veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


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Wenn die Uhr rückwärts läuft

Heute mach ich es kurz. Versprochen. Es sind nur noch knappe 8 Wochen bis zu diesem Halbmarathon, zu dem ich mich verrückterweise angemeldet habe. Nein, ich habe keine Sorge, dass ich ihn nicht schaffen könnte. Schaffen werde ich ihn, die Frage ist nur: wie?

Außerdem plagen mich hinsichtlich der 21 Kilometer noch ganz andere Sorgen und Ängste, über die ich ein anderes Mal referieren werde, aber nicht heute, denn heute fasse ich mich kurz.

Ich trainiere ja nach äußerst abwechslungsreichem Trainingsplan mit Sprungeinheiten, Intervallen, Bergläufen – alles, was das Läuferherz begehrt ist mit dabei. Außer Tempo. Da hapert’s immer noch und ich werde den Eindruck nicht los, dass sich da so schnell auch nichts ändern wird.

Was mich aber die letzten Tage und Wochen massiv irritiert ist folgendes: laut der letzten Leistungsdiagnostik im April hatte ich ja schöne neue Pulsbereiche vorgegeben bekommen wie z.B. GA1 bis 157 Schläge und von 158 – 171 ist dann Bereich GA2 – alles darüber ist GA3, logischerweise. Soweit, so gut.

Normalerweise komme ich recht gut in den GA2-Bereich, wenn ich etwas schneller laufe, ich kann dann nicht mehr ganz so viel quatschen wie sonst, aber so ein kurzer Satz am Stück ist noch drin und ich fühle mich auch wohl bei dem Tempo. Seit kurzem ist das anders. Ganz anders. Mit Mühe und Not komme ich überhaupt in die Nähe der 160 Schläge. Gefühlter Puls ist dabei rund 180 und ich kann weder ordentlich atmen, geschweige denn sprechen. Und noch schlimmer: nie im Leben halte ich das auch nur für 2 Kilometer aus!

Was ist denn passiert? Ich kenn mich nicht mehr aus, ehrlich nicht. Damit ich über 170 Schläge komme, müsste ich während des Laufens Saltos schlagen, Pirouetten drehen und Bocksprünge machen! Der Puls bleibt niedrig, was ja an und für sich schön ist, aber ich kann gar nicht mehr so schnell laufen, dass er sich in die gewünschten Pulsbereiche bewegt – und das Gefühl dabei ist aber das von „kurz vor Maximalpuls“.

Kennt das jemand von euch?

Und jetzt kommt noch das Allerdramatischste überhaupt: am 12. August 2014 habe ich eine weitere Leistungsdiagnostik, die möglicherweise Licht ins Dunkel bringt. Das alleine wäre ja noch ein Hoffnungsschimmer. Nur leider ist da ein Team vom Fernsehen mit dabei, das ein Video von mir dreht, dass in unseren regionalen Nachrichten ausgestrahlt wird. Jetzt muss ich zu allem also auch noch schauspielern lernen und zwar flott! Damit die nicht merken, dass meine Leistungsfähigkeit momentan zu wünschen übrig lässt, schließlich werde ich ja als strahlendes Beispiel präsentiert.

Aber wisst ihr was?

Eigentlich bin ich das ja auch. Wurscht, was die Pulsuhr behauptet. Ich halte es jetzt mal so wie mein Bruder Tobi, der herausgefunden hat, dass man sich mal selber loben soll (lest seinen Artikel dazu, der Hammer!) und behaupte: ich bin eh super, keiner hat was von perfekt gesagt. Also was soll’s?

