdem würd ich lieber laufen. Ist das jetzt normal? Oder eben nicht? Oder Anzeichen einer Störung? Oder einfach nur ein gutes Zeichen, das besagt, dass das Laufen jetzt schon fast wie das tägliche Zähneputzen ist?

Ach, wer weiß das schon. Vermutlich denke ich zuviel nach. Ich glaube, wenn ich laufen möchte, dann sollte ich es auch tun. Den Ruhetag oder einen Teil davon, habe ich genutzt, um „Born to Run“ fertig zu lesen. Einige von euch kennen es vielleicht schon. Ich kannte es nicht. In Kurzform geht es um einen Journalisten, der versucht, das Geheimnis des Laufens zu ergründen. Er selbst kämpft ständig mit Verletzungen und ihm wird vom Arzt mitgeteilt, dass er einfach nicht zum Laufen gemacht ist. Ist er übrigens doch, aber das dauert eine ganzes Buch lang, bis ihm das klar wird. Es ist eine wahre Geschichte und im Laufe der Seiten lernst du unzählig viele Namen und Menschen kennen, die ihr Leben mit Laufen verbringen. Dabei geht es selten um „nur“ Marathondistanzen. Nein, wir reden hier von 80 Kilometern, 100 Kilometern und mehr. Du erfährst von Menschen, die nach 100 Kilometern noch lächelnd ins Ziel laufen, als wenn sie gerade erst losgelaufen wären, Menschen, die 2 x am Tag 30 Kilometer laufen, einfach weil ihnen danach ist … alles in allem ein Buch, das ich auf den ersten Seiten nicht so richtig begreifen konnte.

Langsam entwickelte sich allerdings Faszination und Bewunderung für diese Menschen, die darin vorkommen. Ich weiß auch, dass dieses Buch etwas bei mir im Kopf bewirkt hat. Ich kann es nur noch nicht so ganz greifen. Ich glaube, das Buch wirkt nach. Fällt mir jetzt grad schwer, das begreiflich zu erklären. Aber es ist ähnlich wie mit einem Kinofilm, der euch noch tagelang danach im Kopf herumspukt. Um noch mehr davon zu bekommen habe ich mir gleich mal Scott Jureks (einer dieser faszinierenden Menschen aus Born to Run) Lebensgeschichte „Eat & Run“ gekauft. Im Moment nur auf englisch verfügbar, aber das kommt mir grad recht. Außerdem dachte ich, das Motto passt gut zu meinem Blog.

Von „Going Raw“ kommt dann demnächst mal eine ausführlichere Rezension. Im Moment steh ich noch etwas auf Kriegsfuß damit. Im Bild ist mein momentanes Lieblingsessen auch noch mit drauf: Kürbispommes.

Kürbispommes und mein neuer Lesestoff