veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


2 Kommentare

Wenn die Uhr rückwärts läuft

Heute mach ich es kurz. Versprochen. Es sind nur noch knappe 8 Wochen bis zu diesem Halbmarathon, zu dem ich mich verrückterweise angemeldet habe. Nein, ich habe keine Sorge, dass ich ihn nicht schaffen könnte. Schaffen werde ich ihn, die Frage ist nur: wie?

Außerdem plagen mich hinsichtlich der 21 Kilometer noch ganz andere Sorgen und Ängste, über die ich ein anderes Mal referieren werde, aber nicht heute, denn heute fasse ich mich kurz.

Ich trainiere ja nach äußerst abwechslungsreichem Trainingsplan mit Sprungeinheiten, Intervallen, Bergläufen – alles, was das Läuferherz begehrt ist mit dabei. Außer Tempo. Da hapert’s immer noch und ich werde den Eindruck nicht los, dass sich da so schnell auch nichts ändern wird.

Was mich aber die letzten Tage und Wochen massiv irritiert ist folgendes: laut der letzten Leistungsdiagnostik im April hatte ich ja schöne neue Pulsbereiche vorgegeben bekommen wie z.B. GA1 bis 157 Schläge und von 158 – 171 ist dann Bereich GA2 – alles darüber ist GA3, logischerweise. Soweit, so gut.

Normalerweise komme ich recht gut in den GA2-Bereich, wenn ich etwas schneller laufe, ich kann dann nicht mehr ganz so viel quatschen wie sonst, aber so ein kurzer Satz am Stück ist noch drin und ich fühle mich auch wohl bei dem Tempo. Seit kurzem ist das anders. Ganz anders. Mit Mühe und Not komme ich überhaupt in die Nähe der 160 Schläge. Gefühlter Puls ist dabei rund 180 und ich kann weder ordentlich atmen, geschweige denn sprechen. Und noch schlimmer: nie im Leben halte ich das auch nur für 2 Kilometer aus!

Was ist denn passiert? Ich kenn mich nicht mehr aus, ehrlich nicht. Damit ich über 170 Schläge komme, müsste ich während des Laufens Saltos schlagen, Pirouetten drehen und Bocksprünge machen! Der Puls bleibt niedrig, was ja an und für sich schön ist, aber ich kann gar nicht mehr so schnell laufen, dass er sich in die gewünschten Pulsbereiche bewegt – und das Gefühl dabei ist aber das von „kurz vor Maximalpuls“.

Kennt das jemand von euch?

Und jetzt kommt noch das Allerdramatischste überhaupt: am 12. August 2014 habe ich eine weitere Leistungsdiagnostik, die möglicherweise Licht ins Dunkel bringt. Das alleine wäre ja noch ein Hoffnungsschimmer. Nur leider ist da ein Team vom Fernsehen mit dabei, das ein Video von mir dreht, dass in unseren regionalen Nachrichten ausgestrahlt wird. Jetzt muss ich zu allem also auch noch schauspielern lernen und zwar flott! Damit die nicht merken, dass meine Leistungsfähigkeit momentan zu wünschen übrig lässt, schließlich werde ich ja als strahlendes Beispiel präsentiert.

Aber wisst ihr was?

Eigentlich bin ich das ja auch. Wurscht, was die Pulsuhr behauptet. Ich halte es jetzt mal so wie mein Bruder Tobi, der herausgefunden hat, dass man sich mal selber loben soll (lest seinen Artikel dazu, der Hammer!) und behaupte: ich bin eh super, keiner hat was von perfekt gesagt. Also was soll’s?

Und kurz ist der Text heute natürlich auch wieder nicht geworden – hätte mich auch gewundert. Schnell geht bei mir halt gar nix 😉

… und nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass es euch entgangen sein sollte: hier geht es zum dem sensationellsten Apfelküchle-Rezept, das die Welt je gesehen hat. Natürlich von mir =D

Advertisements


5 Kommentare

Der Reschenseelauf und die „verdammten Komma 3“

Die Ankunft am Reschensee (inkl. beginnender Panik)

Gute zwei Stunden Fahrtzeit bei 30°C Außentemperatur. Vier Mädels, ein Kofferraum voller Gepäck (das meiste davon meins, da ich Verpflegung für ungefähr 2 Wochen eingepackt hatte, man weiß ja nie) und die Vorfreude auf den Reschenseelauf. Tja, und da kam er dann. Der wunderschöne Reschensee. Mit ihm die sagenhafte Kirche, die im See steht. Besser gesagt: unter Wasser steht. Ein faszinierendes Bild. Einige Zeit war es still im Vier-Mäderl-Auto. Andächtig betrachteten wir die beeindruckende Landschaft. Jede hing ihren Gedanken nach. Bis endlich eine aussprach, was wir uns alle dachten: „Also, wenn das der See ist, um den wir rundum laufen – dann krieg ich jetzt Panik!“