Und kurz ist der Text heute natürlich auch wieder nicht geworden – hätte mich auch gewundert. Schnell geht bei mir halt gar nix 😉

… und nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass es euch entgangen sein sollte: hier geht es zum dem sensationellsten Apfelküchle-Rezept, das die Welt je gesehen hat. Natürlich von mir =D

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Der Reschenseelauf und die „verdammten Komma 3“

Die Ankunft am Reschensee (inkl. beginnender Panik)

Gute zwei Stunden Fahrtzeit bei 30°C Außentemperatur. Vier Mädels, ein Kofferraum voller Gepäck (das meiste davon meins, da ich Verpflegung für ungefähr 2 Wochen eingepackt hatte, man weiß ja nie) und die Vorfreude auf den Reschenseelauf. Tja, und da kam er dann. Der wunderschöne Reschensee. Mit ihm die sagenhafte Kirche, die im See steht. Besser gesagt: unter Wasser steht. Ein faszinierendes Bild. Einige Zeit war es still im Vier-Mäderl-Auto. Andächtig betrachteten wir die beeindruckende Landschaft. Jede hing ihren Gedanken nach. Bis endlich eine aussprach, was wir uns alle dachten: „Also, wenn das der See ist, um den wir rundum laufen – dann krieg ich jetzt Panik!“

Und ja, genau das war der See. Doch der sah irgendwie sehr viel größer als wir es uns vorgestellt hatten. Waren das wirklich nur 15,3 Kilometer? Vom ersten Gefühl her hätte ich auf rund 50 Kilometer getippt. Leichte Beunruhigung breitete sich aus. Aber naja, was soll ich sagen. Jetzt, wo wir schon mal da waren …

Am Reschensee.

Beim Startnummern abholen trafen wir dann die anderen unserer „Crew“. Und dann wurde es Zeit für das wichtigste vor einem Lauf bei knapp 30°C auf 1500 Höhenmeter: Essen! Ohne Treibstoff läuft nichts und so vereinbarten wir, uns am Start wiederzutreffen, während mein Vierer-Kleeblatt sich wieder auf den Weg zum Futter-Mobil machten. Im Schatten futterte jeder seine favorisierte Energiequelle und die Bandbreite reichte von Müsliriegel über Risotto, Fladenbrot und Kuchen bis hin zum Apfel. Man könnte sagen, wir waren wirklich gut vorbereitet, was den Proviant anging. Ich kaute so an meinem Fladenbrot, als ich Sarah sagen höre: „Also die 15 Kilometer, darauf bin ich eingestellt, das krieg ich hin. Aber diese verdammten Komma 3, ich glaube, das sind die, die uns zum Schluss dann noch fertig machen!“ Ich verschluckte mich beinahe an meinem Brötchen. Die 15 km sind ok? Aber die 0,3 am Schluss sind dann zuviel des Guten? Ich musste lachen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sie die Lage ziemlich gut einschätzte.

Der Start

Es hatte ein wenig was vom Viehtrieb, wie wir uns da so eingepfercht in unsere Startblöcke vorwärts bewegten. Besser gesagt: vorwärts getrieben wurden. Zwischen unserem Startblock und den Nordic Walkern war nur ein hauchdünnes Absperrband in rot-weiß. Wir bekamen 1 Minute Vorsprung. Dann ging es los. Die Sonne heizte uns ordentlich ein und die ersten paar Meter über die Wiese waren ein wenig holprig. Es ging über die Brücke, immer entlang am Reschensee. Ein frische Wind, wehte mir um die Ohren, die ich vorsorglich mit einem Tuch bedeckt hatte. Mit Sarah an der Seite hatte ich eine a) passende Laufpartnerin, der ich nicht zu langsam war – wir pendelten uns bei gut 8 km/h ein und b) passende Gesprächspartnerin, dank der ich eine Weile nicht mal merkte, dass wir mal wieder von den Abschlussradfahrern begleitet wurden.

Der Lauf

Immer wieder kamen uns Läufer entgegen, die abgebrochen oder aufgegeben hatten – zumindest machte es so den Anschein. Ich denke, einige hatten die Sonne doch etwas unterschätzt und sind vielleicht zu schnell losgelaufen. Von hinten hörte ich plötzlich ein Klack-Klack-Klack und ich wusste: es war soweit! Der erste Nordic Walker ging zum Angriff über. Roberto (sein Name stand auf dem Shirt) stöckelte in einem Affenzahn an uns vorbei. Sarah und ich waren uns einig. Der gute Mann darf das, der sieht von hinten so gut aus, dass wir kein Problem damit haben, ihn direkt vor unserer Nase zu haben. Der schöne Anblick hielt leider nicht lange an – er war zu schnell für uns. Aber man kann ja nicht alles haben.

