veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


4 Kommentare

vegan, gesund, läuft.

Die letzten 48 Stunden vor dem 10-Kilometer-Nachtlauf brechen an und anstatt mich meiner Unruhe hinzugeben, genieße ich den heutigen Ruhetag mit Yoga und dem Administrieren und Moderieren meiner Facebook-Seite.

Himmel, Yoga ist anstrengend! Nix für Weicheier, sag ich euch. Aber danach bist du mindestens 5 Zentimeter länger. Länger, nicht breiter!

Aufgrund aktueller Anfragen möchte ich heute mit euch meinen Speiseplan teilen. Eine Frage lautete nämlich:

„Was isst du? Vegan heißt ja nicht per se gesund“

Richtig. Hab ich auch nie behauptet. Und wer meinen Blog verfolgt, der erinnert sich, dass meine Anfänge alles andere als gesund waren.

Etwas möchte ich an der Stelle noch einwerfen: Nicht-vegan zu essen bedeutet übrigens auch nicht automatisch gesund. Komischerweise denken das viele.
Ich wäre noch nie auf die Idee gekommen, mein omnivores (allesessendes) Gegenüber nach seinem letzten Blutbild zu fragen oder mal nachzuhaken wie‘s denn aussieht in puncto Mangelernährung. Seit ich erwähne, dass ich mich vegan ernähre werden mir diese Fragen regelmäßig gestellt. Interessant. Im Umkehrschluss müsste ich also davon ausgehen, dass sich jemand der Milchprodukte und Fleisch isst (gerne auch in Form von Pizza, Burgern & Co. – denn danach fragt komischerweise keiner) von Haus keine Sorgen um seine Nährstoffe machen muss.

Ok. Ich halte es hier schriftlich für die Nachwelt fest: mein letztes Blutbild war tiptop. Und ja, ich habe tatsächlich eines machen lassen! Ihr auch? Ich gehe davon aus, dass ich mich einigermaßen gesund ernähre, sonst würde mir das mein Blut wohl mitteilen.

Was isst jetzt also so ein gesunder Veganer? Ehrlich, alleine das klingt doch schon abschreckend. Ich werde mir ein anderes Wort suchen.

Die Worte „gesund“ und „vegan“ klingen doch schon nach „schmeckt nicht“.

Ich ernähre mich also nicht gesund, sondern so dass es schmeckt. Und so, dass ich optimal mit allem versorgt bin was ich zum Atmen und Laufen brauche. Und so, dass es mich nicht dick macht. Prioritäten müssen sein!

Da ich grundsätzlich faul bin am Morgen, gab es heute früh einen Smoothie mit Bananen und Orangen = Frühstück. Kurze Zeit später war ich wieder leicht hungrig und verspeiste zwei große Handvoll Maroni. Warum? Weil‘s schmeckt. Und weil ich sie schon fertig daheim hatte. Also könnte man auch sagen aus reiner Faulheit.

Im Moment köchelt ein Töpfchen Quinoa vor sich dahin auf dem Herd. Wieso esse ich Quinoa und was ist das überhaupt? Es ist ein Pseudogetreide mit ziemlich viel Eiweiß. Brauch ich für meine Muskeln. Schmeckt gut. Geht schnell. Nicht komplizierter als Nudeln kochen. Wieso esse ich dann keine Nudeln? Zuwenig Eiweiß und macht mir Heißhunger.

Was wird‘s noch geben? Hab noch fertige Cracker aus Linsen und Kichererbsenmehl daheim (selber gemacht). Wieso esse ich das? Weil‘s sensationell schmeckt und wiederum Eiweiß und andere schöne Dinge beinhaltet. Außerdem weil sie da so rumliegen und eh wegmüssen.

Dazu gibt es eine Soße, die ich aus Hefeflocken, Sonnenblumenkerne, Gewürzen und Wasser gemacht habe. Warum esse ich so etwas Seltsames? Weil‘s besser schmeckt als es klingt und außerdem B-Vitamine und Eiweiß bringt. Außerdem passt es sensationell zu den Crackern.