Und ja, genau das war der See. Doch der sah irgendwie sehr viel größer als wir es uns vorgestellt hatten. Waren das wirklich nur 15,3 Kilometer? Vom ersten Gefühl her hätte ich auf rund 50 Kilometer getippt. Leichte Beunruhigung breitete sich aus. Aber naja, was soll ich sagen. Jetzt, wo wir schon mal da waren …

Am Reschensee.

Beim Startnummern abholen trafen wir dann die anderen unserer „Crew“. Und dann wurde es Zeit für das wichtigste vor einem Lauf bei knapp 30°C auf 1500 Höhenmeter: Essen! Ohne Treibstoff läuft nichts und so vereinbarten wir, uns am Start wiederzutreffen, während mein Vierer-Kleeblatt sich wieder auf den Weg zum Futter-Mobil machten. Im Schatten futterte jeder seine favorisierte Energiequelle und die Bandbreite reichte von Müsliriegel über Risotto, Fladenbrot und Kuchen bis hin zum Apfel. Man könnte sagen, wir waren wirklich gut vorbereitet, was den Proviant anging. Ich kaute so an meinem Fladenbrot, als ich Sarah sagen höre: „Also die 15 Kilometer, darauf bin ich eingestellt, das krieg ich hin. Aber diese verdammten Komma 3, ich glaube, das sind die, die uns zum Schluss dann noch fertig machen!“ Ich verschluckte mich beinahe an meinem Brötchen. Die 15 km sind ok? Aber die 0,3 am Schluss sind dann zuviel des Guten? Ich musste lachen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sie die Lage ziemlich gut einschätzte.

Der Start

Es hatte ein wenig was vom Viehtrieb, wie wir uns da so eingepfercht in unsere Startblöcke vorwärts bewegten. Besser gesagt: vorwärts getrieben wurden. Zwischen unserem Startblock und den Nordic Walkern war nur ein hauchdünnes Absperrband in rot-weiß. Wir bekamen 1 Minute Vorsprung. Dann ging es los. Die Sonne heizte uns ordentlich ein und die ersten paar Meter über die Wiese waren ein wenig holprig. Es ging über die Brücke, immer entlang am Reschensee. Ein frische Wind, wehte mir um die Ohren, die ich vorsorglich mit einem Tuch bedeckt hatte. Mit Sarah an der Seite hatte ich eine a) passende Laufpartnerin, der ich nicht zu langsam war – wir pendelten uns bei gut 8 km/h ein und b) passende Gesprächspartnerin, dank der ich eine Weile nicht mal merkte, dass wir mal wieder von den Abschlussradfahrern begleitet wurden.

Der Lauf

Immer wieder kamen uns Läufer entgegen, die abgebrochen oder aufgegeben hatten – zumindest machte es so den Anschein. Ich denke, einige hatten die Sonne doch etwas unterschätzt und sind vielleicht zu schnell losgelaufen. Von hinten hörte ich plötzlich ein Klack-Klack-Klack und ich wusste: es war soweit! Der erste Nordic Walker ging zum Angriff über. Roberto (sein Name stand auf dem Shirt) stöckelte in einem Affenzahn an uns vorbei. Sarah und ich waren uns einig. Der gute Mann darf das, der sieht von hinten so gut aus, dass wir kein Problem damit haben, ihn direkt vor unserer Nase zu haben. Der schöne Anblick hielt leider nicht lange an – er war zu schnell für uns. Aber man kann ja nicht alles haben.