Der Buckel

Ich wurde bereits noch in heimatlichen Gefilden vor dem bösen Buckel zwischen Kilometer 9 und 10 gewarnt. Der wäre soooo steil und der hätte es in sich. Bei jedem minimalen Anstieg meinte Sarah: „Das war er jetzt, oder?“ und ich antwortete jedes Mal: „Ich fürchte, nein.“ So liefen wir weiter, mein Puls stetig bei knapp 160 Schlägen, was für einen Wettlauf schon fast eine kleine Sensation ist, denn unter 175 geht da normal nix bei mir. Ich hatte ein richtig gutes Laufgefühl. Ich mochte die Strecke, die Strecke mochte mich. Wir liefen über die Staumauer, auf Schotterwegen, an seltsamen Riesenbottichen vorbei, die im Stausee standen (wir stellten uns vor, wir könnten daraus prickelnde Holder-Bowle schlürfen aus einem Riesenstrohhalm). Und dann, aus dem Nichts heraus, hörten wir Samba-Klänge. Ein wildes Getrommel, rhythmisch, stampfend, mitreißend. Da war er plötzlich. Der Buckel, vor dem mich alle gewarnt hatten – und mittendrin vier Burschen mit Trommeln, die den Läufern praktisch den Takt vorgaben. Alle, die vor uns waren, gingen den Anstieg hinauf. Ich wollte eigentlich auch gehen. Aber erstens habe ich Bergläufe trainiert und zweitens hatte auch Sarah extra für diesen Lauf Hügellauf trainiert und drittens … ach was weiß ich, was mich da geritten hat. „Ich überhole aufwärts aber niemanden, das ist mir zu stressig“, gab ich Sarah noch schnell bekannt, bevor die Luft fürs Reden zu knapp wurde. Schweigend liefen wir im Samba-Rhythmus die etwa 500 Meter lange Passage noch oben.

Ein Fuß vor dem anderen. Einatmen, ausatmen. Und ich gestehe: ich hatte noch nie in meinem kurzen Läuferleben sowas wie ein Runner’s High. Noch nie. Aber dieser Buckel, kam dem schon ziemlich nahe. Denn ich merkte, nachdem der Puls bei gut 170 Schlägen lag, dass ich lief, wie ein gut funktionierendes Uhrwerk. Es war anstrengend, aber es überforderte mich nicht. Das machte mich sowas von glücklich, das ich gar nicht merkte, wie ich ein Pärchen überholte, das vor mir immer langsamer wurde. „Ich dachte, du überholst bergauf nicht“, sagte Sarah später. Stimmt, hatte ich ganz vergessen. Berglauftraining, ich liebe dich! Das hat ja sowas von funktioniert!

Die verdammten Komma 3 und weiche Knie

Einige Kilometer verflogen, ohne dass ich sie wirklich registriert habe. Ich bin einfach gelaufen, dank Sarah abgelenkt von eventuellen Wehwehchen, wie die linke, mittlere Zehe, die zwischendrin mal wieder Aufmerksamkeit einforderte. Wir liefen durch einen extra aufgestellten Rasensprenger mitten auf der Straße hindurch, klatschten uns mit dem Streckenposten ab, der uns anfeuerte, holten uns Wasser und Melone beim Verpflegungsstand und liefen und liefen. Wir liefen vorbei am Schild mit KM 14 und dann kam das Ziel in Sichtweite. „Mist, ich hab das Ziel gesehen“, sagte Sarah. In dem Moment sah ich es auch und es passierte, was immer passiert: ich bekam weiche Knie. Und das seltsame Verlangen, einfach mittendrin stehenzubleiben und aufzuhören, schlug wieder zu. Wir stellten fest, dass es uns beiden genau gleich ging. Ziel in Sicht? Alles klar, dann können wir ja jetzt aufhören. Zumindest scheint das im Gehirn so abzulaufen. Natürlich rannten wir weiter. Das Schild mit KM 15 kam in Sichtweite. Und ab da war es dann tatsächlich so, als würden wir die letzten 300 Meter durch Pudding waten. Natürlich sahen wir dabei äußerst entspannt und vollkommen athletisch aus, denn dieses seltsame Empfinden existiert ja nur in meinem Kopf – und scheinbar auch in Sarah’s. Mein Puls sprang auf hübsche 180 Schläge, was auch schon wieder eine Sensation für sich ist, denn normalerweise verbringe ich Zieleinläufe in einem Zustand ganz knapp vor dem Koma, bei rund 190 Schlägen.