Vielleicht, wenn ich einen ganz wilden Tag habe, brate ich mir noch einen Haufen Gemüse wie Zucchini, Pilze und Paprika ab und kippe 1-2 Löffel Kürbiskernmus drüber. Warum? Einfach nur lecker.

Salat werde ich heute noch machen. Warum? Weil ich jeden Tag was Grünes esse und weil er dringend gegessen werden muss. Sonst kommt er in den Kompost und das wäre schade – dann lieber einen Umweg über mein Verdauungssystem.

Dann gibt es heute garantiert noch Datteln. Warum? Weil ich die jeden Tag esse. Wieso? Weil sie besser schmecken als jede Schokolade und was Süßes brauche ich. Außerdem geben sie schnell Energie. Und allein dafür liebe ich diese kleinen, braunen, nicht besonders hübschen Dinger.

Gibt also schon ein paar Sachen, die ich wegen ihres Nährwerts esse. Schmecken müssen sie trotzdem. Darüber habe ich mir früher noch nie Gedanken gemacht, als ich noch alles gegessen habe.

Mein Fazit daraus ist: Egal, ob ich Allesesser bin oder Pflanzenesser – will ich mich gesund ernähren, dann komme ich nicht drumrum mich zu informieren und meine Ernährung ein wenig zu planen.

Denn die wenigsten Menschen, die ich kenne, höre ich sagen: „Ich habe heute viel zu wenig Tryptophan zu mir genommen – ich muss dringend noch ein paar Cashewnüsse essen!“ Im Gegenteil, die meisten wissen nicht mal, was das ist. Ich schon.


3 Kommentare

Mein erster Halbmarathon – ein Gastbeitrag von Djuri Ishii

Bei der Überschrift habt ihr euch sicher kurz gewundert. Nein, soweit bin ich leider noch nicht.

Dafür hat es Djuri letztes Wochenende getan: der erste Halbmarathon! Kennengelernt haben wir uns über meine Facebookseite und ich hab mich sehr gefreut, als sie angeboten hat, ihre Eindrücke für meinen Blog aufzuschreiben.

Also ihr Lieben! Taucht ein in die aufregenden Stunden kurz vor dem ersten Halbmarathon. Danke Djuri!

SwissCityMarathon 2013 Luzern – von Djuri Ishii

…und ich durfte mitlaufen!

Erst einmal stelle ich mich mal kurz vor: Ich heisse Djuri und bin 32 Jahre alt.
Vor ca. 19 Wochen habe ich mich entschieden einen Halbmarathon zu laufen, um allen zu beweisen, dass vegane Ernährung nicht für Kraftlosigkeit und Mangelerscheinungen steht, sondern (wenn man es richtig macht) für Vitalität, Lebensfreude und besseres Körpergefühl.

Vegan ernähre ich mich jetzt seit ca. 2 und vegetarisch seit 14 Jahren.
Laufen war nie meine Stärke. Vor 2 Jahren ging ich allerhöchstens mal 15 min. joggen und das war‘s dann für die Woche. Dann steigerte ich ganz allmählich die Dauer und Länge. Ich muss dabei zugeben, ohne Musik in den Ohren hätte ich mich nie überwunden, mehr zu machen. Das hat mich irgendwie glücklich gemacht – die Natur, die frische Luft, das Schwitzen und die Musik.
Den Trainingsplan für den ersten Halbmarathon habe ich mir dann einfach von einen der unzähligen im Internet heruntergeladen. Das Ziel war 21,09 km in ca. 2 Stunden und 15 Minuten. Diesem Plan habe ich dann mal einfach blind vertraut.
Durch die vielen Internet-Recherchen kam ich zur Website „bevegt“ (ein Blog von einem veganen Läuferpaar) und über diese zu Judith’s „veganmarathon“. An dieser Stelle möchte ich euch ein grosses Dankeschön aussprechen. Ihr habt mich mit euren Beiträgen sehr motiviert und geholfen.

Das Training hat definitiv mein Leben verändert!