Der Buckel

Ich wurde bereits noch in heimatlichen Gefilden vor dem bösen Buckel zwischen Kilometer 9 und 10 gewarnt. Der wäre soooo steil und der hätte es in sich. Bei jedem minimalen Anstieg meinte Sarah: „Das war er jetzt, oder?“ und ich antwortete jedes Mal: „Ich fürchte, nein.“ So liefen wir weiter, mein Puls stetig bei knapp 160 Schlägen, was für einen Wettlauf schon fast eine kleine Sensation ist, denn unter 175 geht da normal nix bei mir. Ich hatte ein richtig gutes Laufgefühl. Ich mochte die Strecke, die Strecke mochte mich. Wir liefen über die Staumauer, auf Schotterwegen, an seltsamen Riesenbottichen vorbei, die im Stausee standen (wir stellten uns vor, wir könnten daraus prickelnde Holder-Bowle schlürfen aus einem Riesenstrohhalm). Und dann, aus dem Nichts heraus, hörten wir Samba-Klänge. Ein wildes Getrommel, rhythmisch, stampfend, mitreißend. Da war er plötzlich. Der Buckel, vor dem mich alle gewarnt hatten – und mittendrin vier Burschen mit Trommeln, die den Läufern praktisch den Takt vorgaben. Alle, die vor uns waren, gingen den Anstieg hinauf. Ich wollte eigentlich auch gehen. Aber erstens habe ich Bergläufe trainiert und zweitens hatte auch Sarah extra für diesen Lauf Hügellauf trainiert und drittens … ach was weiß ich, was mich da geritten hat. „Ich überhole aufwärts aber niemanden, das ist mir zu stressig“, gab ich Sarah noch schnell bekannt, bevor die Luft fürs Reden zu knapp wurde. Schweigend liefen wir im Samba-Rhythmus die etwa 500 Meter lange Passage noch oben.

Ein Fuß vor dem anderen. Einatmen, ausatmen. Und ich gestehe: ich hatte noch nie in meinem kurzen Läuferleben sowas wie ein Runner’s High. Noch nie. Aber dieser Buckel, kam dem schon ziemlich nahe. Denn ich merkte, nachdem der Puls bei gut 170 Schlägen lag, dass ich lief, wie ein gut funktionierendes Uhrwerk. Es war anstrengend, aber es überforderte mich nicht. Das machte mich sowas von glücklich, das ich gar nicht merkte, wie ich ein Pärchen überholte, das vor mir immer langsamer wurde. „Ich dachte, du überholst bergauf nicht“, sagte Sarah später. Stimmt, hatte ich ganz vergessen. Berglauftraining, ich liebe dich! Das hat ja sowas von funktioniert!

Die verdammten Komma 3 und weiche Knie

Einige Kilometer verflogen, ohne dass ich sie wirklich registriert habe. Ich bin einfach gelaufen, dank Sarah abgelenkt von eventuellen Wehwehchen, wie die linke, mittlere Zehe, die zwischendrin mal wieder Aufmerksamkeit einforderte. Wir liefen durch einen extra aufgestellten Rasensprenger mitten auf der Straße hindurch, klatschten uns mit dem Streckenposten ab, der uns anfeuerte, holten uns Wasser und Melone beim Verpflegungsstand und liefen und liefen. Wir liefen vorbei am Schild mit KM 14 und dann kam das Ziel in Sichtweite. „Mist, ich hab das Ziel gesehen“, sagte Sarah. In dem Moment sah ich es auch und es passierte, was immer passiert: ich bekam weiche Knie. Und das seltsame Verlangen, einfach mittendrin stehenzubleiben und aufzuhören, schlug wieder zu. Wir stellten fest, dass es uns beiden genau gleich ging. Ziel in Sicht? Alles klar, dann können wir ja jetzt aufhören. Zumindest scheint das im Gehirn so abzulaufen. Natürlich rannten wir weiter. Das Schild mit KM 15 kam in Sichtweite. Und ab da war es dann tatsächlich so, als würden wir die letzten 300 Meter durch Pudding waten. Natürlich sahen wir dabei äußerst entspannt und vollkommen athletisch aus, denn dieses seltsame Empfinden existiert ja nur in meinem Kopf – und scheinbar auch in Sarah’s. Mein Puls sprang auf hübsche 180 Schläge, was auch schon wieder eine Sensation für sich ist, denn normalerweise verbringe ich Zieleinläufe in einem Zustand ganz knapp vor dem Koma, bei rund 190 Schlägen.

Und um es kurz zu machen (der Artikel ist eh schon viel zu lang, aber he, es waren immerhin 15 Kilometer und die verdammten Komma 3 noch dazu – freut euch auf meinen Halbmarathonbericht): es war ein wunderschöner Lauf, auf den ich mich körperlich so gut eingestellt hatte, dass ich heute – einen Tag später – weder Muskelkater habe noch sonstige Beschwerden. Ich weiß, ich kann morgen mein HM-Training fortsetzen, ohne zu pausieren. Ich fühle mich pudelwohl. Und das habe ich, neben vielen anderen Erkenntnissen, aus diesem Lauf gestern mitgenommen:

Ich möchte zukünftig jeden Wettkampf so laufen, dass ich hinterher sagen kann: Schön war’s. Anstrengend war’s. Ich habe es genossen. Ich habe mich gefordert, aber nicht überfordert. Mein Körper kommt mit der Anstrengung klar und braucht keine Woche zum Regenerieren. Und wenn ich dafür halt 1h 52 min. auf 15,3 Kilometer brauche, dann ist das perfekt.