Und um es kurz zu machen (der Artikel ist eh schon viel zu lang, aber he, es waren immerhin 15 Kilometer und die verdammten Komma 3 noch dazu – freut euch auf meinen Halbmarathonbericht): es war ein wunderschöner Lauf, auf den ich mich körperlich so gut eingestellt hatte, dass ich heute – einen Tag später – weder Muskelkater habe noch sonstige Beschwerden. Ich weiß, ich kann morgen mein HM-Training fortsetzen, ohne zu pausieren. Ich fühle mich pudelwohl. Und das habe ich, neben vielen anderen Erkenntnissen, aus diesem Lauf gestern mitgenommen:

Ich möchte zukünftig jeden Wettkampf so laufen, dass ich hinterher sagen kann: Schön war’s. Anstrengend war’s. Ich habe es genossen. Ich habe mich gefordert, aber nicht überfordert. Mein Körper kommt mit der Anstrengung klar und braucht keine Woche zum Regenerieren. Und wenn ich dafür halt 1h 52 min. auf 15,3 Kilometer brauche, dann ist das perfekt.

Einfach perfekt.

Danke an Ina (perfekte Chauffeurin) , Sarah (perfekte Laufbegleitung), Katharina (perfekter Roadie)! Und danke an Elke mit Roland und Sandra mit Markus, die extra diese weite Anfahrt auf sich genommen haben und unser Team vor Ort komplettiert haben. Perfekt!

Die perfekte Truppe!

 


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Wieder alles im Lot!

Die letzte Nacht vor dem Reschensee-Lauf. Morgen ist es soweit. 15 Kilometer rund um den schönen See. Vorfreude ist die schönste Freude und so hätte ich die letzten Wochen zwischen Training und Vorfreudentaumel verbringen können. Habe ich aber nicht.

Training ja, Freudentaumel weniger. Erst war da die Sache mit den Zehen, die meinen Orthopäden in Angst und Schrecken versetzte. In der Zwischenzeit hat es sich übrigens beinahe in Wohlgefallen aufgelöst: ich war bei der Fußpflege sowie beim Hautarzt. Beide meinen, dass sich das Wachstum meiner Zehennägel verändert hat durch das viele Laufen = kein Pilz, nur seltsame Deformation. Die jetzt auch Geschichte ist, da die Fußpflegerin alles wieder in Form gebracht hat. Nagel gut, alles gut. Oder?

Ich bin für Oder. Die letzten zwei Wochen war ich extrem reizbar, hatte selten Spaß am Training, schlief schlecht und war allgemein ein kleines bis mittelgroßes Pulverfass. Mein rechtes Knie schmerzte aus unerklärlichen Gründen (vorwiegend nachts) und meine linke Körperhälfte war seit den ersten kläglichen Seilspring-Versuchen in eine Art Schockstarre gefallen. Ich konnte den Kopf nicht mehr richtig drehen ohne Schmerzen zu haben und der untere Rücken zwackte beim geringsten Versuch mich zu bücken. Alles halb so wild, sowas vergeht. Hin und wieder hat man halt sowas. Da braucht’s nur ein wenig Pause, ein wenig Dehnen, ein bisschen cremen, … bla bla bla … ich ging stattdessen zum Intervall-Training. Neue Strecke. Mitten im Wald. Noch nie gelaufen. Wunderschön. Wirklich wunderschön.