Die ersten Wochen waren toll und beschwingend, die folgenden furchtbar, erniedrigend, deprimierend mit vielen körperlichen Hoch und Tiefs. Dann stabilisierte sich alles, unter anderem mit Hilfe von Brendan Braziers Büchern über vegane Ernährung im Zusammenhang mit Sport und ich bekam Vertrauen, das wirklich zu schaffen. Die letzten Wochen waren freudige Erwartung auf das Kommende.

Der Tag davor:
Gewissenhaft bereitete ich alles Zuhause vor: Laufkleidung für alle Wetterlagen, iPod laden, Pulsuhr laden, Mixstab, Becher und Zutaten für den letzten Power-Smoothie vor dem Lauf, Grüntee, Kokoswasser und Starttickets zur Startnummer-Abholung. (Die Liste war noch viel länger, aber das würde hier den Rahmen sprengen). In Luzern angekommen, holten wir (mein Mann lief mit mir mit, aber dazu gleich noch mehr) als erstes die Startnummern ab. Man bekam dafür gleich einmal eine Portion Rösti oder Pasta (zum Glück vegan). Überall erkannte man schon die sportlichen Läufer (insgesamt ca. 10‘000 Teilnehmer). Das Wetter war sonnig, warm, herrlich.

Der grosse Tag:
Zum Glück war Zeitumstellung, so mussten wir nicht hetzen und ich war froh, eine angenehme Nacht im Hotel verbracht zu haben. Doch dann spannten sich die Nerven langsam auf‘s Zerreissen. Unter zitternden Händen mixte ich meine letzte Mahlzeit: Banane, Apfel, eingeweichte Haselnüsse und Datteln, Kokosflocken, Leinsamenmehl, Ingwer. Davor trank ich noch ein Glas Kokoswasser. Und dann fing es an in Strömen zu regnen. Es war mir egal! Ich wollte jetzt einfach nur noch zum Start. Kurz bevor ich das Hotel verliess, trank ich noch eine Tasse extrem starken Grüntee.
Am Start ging ich dann noch einmal auf Toilette (ich weiss, klingt blöd, aber es ist extrem wichtig für uns Frauen, wir können nicht einfach an den nächsten Baum pinkeln). Die Aufregung war überall zu spüren, man hatte das Gefühl, man war unter Bienen, jeder war in Bewegung, beschäftigt, konzentriert. Ich hatte die ganze Zeit Angst, dass ich den Start verpassen würde, weil es so viele Menschen waren und man gar nicht mehr durchblickte, wo die Startblöcke waren.

Dann ging es irgendwie los!

Mein Mann sagte noch: „Komm, komm da vorne, die gehen schon!“
Und dann fing das Glück an: Endlich durfte ich laufen, endlich war ich frei, es gab kein Zurück, ich musste an nichts mehr denken, nichts mehr vorbereiten, keine Rücksicht mehr auf ein weiteren Lauf oder Trainingseinheit nehmen, es war egal, ob es regnete, ob ich klitschnass und eiskalt war, egal ob mein Zeh wieder wehtun würde…. es gab nur noch das Laufen. Jeder war glücklich, jeder jubelte uns zu. Es war wunderschön, unglaublich. Ich konnte nicht anders, als 19 km lang zu grinsen und glücklich zu sein. Es waren die schönsten 19 km, die ich je gelaufen bin. Die Landschaft war herrlich, es ging am See entlang, durch die Altstadt, über Brücken und sogar durch den Bahnhof. Dann kamen die härtesten 2 km, die ich je gelaufen bin. Ich spürte wie mein Körper langsam ermüdete, mein Kopf wollte weiter, aber die Beine wurden immer schwerer. Ich wollte eigentlich das letzte Stück noch schneller laufen, aber es ging nicht, meine Grenze war erreicht. Dann sah ich auf die letzten 200 Meter meine Mutter links am Rand stehen (ich wusste nicht, dass sie kommen würde, es war eine Überraschung). Das gab mir noch einmal Kraft und ich erreichte das Ziel mit einer Zeit von 2:01:05. Für mich ein voller Erfolg für den ersten Halbmarathon meines Lebens.