Einfach perfekt.

Danke an Ina (perfekte Chauffeurin) , Sarah (perfekte Laufbegleitung), Katharina (perfekter Roadie)! Und danke an Elke mit Roland und Sandra mit Markus, die extra diese weite Anfahrt auf sich genommen haben und unser Team vor Ort komplettiert haben. Perfekt!

Die perfekte Truppe!

 


2 Kommentare

Wieder alles im Lot!

Die letzte Nacht vor dem Reschensee-Lauf. Morgen ist es soweit. 15 Kilometer rund um den schönen See. Vorfreude ist die schönste Freude und so hätte ich die letzten Wochen zwischen Training und Vorfreudentaumel verbringen können. Habe ich aber nicht.

Training ja, Freudentaumel weniger. Erst war da die Sache mit den Zehen, die meinen Orthopäden in Angst und Schrecken versetzte. In der Zwischenzeit hat es sich übrigens beinahe in Wohlgefallen aufgelöst: ich war bei der Fußpflege sowie beim Hautarzt. Beide meinen, dass sich das Wachstum meiner Zehennägel verändert hat durch das viele Laufen = kein Pilz, nur seltsame Deformation. Die jetzt auch Geschichte ist, da die Fußpflegerin alles wieder in Form gebracht hat. Nagel gut, alles gut. Oder?

Ich bin für Oder. Die letzten zwei Wochen war ich extrem reizbar, hatte selten Spaß am Training, schlief schlecht und war allgemein ein kleines bis mittelgroßes Pulverfass. Mein rechtes Knie schmerzte aus unerklärlichen Gründen (vorwiegend nachts) und meine linke Körperhälfte war seit den ersten kläglichen Seilspring-Versuchen in eine Art Schockstarre gefallen. Ich konnte den Kopf nicht mehr richtig drehen ohne Schmerzen zu haben und der untere Rücken zwackte beim geringsten Versuch mich zu bücken. Alles halb so wild, sowas vergeht. Hin und wieder hat man halt sowas. Da braucht’s nur ein wenig Pause, ein wenig Dehnen, ein bisschen cremen, … bla bla bla … ich ging stattdessen zum Intervall-Training. Neue Strecke. Mitten im Wald. Noch nie gelaufen. Wunderschön. Wirklich wunderschön.

Mitten im 4. Intervall, mitten in diesem wunderschönen Wald, blieb ich abrupt stehen und brüllte: „Stop!“ Ich wollte nicht mehr. Nicht heute. Nicht dieses Training. Nicht in diesem wirklich wunderschönen Wald. Aus. Vorbei. Trotzig ignorierte ich meinen Garmin, der ständig piepste, ich solle schneller laufen. Ich fühlte mich stocksteif wie ein Brett. Ich fühlte mich unwohl in meiner eigenen Haut. Da nutzt der beste Trainingsplan nichts, so macht es keinen Spaß. Und ohne Spaß … ohne mich. Grantig marschierte ich nach Hause. Beschloss, nie wieder einen Fuß vor die Tür zu setzen. Nie wieder an einem Rennen teilzunehmen. Nie wieder Blog zu schreiben. Kurz gesagt: ich war mal wieder Drama-Queen. Muss auch ab und zu sein.

Am nächsten Tag, nach einigen guten Gesprächen mit einer Freundin, die solche Phasen zur Genüge kannte, vereinbarte ich einen Termin bei meinem ehemaligen Physiotherapeuten Norbert. Heute morgen war ich bei ihm. 60 Minuten lang funktionale Osteopathie. Meine Arme und Beine wurden „geschubst“, wie er das so gerne nennt, alles wurde mobilisiert, gelockert und in die richtige Stellung gebracht. Zuhause, nach ungefähr einer Stunde, bemerkte ich, dass ich mich irgendwie locker fühlte. Man könnte fast schon sagen: ich fühlte mich gut.

Ich fühlte mich. Wieder.

Es ist ein schwer zu erklärendes Gefühl, aber ich hatte irgendwie das Gespür für mich und meinen Körper verloren in den letzten Tagen. Jetzt ist es wieder da. Und es ist schön, dass es wieder da ist.

Hat mich dazu bewogen, heute gleich mal eine Riesentasche für den Reschenseelauf zu packen, Unmengen an veganem Treibstoff vorzubereiten, Klamotten herzurichten und mich tatsächlich auf die morgigen 15 Kilometer zu freuen. Unglaublich was für Auswirkungen so eine verdrehte Statik auf den Alltag, die Laune, ach was, auf ALLES hat. Habe beschlossen, mich regelmäßig wieder „hinbiegen“ zu lassen. Außerdem beschlossen: Pause machen, wenn Körper Pause verlangt. Egal, was im Plan steht.