Mitten im 4. Intervall, mitten in diesem wunderschönen Wald, blieb ich abrupt stehen und brüllte: „Stop!“ Ich wollte nicht mehr. Nicht heute. Nicht dieses Training. Nicht in diesem wirklich wunderschönen Wald. Aus. Vorbei. Trotzig ignorierte ich meinen Garmin, der ständig piepste, ich solle schneller laufen. Ich fühlte mich stocksteif wie ein Brett. Ich fühlte mich unwohl in meiner eigenen Haut. Da nutzt der beste Trainingsplan nichts, so macht es keinen Spaß. Und ohne Spaß … ohne mich. Grantig marschierte ich nach Hause. Beschloss, nie wieder einen Fuß vor die Tür zu setzen. Nie wieder an einem Rennen teilzunehmen. Nie wieder Blog zu schreiben. Kurz gesagt: ich war mal wieder Drama-Queen. Muss auch ab und zu sein.

Am nächsten Tag, nach einigen guten Gesprächen mit einer Freundin, die solche Phasen zur Genüge kannte, vereinbarte ich einen Termin bei meinem ehemaligen Physiotherapeuten Norbert. Heute morgen war ich bei ihm. 60 Minuten lang funktionale Osteopathie. Meine Arme und Beine wurden „geschubst“, wie er das so gerne nennt, alles wurde mobilisiert, gelockert und in die richtige Stellung gebracht. Zuhause, nach ungefähr einer Stunde, bemerkte ich, dass ich mich irgendwie locker fühlte. Man könnte fast schon sagen: ich fühlte mich gut.

Ich fühlte mich. Wieder.

Es ist ein schwer zu erklärendes Gefühl, aber ich hatte irgendwie das Gespür für mich und meinen Körper verloren in den letzten Tagen. Jetzt ist es wieder da. Und es ist schön, dass es wieder da ist.

Hat mich dazu bewogen, heute gleich mal eine Riesentasche für den Reschenseelauf zu packen, Unmengen an veganem Treibstoff vorzubereiten, Klamotten herzurichten und mich tatsächlich auf die morgigen 15 Kilometer zu freuen. Unglaublich was für Auswirkungen so eine verdrehte Statik auf den Alltag, die Laune, ach was, auf ALLES hat. Habe beschlossen, mich regelmäßig wieder „hinbiegen“ zu lassen. Außerdem beschlossen: Pause machen, wenn Körper Pause verlangt. Egal, was im Plan steht.

Letzter Beschluss des Tages:

Morgen 15 Kilometer Spaß haben mit fünf tollen Mädels, die mit mir dort hinfahren.

 

 

 


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10 Dinge, die ihr nie über mich wissen wolltet

… und 1 Sache, die ihr unbedingt ausprobieren solltet!

Derzeit treibt mal wieder eine Art Kettenbrief-Gespenst sein Unwesen unter den Bloggern. Es nennt sich „Mein Liebster“-Award. Im Endeffekt passiert folgendes: ein Blogger stellt einem anderen Blogger Fragen, die der wiederum beantworten muss. Dann sagt derjenige in seinem Antwort-Artikel „Dankeschön“, an den Fragesteller und „nominiert“ (alleine dieses Wort!) wieder jemanden, der das Ganze fortführt.

Jetzt wurde ich gleich zweimal nominiert. Ich gestehe, das ist eigentlich nicht mein Ding. Überhaupt nicht. Aber die beiden Ladies, die mir Fragen gestellt haben, sind wirklich lieb. Puma-Frau Sue und Seelenengel-Frau Silvia (die sogar Engel mit Dreadlocks macht) haben sich wirklich nette Fragen einfallen lassen. Was mache ich nun?

Mitläufer oder Spielverderber?

Ach, ich mach einfach beides. Seid mir nicht böse ihr beiden lieben Blogger-Kolleginnen, aber ich werde dieses Spiel zu meinen Spielregeln weiterspielen. Das heißt: ich beantworte die Fragen, die ich gerne beantworten möchte. Ich werde weder 11 Leute „nominieren“, noch 11 Fragen stellen. Ich „nominiere“ überhaupt niemanden, aber ich werde zwei sehr interessante Frauen fragen, ob sie Lust darauf haben, ein paar ungewöhnliche Fragen, zu beantworten. Ich mach halt mal wieder das, worauf ich Lust habe – nicht mehr und nicht weniger.