Mein Mann:
Er lebt auch vegan und hat nicht trainiert, er wollte nur einfach mit mir mitlaufen. Wir liefen 10 km miteinander und das war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich bin so froh, dass er dabei war. Er gab mir damit so viel Halt, gerade vor dem Start. Ohne ihn hätte ich meinen Kopf verloren. Dann bekam er Seitenstechen und sagte, dass er langsamer machen müsste. Ich sah mich dann immer wieder um, ob er mich nicht doch noch wieder einholen würde. Er schloss mit 2:08:21 ab. Ich bin total stolz auf ihn. Er hat trotz Schmerzen, Seitenstechen, ohne Training, ohne Erfahrung (vielleicht ein bisschen leichtsinnig) durchgehalten. Heute hat er schlimmen Muskelkater in den Beinen. Aber er hat überlebt.

Und jetzt?
Na weiter natürlich….ich kann schon an nichts mehr anderes denken als an einen Marathon. Wobei ich schon schlucken musste, als ich kurz vor dem Ziel die Marathonläufer abbiegen sah, um noch einmal die Runde zu laufen. Hut ab und meinen tiefsten Respekt!

Djuri's Startnummer


Hinterlasse einen Kommentar

Unter Beobachtung.

Die Welt ist entsetzt, dass Frau Merkels Handy abgehört wird und unsere e-Mails nicht sicher sind. Aber ich sag euch mal was: Nachbarn sind viel schlimmer! Da kann die NSA einpacken. Aber alle miteinander.

Ich habe letzte Woche angefangen, das Lauf-ABC in mein Training einzubauen. Lustige, seltsame Übungen, die mir helfen sollen, schneller zu werden, meinen Laufstil zu verbessern (hab ich sowas?) und überhaupt einfach gut sind. Nun hüpfe und springe ich also 1 x wöchentlich im Hopserlauf durch die Gegend, ziehe die Knie beim Laufen hoch und laufe seitlich überkreuz. Was tut man nicht alles, um aus der Turtlerunner-Klasse auszusteigen?

Bisher lief ich immer kurz vor der Dämmerung – wenn’s halt keiner sieht. Vor ein paar Tagen nicht.

Ein kurzer Szenen-Wechsel. Ein Haus am Waldesrand mit Blick auf einen nicht asphaltierten Wanderweg. Drei ältere Herren sitzen zusammen, trinken ihr Bier und schauen aus dem Fenster. „He! Das da ist meine Tochter“, ruft der eine und zeigt aus dem Fenster. „Ach, echt?“, meint der andere und beugt sich weiter zum Fenster. „Was tut sie denn da?“ fragt der Dritte stirnrunzelnd. „Keine Ahnung. Joggen, oder?“ „Nein, schau mal was die macht!“ Helle Aufregung. „Die bewegt sich so komisch!“ „Hat die irgendwas?“ Die beiden Männer sind total entsetzt und schauen den Dritten fragend an: „Ja sag mal, hat die vielleicht einen Knall?“ „Sieht ein bisschen so aus, als hätte sie nicht mehr alle Latten am Zaun“, grinst einer der beiden.

Der Dritte, übrigens mein Vater, ergreift dann für mich Partei: „Ich weiß nicht, was sie da macht – aber Herrschaftszeiten jetzt hat sie 30 Kilo abgenommen, das ist doch wohl eine Leistung!“ Betretenes Schweigen und dann langsam murmelnde Zustimmung. „Soviel Disziplin! Das ist schon eine Leistung …“ Darauf wird dann beim nächsten Bier angestoßen.

Und was lerne ich daraus? Du stehst immer irgendwo von irgendwem unter Beobachtung. Und man hat zwei Möglichkeiten: entweder im Dunkeln laufen oder sich nicht darüber aufregen, dass es Menschen gibt, die denken, du bist nicht ganz normal.