Letzter Beschluss des Tages:

Morgen 15 Kilometer Spaß haben mit fünf tollen Mädels, die mit mir dort hinfahren.

 

 

 


7 Kommentare

Die Mathematik des Laufens

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Mathe-Lehrer mir mal einen Satz mit auf den Weg geben würde, der wirklich etwas bewegt? Und damit meine ich nicht den Satz des Pythagoras. Obwohl das auch ein sehr schlauer Kerl war und zudem noch Vegetarier.

Wenn es zwei Fächer in der Schule gab, die ich abgrundtief hasste und zutiefst verabscheute, dann waren das Sport und Mathematik. Und wieso? Weil ich von Haus aus in beiden Fächern grottenschlecht war. Wieso das wiederum der Fall war, weiß ich bis heute nicht zu beantworten. Manche Dinge sind halt so.

Mit meiner ehemaligen Turnlehrerin verkrachte ich mich dermaßen, dass ich nicht mehr zum Sportunterricht kommen musste und von meinem ehemaligen Mathe-Professor mag ich gar nicht reden. Er war ein maßgeblicher Grund dafür, dass ich 1 Jahr vor der Matura, mit 17 Jahren die Schule abbrach. Mit einem „Nicht genügend“ verließ ich die schulische Laufbahn und wollte weder von Dreiecken noch Leichtathletik je wieder etwas hören müssen.

Wie es der Zufall aber wollte, begann ich 15 Jahre später, zu laufen. Und bekam beinahe zeitgleich die Chance, auf dem 2. Bildungsweg die Matura nachzuholen. Mit fast 33 Jahren nochmal die Schulbank drücken … erst dachte ich: schwierig. Dann: wieso nicht?

So wie ich wusste, dass ich in Sport schon immer schlecht war, war ich mir sicher, dass ich auch 15 Jahre später noch die komplette Niete in Mathematik sein würde. Was sollte sich denn daran auch geändert haben? Jahrelange Bürotätigkeit hat bisher noch bei den wenigsten für nennenswerte Lernerfolge und Zuwachs an logisch-kreativem Denken gesorgt. Bei mir zumindest nicht.

Mit dem Laufen lief es allerdings besser als erwartet und mittlerweile würde ich mich nicht mehr als total unsportlich und auch nicht mehr als völliger Konditions-Loser bezeichnen. Das war schon mal überraschend.

Und dann … ungefähr 6 Wochen vor der schriftlichen Mathe-Abschlussprüfung, wir waren mal wieder mehrere Stunden am Rechnen, fragte mein Lehrer, was ich so für ein Gefühl habe in Bezug auf die Prüfung. Und wahrheitsgemäß antwortete ich: „Kein sehr gutes. Ich habe eine solche Angst davor, vor diesem Blatt zu sitzen und nichts mehr zu wissen. Ich kann es ja immer nur mit Hilfe der anderen. Alleine krieg ich das nicht hin. Und wenn ich es alleine versuche, dann habe ich Angst, dass ich einen kompletten Schwachsinn rechne, der gar keinen Sinn macht.“

Er antwortet: „Das ist die falsche Einstellung. Du musst anders an die Sache rangehen. Du wählst deine Einstellung dazu.“ Ich widersprach ihm und sagte: „Naja, das ist weniger eine Einstellungssache als eine Sache der persönlichen Erfahrung.“ Und dann sagte er etwas, was ich nicht vergessen werde: „Von welcher Erfahrung sprechen wir denn? Die, die schon sehr lange her ist – oder deine jetzige aktuelle Erfahrung, die du machst?“

Und ich überlegte. Stellte dabei fest, dass ich tatsächlich noch im alten Muster von vor 15 Jahren steckte, denn in Wirklichkeit war ich inzwischen besser in Mathe – ich verstand mehr als früher und es interessierte mich auch viel mehr. Also gab ich zu, dass ich wohl eher die alten Erfahrungswerte meinte.

Er nickte nur und sagte dann im Vorbeilaufen:

„Dann wird es Zeit, eine Entscheidung zu treffen und die alten Dinge abzuhaken.“

Darüber habe ich noch wochenlang nachgedacht. Ist es das? Kann ich einfach Dinge, die früher nicht funktioniert haben, abhaken und neu versuchen und der Ausgang ist nicht bereits vorprogrammiert? Alles ist möglich?