  1. Wenn du ein Tier sein könntest, welches wärst du gerne und warum?
    Als Kind wollte ich immer ein Wildpferd sein, weil es für mich der Inbegriff von Freiheit war. Mit wehender Mähne über die Steppe galoppieren – nur der Wind und ich und möglicherweise meine Herde, die mich begleitet. Ja, immer noch eine schöne Vorstellung. Ein frei lebendes, ungezähmtes Wildpferd.
  2. Welche Jahreszeit gefällt dir am besten und warum?
    Ich kann an jeder Jahreszeit etwas Wunderbares finden. Der Frühling ist klasse, weil dann das Laufen noch mehr Spaß macht, die Tage werden wieder länger und heller. Der Sommer, weil ich die Wärme mag und er gleichzeitig dank Urlaub & Ferien zum Luftholen einlädt. Der Herbst, weil er für mich immer ein Form von Neuanfang bedeutet, vielleicht wegen des Schulanfangs. Außerdem mag ich das Rascheln der Blätter unter den Schuhen und die tiefstehende Sonne. Der Winter ist für mich vielleicht die Jahreszeit, die mir am wenigsten liegt, da ich gerne Wärme & Licht mag. Aber wenn das Feuer im Kamin so schön knistert und alles warm und hell macht und ich mich davor setzen kann, um mich nach einem Schneelauf aufzuwärmen, dann mag ich auch den Winter.
  3. Wie bist Du zum Bloggen gekommen?
    Bloggen? Bis vor ein paar Monaten hätte ich behauptet, dass ich nicht blogge. Ich schreibe Tagebuch. Das habe ich angefangen, kurz nachdem ich begonnen habe, zu laufen. Und nach wie vor ist es für mich mehr Tagebuch als Blog – nur dass jetzt halt mehr Menschen mitlesen als früher.
  4. Dein liebster Artikel, den Du bis jetzt für Deinen Blog geschrieben hast?
    Da muss ich nicht lange überlegen: das ist „An alle Turtlerunner da draußen“.
  5. Was tust Du bei einer Schreibblockade oder auch einer allgemeinen Blockade?
    Ich schreibe nicht. Manchmal vergehen 2-3 Wochen bis ich was schreibe – dann wieder schreibe ich 3 Beiträge innerhalb einer Woche. Ich bin ein Bauchgefühl-Blogger, wenn du so willst – oder eben eine Tagebuchschreiberin, die dann schreibt, wenn etwas geschieht, was sie bewegt.
  6. Woran arbeitest Du aktuell?
    Ganz aktuell habe ich eine sehr spannende Idee, die ich jetzt noch nicht verraten möchte, da sie mir erst heute eingefallen ist. Sie ist noch zu frisch, aber wenn sie was werden sollte, dann werden sich viele Menschen und vor allem viele Turtlerunner darüber freuen.
  7. Hast Du eine Marotte?
    Ich zwirble ständig meine Dreads zwischen den Fingern.
  8. Was willst Du bis zum Jahresende noch unbedingt tun?
    Meinen Halbmarathon laufen, anfangen zu studieren und daraus resultierend: mein Lauftraining mit dem Studienalltag unter einen Hut bringen!
  9. Meer oder Berge – was bevorzugst du?
    Ich nehme beides 🙂 Ich liebe Wasser und Meer, aber ich mag auch die Luft und die Klarheit in den Bergen.
  10. Wie beendest du deinen Tag?
    Ich lese. Derzeit Stephen King’s „Es“. In der englischen Originalfassung.

 

Und jetzt da ihr so viele Dinge über mich wisst, die euch sowieso nicht interessiert haben, gibt es noch etwas, was ihr gleich in euer nächstes Training einbauen könnt: Funktionales Warm-Up für Läufer (und übrigens nicht nur für Läufer!) Und das lege ich wirklich ans Herz. Probiert’s mal aus!