4 Kommentare

Knall auf Fall vegan (Teil 2)

„Du musst das lesen“, riss mich meine Mama aus den friedvollen Gedanken an langhaarige, barfüßige Hippie-Veganer. „Das ist unglaublich, was da drin steht. Was wir alles nicht wissen! Ich kann das nicht nacherzählen, aber du MUSST das lesen!“

Wie jetzt? Wissen? Unglaubliches? Das klang anstrengend. Ich wollte doch nur dünn sein und lange Haare haben. Nicht die Welt verändern. Oder vielleicht doch? Das Klicken war ein bisschen lauter geworden. Ich verzog mich also mit Peacefood in mein stilles Kämmerlein und begann zu lesen.

Ich lebe übrigens auf dem Land und bin dort auch aufgewachsen. Wir holten als Kinder die warme Milch direkt beim Bauern nebenan und auch tote Rehe waren für mich was ganz Normales, denn mein Papa ist Jäger. Ich erinnere mich noch, dass ich im Keller war, während er das geschossene Reh ausnahm, wo es dann hing, mit aufgeschlitztem Bauch. Ich streichelte es und sprach mit ihm. Dabei blickte ich in diese wunderschönen, braunen Augen mit den langen Wimpern. Und ich freute mich einfach, dass es da war. Ich habe nicht darüber nachgedacht, wieso es jetzt nicht mehr im Wald herumsprang.
Das war halt einfach so.

Genauso wie Kühe Gras fressen und dann am Ende des Tages Milch geben. Weil sie Gras gefressen haben.
Das war halt einfach so.
Das dachte ich zumindest.

Ich glaube, es war Seite 20 oder 30 – oder vielleicht auch eine andere Seite, ich weiß es nicht mehr – wo ich mit offenem Mund vor dem Buch saß und das Gefühl hatte, jemand hat gerade das Licht angeknipst.

Wie bitte? Kühe geben Milch, weil sie irgendwo ein Kälbchen haben? Das jetzt keine Muttermilch bekommt, damit ich meinen Kakao trinken kann? BITTE?

Ich war so fassungslos – und ja, ihr könnt mich auslachen, wenn ihr das gewusst habt, obwohl das eigentlich noch viel weniger Grund zum Lachen wäre – aber ich war so dermaßen zornig, dass mir das nie jemand gesagt hat! Hätte ich über diese Sachverhalte Bescheid gewusst, hätte ich bewusst mit meinem ganzen Urteilsvermögen entscheiden können, ob ich das weiterhin unterstütze. Aber ich war 31 Jahre alt und hatte keine Ahnung.

Keine. Ahnung.

Und das war es was mich so dermaßen verrückt gemacht hat – und es übrigens immer noch tut – und mein Klicken im Kopf explodieren ließ. Ich fühlte mich schlicht und ergreifend verarscht.
Jeder weiß, wie diese Milch-Sache funktioniert, aber keiner redet darüber. Kuhmilch ist Muttermilch? Ja, und ich wusste es nicht. Mich hat es nur noch geekelt und ich war tieftraurig, weil ich an die Kuh-Kinder und Kuh-Mamas denken musste. Und dann fielen mir die Schreie ein. Habt ihr schonmal eine Kuh gehört, die nach ihrem Baby schreit? Oder umgekehrt? Wie gesagt, ich wohne in einem Dorf. Der nächste Bauernhof ist ca. 100 Meter entfernt. Hier kriegst du alles mit. Alles. Es ist nicht nur das Schweigen der Lämmer, das dir im Kopf bleibt – das Schreien der Kühe ist genauso schlimm.

Das Buch hat natürlich wesentlich mehr als nur 30 Seiten und auch auf den folgenden Seiten entdeckte ich immer mehr Dinge über Massentierhaltung aber auch über Aspekte der Gesundheit, die mich sprachlos machten – und das will wirklich etwas bedeuten! Für mich war es nach dem Lesen von Peacefood schlicht und ergreifend LOGISCH, dass ich Veganerin werde. Werden muss. Alles andere wäre pure Ignoranz der Tatsachen und null Respekt vor dem Leben. Ich konnte das nicht mehr mit mir vereinbaren.