Wenn ich die letzten beiden Jahre ansehe, muss ich sagen: Ja. Alles ist möglich. Ich laufe, was ich niemals für möglich gehalten hätte – und es macht mir auch noch Spaß, was noch viel unglaublicher ist. Ich bin für meine Verhältnisse in der Form meines Lebens und es kann noch besser werden. Und das gilt für soviele Bereiche – denn wisst ihr was?

Ich habe heute das Ergebnis meiner Mathe-Matura bekommen. Und DAS ist für mich die Bestätigung dieser Theorie, dass alles möglich ist. Ich habe ein „Sehr gut“ bekommen. Zum allerersten Mal ein „Sehr gut“ in Mathe.


Hinterlasse einen Kommentar

Intervalltraining: Tu es!

Vielleicht erinnert sich noch jemand schwach daran, aber dieses grässliche Wort mit „I“, das mag ich nicht. Und das Training, das hinter dem grässlichen Wort mit „I“ steckt, das mag ich noch viel weniger. Liegt vermutlich daran, dass ich nicht besonders drauf stehe, mich zu quälen. Und noch dazu ziemlich wehleidig bin. Und überhaupt ein ziemliches Weichei, wenn es darum geht, an meine Grenzen zu gehen.

Und da heute wieder einer dieser Tage ist, an denen das grässliche Wort mit „I“ im Trainingskalender steht, schreibe ich heute und erzähle euch, wieso ihr unbedingt dieses „Igitt“-Training in euren Plan einbauen solltet. So habt ihr das garantiert noch nie gesehen.

Fahre Achterbahn!

Emotionales Gefühlschaos: Hoffnung, Vorfreude, Angst, Zorn, Wut, Aggression, Erschöpfung, Anspannung, Erleichterung, Stolz – das alles kannst du innerhalb nur weniger Minuten erleben. Während eines Intervalltrainings. Natürlich muss es eines sein, dass dich so richtig an deine Grenzen bringt. Eines, bei dem du weinen möchtest – am Anfang vor Wut, am Ende vor Erleichterung. Beim Intervalltraining kochst du dir sozusagen ein Instant-Süppchen der Gefühle. Zeitsparend, intensiv und hinterlässt ein Gefühl der emotionalen Reinigung. Also nix wie rein in die Laufschuhe und ran an die körperlichen Grenzen!

Fühl dich schnell wie der Roadrunner!

Ok, am Anfang fällt das schwer und du wirst dir eher vorkommen wie ein Trampeltier, das schnaufend den Boden plattwalzt (zumindest geht es mir jedes Mal so – wirklich jedes Mal!). Beim 200-Meter-Intervall, bei dem du über die Grenzen des Vorstellbaren gehst, bei dem dir nach 120 Metern die Oberschenkel anfangen zu brennen und du das Gefühl hast, du watest durch ein Meer von Schokoladenmousse – genau bei diesem Intervall wirst du dir denken: das wird nie was! Aber warte mal ab, bis du zuhause bist. Wenn du erschöpft auf der Couch sitzt und dein Wasser schlürfst, endlich wieder Luft bekommst, die Gesichtsfarbe sich wieder normalisiert … dann kommt der Moment. Der Moment, in dem du dir denkst: „So schlecht war das gar nicht. Eigentlich war ich verdammt flott. Mindestens so flott wie … miep miep!“

Ist er der Richtige?

Möglicherweise bist du auch ein Intervall-Trainings-Motzer, so wie ich. Falls dem so ist, und du gerade auf Partnersuche bist, dann kann ich dir nur raten: lade den Traum deiner schlaflosen Nächte zu einem gemeinsamen Intervall-Training ein. Wenn er dich danach immer noch gut findet, dann schnapp ihn dir! Möglicherweise bin ich da ja die Ausnahme, aber was ich in den Trab- bzw. Gehpausen eines Intervalltrainings so von mir gebe, das steckt nicht jeder weg. Da kommt dann doch ein Teil meines Selbsts an den Tag, den ich normalerweise gerne verstecke – oder zumindest nur gut verkleidet ans Tageslicht lasse. Mein Mann bezeichnete mich heute als „negatives Teilchen“. Er meinte, er gleiche das mit seiner positiven Art dann wieder aus. Das perfekte Team also. Hauptsache, ich darf weiterfluchen.

Schon klar, das ist alles mit einem Augenzwinkern geschrieben, aber wenn es nächste Woche Dienstag wieder heißt „Igitt“-Training werde ich mich trotz allem nicht freuen. Ich werde es hassen. Und hinterher werde ich es lieben. So wie jedes Mal. Auch eine Art von Routine. Und der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier. Jetzt freu ich mich aber erstmal auf 6 Tage ohne den „Igitt“-Faktor.