Die beiden Superfrauen, denen ich gerne ein paar Fragen stellen möchte, sind Babs Helferich (dasbabs-running.blogspot.de) und Evelyn Flatz (Brustkrebs-Tanz). Beides wunderbare Frauen, engagierte Sportlerinnen und grandiose Kämpferinnen. Denn beide haben ein ordentliches Päckchen an Krankheiten und Behinderungen zu tragen – und schnappen trotzdem – oder deswegen – mehrmals wöchentlich die Laufschuhe und bekämpfen Autoimmunerkrankungen, Brustkrebs und andere Dämonen.

Wenn ihr also mögt, ihr beiden, dann beantwortet doch in einem Blogbeitrag folgende Fragen. Und ihr müsst gar nix. Weder jemanden nominieren, noch mich verlinken – tut doch einfach, was euch Spaß macht!

  • Welches positive Erlebnis verdankst du deiner Krankheit?
  • Worin bist du unschlagbar?
  • Was gibt dir das Laufen?
  • Wofür musst(est) du richtig Mut aufbringen?
  • Du saust als Siegerin in einem Wettkampf über die Ziellinie und bekommst direkt ein Mikrofon unter die Nase gehalten. Dein erster Satz?

 


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Die nackte Angst

Vorab möchte ich sagen: das hier wird kein schöner Artikel! Nix mit Friede, Freude und Eier(satz)kuchen. Nein, heute geht es um die hässlichen Dinge des Läuferlebens. Es mag auch gut sein, dass ich mit dieser Thematik ganz alleine auf dieser Welt bin – aber ich vermute, eher nicht. Da dies aber auch ein Teil vom großen Ganzen ist, schreibe ich heute darüber, auch wenn ich lieber über die schönen Lauferlebnisse schreibe.

Angefangen hat das Drama bereits letzten Oktober. Direkt nach dem Viertelmarathon stieg ich aus meinen Laufschuhen mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck. 12 Kilometer laufen mit angeknackster kleiner Zehe – kein Problem. Aber fragt nicht nach den Zehennägeln! Der erste Anblick danach: einer war komplett blau, der andere tendierte zu einem leichten hellrosablassblau. „Das vergeht wieder“, dachte ich mir und humpelte von dannen. Ein paar Tage später war die Farbgebung noch etwas intensiver, der Schmerz war mehr oder weniger abgeklungen.

Drei Monate später

Nagel immer noch dunkelblau – Schmerzen hin und wieder, je nach Intensität des Laufens. Meine Erkundungen ergaben folgendes: es gibt Läufer, die damit ständig Probleme haben und auch hin und wieder einen der geliebten Nägel verlieren. Einfach so. Außerdem dürfe man sich als Läufer sowieso keine hübschen Nägel erwarten. Ok, hab ich halt keine hübschen Nägel, wen interessiert’s.

In der Zwischenzeit waren meine beiden Zeigefußnägel (also jeweils derjenige neben dem großen Zeh) etwas seltsam, was die Nägel anging. Viel fester und irgendwie sahen beide so aus, als wäre drunter noch ein zweiter Nagel. Schneiden ging nicht mehr (da zu dick) also schleifte ich sie mit der Nagelfeile. So nach 5 Monaten war dann auch endlich das Blau vom Oktober herausgewachsen. So weit, so gut.

Seit ca. 3 Wochen plagten mich dann nicht ganz definierbare Knieschmerzen, die vor allem nachts auftraten. Beim Laufen selber hatte ich kein Problem, eher in Ruhestellung. Termin beim Orthopäden – schließlich will ich ja nichts verschleppen vor meinem Halbmarathon. Innerhalb einer Woche einen Termin bekommen. Heute hingefahren. Wurde von dem guten Doktor gleich mal in den Schwitzkasten genonmmen und das meine ich wortwörtlich. Da wurde gebiegt, gedrückt und gezogen und es machte knacks, knacks, knacks … alles wieder da, wo es hingehört. Rücken in Ordnung, Knie in Ordnung, Hüfte in Ordnung – eigentlich alles in Ordnung. Ursache der Knieschmerzen: unauffindbar. Eventuell eine Fehlbelastung. Wir könnten mal Einlagen versuchen.