Also wurde ich vegan. Wie gesagt, der Plan war „von heute auf morgen“. In Wirklichkeit dauert es aber an die 6 Monate. In den 6 Monaten erlitt ich Käserückfälle und erlebte Schokoladendramen: Stell dir vor, die einzig im Haus verfügbare Schokolade enthält Kuhmilch und du bist so verzweifelt und gierig auf Schokolade, dass du sogar deinen eigenen Ehemann für nur ein winziges Stück davon verschenken würdest! Ach, es war nicht einfach und dann wurde ich auch noch süchtig! Ich bin nicht stolz drauf, aber ich gestehe es jetzt in aller Öffentlichkeit: ich war abhängig von Manner-Schnitten. Ja, die sind vegan.

Es war ein Auf und Ab. Aber ich war trotzdem stolz auf mich. Zum allersten Mal in meinem Leben hatte ich meine Ernährung drastisch umgestellt und zwar nicht aus egoistischen Schlankheitsmotiven. Sondern für die Tiere und vielleicht ein kleines bisschen auch, um die Welt zu retten, denn das gehört irgendwie alles zusammen. So ein winziges Superwoman-Gen habe ich ja schon in mir. Die Langhaar-Hippie-Veganer waren zu dem Zeitpunkt übrigens völlig vergessen. Ich hatte schwer damit zu tun, mir eine Ernährung anzueignen mit der ich satt wurde und bei der ich nicht nur völligen Unsinn aß, denn auch das geht mit veganer Ernährung.

So tingelte ich also Monat um Monat vor mich hin, mal vegan, mal vegetarisch und ich war immer noch eine gemütliche Couchpotatoe und nahm übrigens kein Gramm ab. Ha, von wegen Veganer sind alle schlank – ich habe das Gegenteil bewiesen! Aber plötzlich fing es wieder an zu klicken in meinem Kopf. Und was dann passierte, wisst ihr: die Sache mit dem Marathon. Zeitgleich dann auch der Entschluss: 100% vegan.

Ich meine, WENN ich schon einen Marathon laufe – und das werde ich früher oder später tun – dann werde ich auch mein Heimatland „Ländle-Milchprodukte-Vorarlberg“ in Erstaunen, Angst und Schrecken versetzen, dass so etwas auch völlig ohne tierisches Doping geht.

Und zum Schluss möchte ich einfach aus tiefstem Herzen sagen:

Ich fühle mich sowas von sauwohl (ja, das ist Absicht!), ich kann und will es gar nicht anders ausdrücken! Mir ging es nie besser, ich habe nie besser gegessen, nie besser ausgesehen. ICH bin jetzt ICH! Und das habe ich zumindest zu 50% meinem Pflanzenfutter zu verdanken. Die andere Hälfte gebührt dem Laufen.

Und ja, ich würde mir doch glatt die Veganblume tätowieren lassen, weil ich weiß, das ist mein Leben. Das Puzzleteil passt; das Klicken hat aufgehört … und falls euch das alles seltsam vorkommt, ihr aber trotzdem interessiert seid: einfach probieren. Tut nicht weh. Im besten Fall kommt ihr auf den Geschmack!

Ich bin dann mal beim Tätowierer 😉

Barfüßige Langhaarveganerin. Mit Salat und Sonnenblumenkernen. So hab ich mir das vorgestellt!


2 Kommentare

Knall auf Fall vegan (Teil 1)

„Komm doch auf eine Portion Kässpätzle vorbei!“
„Ähm, nein danke. Ich bin jetzt vegan.“
„Hä? Das warst du doch gestern noch nicht!“
„Irgendwann muss man ja mal damit anfangen.“

Kann man sich das so vorstellen? Ja und Nein.
Zuerst möchte ich sagen, dass mir dieser Artikel, sehr wichtig ist und vielleicht sogar der wichtigste überhaupt, den ich je geschrieben habe. Ich werde in diesem Artikel so offen wie immer sein, denn mit Verstellen hab ich es nicht so – zumindest nicht in geschriebener Form. Ansonsten bin ich selbstverständlich ein wahres Chamäleon und Meisterin der Verwandlungskunst.