Geschafft! "Igitt"-Training für diese Woche abgehakt :)

Geschafft! „Igitt“-Training für diese Woche abgehakt 🙂

 


Ein Kommentar

Wälderlauf oder Was sich seit 2012 getan hat

Im Juli 2012 ging ich gemeinsam mit meiner Schwester und rund 30 Kilo Übergewicht im Gepäck, an den Start beim Wälderlauf von Mellau nach Schoppernau. Rund 13 Kilometer gab es zu bewältigen Damals hatte ich bereits Probleme mit der Hüftsehne und wusste, ich werde nicht laufen können. Aber walken sollte drin sein.

Ich beim Wälderlauf 2012

Ich beim Wälderlauf 2012

Schlussendlich kam ich nach 2 Stunden und 20 Minuten völlig erledigt ins Ziel – aber mächtig beeindruckt von der tollen Atmosphäre beim Wälderlauf. Tolle Menschen, tolle Organisation und die landschaftliche Kulisse kann sowieso nichts toppen.

Wie vor 2 Jahren habe ich mich in der Klasse „mit tau“ (mitgemacht für Nicht-Bregenzerwälder“) angemeldet. Das ist der letzte Startblock für die Genussläufer, in dem auch Walker, Wanderer und ganze Musikvereine starten. Da ich mir dachte, ich möchte die schnelleren Läufer nicht behindern, gesellte ich mich also zu der Spaß-Fun-Truppe am Ende des Läuferfeldes. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Als es endlich losging war erstmal eine Mauer, bestehend aus Spaziergängern, Walkern, Nordic Walkern und Wanderern vor mir. Irgendwie hat wohl keiner mehr damit gerechnet, dass in diesem Startblock auch noch jemand gerne rennen würde. Ich musste Stock über Stein springen, rechts vorbei über die Wiese sprinten, um überhaupt ein Stückchen Straße zu ergattern, auf der ich laufen konnte. Ich glaube, ich habe die wirklichen Genussläufer (bzw. Wanderer) ziemlich genervt, als ich im Zick-Zack-Hindernislauf zwischen ihnen durchgesprungen bin. Was aber die eigentliche Sensation war: ich war in der Lage, das zu tun! Klar, der Puls ging hoch, aber ich war fit. Nachdem ich mir den Weg freigekämpft hatte, ging ich es etwas ruhiger an – Puls pendelte sich bei rund 170 Schlägen ein.

Beständig leicht aufwärts ging die Strecke, teils Asphalt, teils Waldboden, teils Weg mit groben Steinen darauf – einfach zu laufen war es nicht. Aber so schön! An soviele Stellen konnte ich mich erinnern, als ich vor 2 Jahren mit meiner Schwester dort gelaufen bin, und wie fertig ich war. Und dieses Jahr flog ich nur so dran vorbei – alleine dieses Gefühl, körperlich zu erleben, was sich die letzten 24 Monate verändert hat, das ist unbezahlbar!

Mittendrin laufe ich an jemandem vorbei.

Judith? Bist du das?

Ja, ich bin das! Genauso bin ich jetzt. Ich kann 13 Kilometer laufen. Ich brauche 1 Stunde und 32 Minuten dafür und kann nebenbei noch locker Gespräche führen und lachen. Wie üblich werden mir beim Erblicken des Ziels, so 200 m vorher, die Knie so weich, dass ich fast stehenbleiben muss. Ins Ziel habe ich es trotzdem geschafft. Weil mein Mann, der mich auf den 13 Kilometern begleitete, meine Hand nahm und mich förmlich über die Ziellinie geschleift hat. Ich glaube, ich wäre glatt davor stehengeblieben. Zum Dank dafür habe ich ihm mein Laufshirt vom Team vegan.at vermacht. Ok, ich geb’s zu: es ist mir zu groß geworden. Aber an ihm sieht’s einfach viel besser aus.

Laufshirt von meinem Verein Team vegan.at

Im Ziel treffe ich Ariane, Gitti, Ina, Evi und Ulli – alles tolle, wilde Läuferinnen. Manche von ihnen treffe ich hin und wieder bei Läufen, manche auf Facebook – es war einfach toll. Und zuguterletzt hatte es doch etwas Lustiges, dass ich mich in der Genussläufer-Klasse angemeldet habe:

Ich bin doch tatsächlich auf Rang 39 von über 400 Genussläufern gelaufen und damit auf Rang 400 von knapp 1000 angemeldeten Frauen in der Gesamtwertung gekommen. Wer hätte das gedacht!