Ziehen Sie bitte mal die Socken aus!

Wer? Ich? Socken ausziehen? Es hätte nicht schlimmer sein können, hätte er mich aufgefordert, nackt Samba zu tanzen im Behandlungszimmer. Seit geraumer Zeit mag ich die Füße nämlich nicht mehr herzeigen. Die sind einfach häßlich. Aber so ist das halt als Läuferin. Widerwillig zog ich meine Socken aus, drei der Zehen in schickem neuen Blauton (danke 13 km – Wälderlauf vor 2 Wochen) und plötzlich herrschte betretenes Schweigen. „Was hast du denn damit angestellt?“

Wer? Ich? Na, gar nix! Ich bin gelaufen. Wälderlauf und so … was kann ich denn dafür? „Du musst die Nägel kürzer machen, das tut doch weh!“ Ja, wie denn? Geht ja nicht, wenn die Dinger so bockhart sind. Meine Feile ist am Ende ihrer Kräfte angelangt. Er geht nochmal um meine Füße rum, begutachtet sie wie zwei seltene Tiere im Zoo – und ruft dann der Assistentin zu: „Sofort Überweisung zum Hautarzt!“

Dann quatscht er was von wegen Nagelpilz und Nägel runterschleifen und behandeln und Pediküre und, und, und … mein Hirn schaltet ab. Alles, was ich höre ist, dass er jemanden an meine Nägel ranlassen will. Und das ist so ziemlich das Schrecklichste was ich mir vorstellen kann. Wurzelbehandlung beim Zahnarzt? Kein Problem! Falls also jemand tauschen möchte …

Es gibt zwei Dinge (bis jetzt) an die ich nur im absoluten Leben-oder-Tod-Fall jemanden ranlasse: das sind meine Nebenhöhlen (gebranntes Kind nach einer OP vor 12 Jahren) und meine Zehennägel. Woher diese Phobie kommt weiß niemand so genau und wenn ich ehrlich bin, ist es mir auch völlig egal. Fakt ist: ich habe eine Scheiß-Panik davor, dass jemand – noch dazu ein Arzt – meine Nägel anfasst und damit Dinge tut, die ich mir jetzt noch nicht mal vorzustellen vermag. ANGST!

Mir fallen dann Geschichten ein wie der Typ, der sich seine Zehennägel für den Badwater Ultramarathon operativ entfernen ließ, damit er keine Probleme damit hatte und wenn ich das nur höre, rollt’s mir schon wieder die Zehennägel auf. Aaaaahhhh, was für eine widerliche Vorstellung. Leute, ich mach mir echt ins Hemd. Ich weiß, das ist peinlich, aber ich kann nicht anders.

Und ich schreib das hier nur aus 3 Gründen

a) vielleicht geht es jemandem ähnlich und ich mache ihn darauf aufmerksam, dass er das evtl. auch mal beim Arzt checken lässt und nicht wie ich ein dreiviertel Jahr damit durch die Gegend rennt

b) vielleicht geht es jemandem ähnlich und derjenige hat die absolut beruhigendsten Worte für mich, weil  das alles total easy und überhaupt nicht eklig ist sondern im Gegenteil die absolute Wohltat und ich mich hinterher frage: wieso erst jetzt?

c) vielleicht geht es überhaupt niemandem hier auch nur in entferntester Weise so und ich ernte für meine offen dargelegte Panikattacke wenigsten eine kleine Runde Mitleid

 

Übermorgen, Mittwoch um 9 Uhr habe ich Termin beim Hautarzt. Bis dahin muss ich mir noch was einfallen lassen, damit ich nicht bereits vorher kollabiere. Reicht ja dann, wenn ich auf dem Stuhl sitze und es wieder heißt:

Ziehen Sie bitte mal die Socken aus!