Es kann also sein, dass das was ich hier schreibe nur zwei Menschen verstehen und akzeptieren. Nämlich mein mir angetrauter Ehemann und ich. Ersterer, weil ihm nichts anderes übrig bleibt und weil er mich lange genug kennt, um hinter den teils chaotischen Gedanken und Handlungen sowas wie einen Weg zu entdecken.

Wurde ich tatsächlich von heute auf morgen vegan? 
Nein. Wurde ich nicht. Wäre aber der Plan gewesen.

Wieso überhaupt vegan?
Jetzt wird‘s kompliziert. In einer Phase leichter Unzufriedenheit ob der zunehmenden Körperfülle – aber lange vor dem eigentlichen „Klick“ – überkam mich der Wunsch, etwas völlig Absurdes zu tun. Ich brauchte etwas Radikales zum Abnehmen! Metabolic Balance hatte ich schon hinter mir, Weight Watchers (für die hab ich sogar mal gearbeitet, man glaubt es kaum!), Schlank im Schlaf, … und wie sie alle heißen. Dann fielen mir die Veganer ein. In meinen – damaligen – Augen ziemlich extreme, verschrobene Typen, die auf Körnern und Salatblättern kauten und ständig von Tierschutz schwatzten. Fragt bitte nicht, woher ich dieses Bild hatte – aber wenn ihr ehrlich seid, haben das einige von euch auch, oder?

Die Sache mit den Körnern und Salatblättern klang vielversprechend, da kann doch kein Mensch dick bleiben – und die wild wuchernden, langen Haare werden wahrscheinlich gleich mitgeliefert, so mein Gedankengang. Ich wollte immer schon lange Haare, hatte aber nie die Geduld dafür – aber mit veganer Ernährung klappte vielleicht sogar das! Zumindest bildete ich mir ein, dass sämtliche Veganer eine lange Hippiemähne hatten und den ganzen Tag barfuß rumlaufen. Interessanterweise genau das, was ich heute tue … Sollte mir das zu denken geben?

Nun musste ein Buch her. Damals war die Auswahl noch nicht so riesig – ich entschied mich für ein kleines grünes Buch im Querformat, das aussah wie eine kleine Ringmappe. Natürlich auf recyceltem Papier gedruckt. An den Namen erinnere ich mich  nicht mehr. Schön war‘s nicht, aber das war mir egal. Ich war bereit unter die Asketen zu gehen. Her mit Salatblättern und Sonnenblumenkernen! 

Zwei Wochen später war das Experiment vorbei. 
Dieses kleine Buch hätte erwartet, dass ich anfange zu kochen. In einer Küche. Ich! Niemals. Also ging ich den leichteren Weg und wurde für zwei Wochen ein sogenannter „Pudding-Veganer“. Ich deckte mich mit Sojapuddings ein, trank Schoko-Sojamilch und meine Hauptmahlzeiten bestanden aus Brot mit veganem Aufstrich und: Salat!

Nach zwei Wochen wog ich exakt gleichviel wie vorher und meine Haare waren auch nicht merklich länger geworden. Aber etwas hatte sich verändert: ich konnte weder Sojapudding noch Salat mehr leiden. So tat ich das einzig Richtige und schenkte das Buch meiner Mama (die es übrigens immer noch hat und begeistert daraus kocht und backt).

Achselzuckend kehrte ich in mein gemütliches Wurst-und-Käse-Leben zurück. Immerhin hatte ich es probiert. An die Tiere dachte ich dabei kein einziges Mal. So vergingen dann doch noch einige Monate, bis das Klicken der Veränderung wieder etwas lauter wurde. Und plötzlich lag es auf meinem Tisch: „Peacefood“ von Dr. Rüdiger Dahlke. Allein der Titel dieses Buches hatte so etwas Beruhigendes und Berührendes. Peace … Da waren sie wieder meine Hippies, barfuß mit wehenden Haaren, schlank und leicht wie eine Feder! Und ich begann, wieder zu träumen … leichtfüßig, barfuß durch die Gegend springend, Salatblätter kauend … das wäre doch …

Fortsetzung folgt. 