Ina, ich, Ariane und Gitti (von links nach rechts)

Ina, ich, Ariane und Gitti (von links nach rechts)

 


18 Kommentare

Ich bin ein No Meat Athlete!

Ach, es könnte alles so schön sein! Endlich habe ich den Halbmarathon-Trainingsplan von Matt Frazier aus dem Buch „No Meat Athlete“, das diese Woche im compassion media Verlag erscheint. Ich darf offiziell für den Verlag als Testläuferin voranstürmen und mich mit Matts 21-Kilometer-Plan auf meinen eigenen Halbmarathon im September vorbereiten.

Der Fitness-Plan zum Halbmarathon

Seit gestern hab ich den Plan inklusive dem kompletten Kapitel 9 des Buches, das erst morgen so richtig offiziell erscheint. Und das ist irgendwie schon spannend, als ob man ein Geschenk als erstes aufmachen darf – und mein erster Eindruck ist durchaus positiv. Ich mag den Schreibstil, und auch die abwechslungsreiche Gestaltung – schon interessant, wenn man bedenkt, dass ich bisher nur 1 Kapitel davon gelesen habe. In dem Buch sind Trainingspläne für 5 Kilometer, für 10 Kilometer und gleich zwei Pläne für den Halbmarathon – einmal der „Ins-Ziel-kommen“-Plan und einmal der „Fitness“-Plan. Letzterer ist etwas intensiver vom Training her und enthält zusätzlich Bergläufe. Also genau das Richtige für mich.

Trainingsplan aus "No Meat Athlete"

Nach Rücksprache mit meinem Trainer Kristof werden wir den Plan ein wenig an mein Laufpensum anpassen, denn Matt’s Pläne sind auf ca. 18-20 Wochenkilometer (bei den Halbmarathon-Plänen) ausgelegt. Da ich bisher schon 40-45 Wochenkilometer laufe, werde ich die Umfänge etwas steigern. Grundsätzlich gefällt mir die Einteilung aber spitzenmäßig, denn ich glaube, das dieser Plan wirklich zu schaffen ist – auch mit einem vollgepackten Alltag.

Ich bin ab sofort ein No Meat Athlete und ich krieg sogar noch das passende Trikot dazu!

So und nun zurück zur momentanen Realität.

Alle Jahre wieder

Ich befinde mich in meiner letzten Trainingswoche vor dem Wälderlauf, der kommenden Samstag stattfindet. 13 Kilometer durch den wunderbaren Bregenzerwald – und ich bin endlich wieder dabei! 2012 war ich zum ersten Mal am Start und konnte nur walken, damals noch mit ca. 96 Kilogramm. Letztes Jahr war ich nicht zuhause an diesem Datum und dieses Jahr, mit Kampfgewicht 67 Kilogramm, will ich endlich wieder ran an den Start beim Wälderlauf.

Tja, und was passiert mir normalerweise 3-4 Tage vor einem für mich wichtigen Lauf?

Richtig! Ich verletze mich oder werde krank. Magen-Darm-Infektion, Zehenbruch, entzündete Hüftsehne  – fehlt noch was? Ja, doch, da fehlt was. Eindeutig! Eine kleine Zerrung wäre doch mal nett, zur Abwechslung. Gestern beim Fahrtspiel passiert. Einfach so. Von einem Schritt auf den nächsten. Meine Kehrseite wollte nicht mehr so, wie ich wollte. Die letzten 1,5 Kilometer humpelte ich nach Hause und haderte mit meinem Schicksal. Und ich tue es immer noch.

Wieso immer ich?

So, jetzt ist es raus, denn das ist es, was ich denke. Himmel, das muss doch echt nicht jedes Mal sein. Jetzt laufe ich seit Monaten schmerz- und verletzungsfrei – und dann einfach so von jetzt auf gleich? Und warum kann es nicht irgendwas Cooleres sein, als sich den Po-Muskel zu zerren?

Jammer-Modus aus. Weiter geht’s mit Blackroll, Dehnen, Cremen, Beleuchten und am Freitag wird mich mein Bruder noch unter die Lupe nehmen, der sich als medizinischer Masseur mit genervten Muskeln aller Art auskennt. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass ich am Samstag laufe. Denn heute ist es schon wesentlich besser als gestern, aber ein Risiko werde ich nicht eingehen.

Ach ja, und zu allem Überfluss schreibe ich direkt vor dem Wälderlauf (genaugenommen 4 Stunden vorher) meine Mathe-Matura. Aber vor der kann ich mich nicht drücken. Zumindest nicht wegen eines gezerrten Po-Muskels. Obwohl, probieren könnte ich es ja mal 😉

Das Dehnen der Kehrseite nicht vergessen