Diesen Artikel widme ich meiner Freundin Petra, die mich durch lange Telefongespräche immer wieder auf neue Ideen bringt.

Knall auf Fall vegan.


4 Kommentare

Klick im Kopf.

Geht es darum, nach dem Moment zu suchen, bei dem es bei mir „Klick“ machte, dann ist das nicht so einfach. Mit „Klick“ meine ich dieses Umschalten von „Ich bleib so wie ich bin und das ist gut so“ zu „Ich will was verändern. Ich will mehr. Und dabei gleichzeitig weniger werden.“

Es gab kein Auslösen des Klicks im Außen. Kein verstörendes Foto, keine geplatzte Hose, kein erschreckendes Spiegelbild – nichts. Ich war einfach ich. In einer zunehmenden Phase. Zugegeben, mit Höchstgewicht, aber auch die dreistellige Zahl, die in greifbare Nähe rückte, schockierte mich nicht grob. Ich hatte aufgegeben. Es war mir irgendwie egal. Aber nicht ganz.

So ein leises Klick war da schon. Innerlich. Kaum hörbar. Es gab da dieses Gefühl. Dieses „Eigentlich-bin-ich ganz-anders-nur-weiß-es-noch-keiner“-Gefühl. Ich habe darüber nie bewusst nachgedacht. Nur ab und zu hatte ich eben solche komischen Gedanken. Dass ich in Wirklichkeit gar nicht so dick sein müsste. Dass ich eigentlich anders gedacht bin. Schlank. Und schnell.

Lächerlich, wenn man sich das mit 98 Kilo (oder 110, oder 125 oder 80 – setzt ein, was ihr wollt) denkt. Aber im Nachhinein, wenn ich jetzt Fotos sehe, oder an die Zeit denke, in der ich soviel mehr war – da verstehe ich es. Es war so, als hätte ich einen Fettanzug an. Einen, den ich mir selbst angefuttert hatte. Ich fühlte mich niemals so dick, wie ich mich jetzt auf den Fotos sehe. Als hätte ich ein Kostüm an! Erst letzte Woche, als ich das Lauffoto vom Frauenlauf 2012 für euch auf Facebook gestellt habe, fiel ich beinahe ins Koma vor Schreck. Ich habe dieses Foto gekauft. Ein Jahr später. Letztes Jahr wollte ich es nicht haben, weil es mir nicht gefiel. Dieses Jahr musste ich es haben (zum Glück verliert das Internet nichts) – ich konnte nicht glauben, dass ich das war! Ich bin mit dem Computer zu meinem Mann gerannt und rief: „Schau dir das an! Schau! Dir! Das! An!“ Und er grinste nur und meinte: „Schatz, ich weiß wie du ausgesehen hast.“ Ich bekam beinahe Schnappatmung und brüllte: „Aber doch nicht SO!“

Ein paar Wehwehchen hatte ich damals schon, aber nichts Weltbewegendes. Kleidung bestellte ich mir im Internet in Übergröße („gefällt mir sowieso viel besser als der andere Kram, da sieht ja alles gleich aus“) und ich wurde überall gemocht, hatte Freunde, einen Job mit Anerkennung, einen Mann, der mich so nahm wie ich war – kein Grund sich zu verändern.

Und trotzdem wurde das Klick-Klick-Klick immer hörbarer. Ich wurde unruhig. Immer öfter dachte ich: „Irgendwas tut sich. Das war‘s noch nicht. Du bist nicht so. Du bist anders.“ Wo das herkam? Ich habe keine Ahnung, aber ich glaube, dass es dieser Gedanke war, der schlussendlich dazu beigetragen hat, dass ich heute 30 Kilo weniger habe und laufe.

Am 1.4.2012 wog ich 98,3 Kilogramm. Ich stand auf und fasste den Entschluss: Ich laufe einen Marathon! Ich weckte meinen Mann und warf ihm meinen Plan ohne Vorwarnung mitten in das noch verschlafene Gesicht. „Ok“, brummelte er. „Wann fangen wir an zu trainieren?“ Ich habe mich noch am selben Tag für den Viertelmarathon, der 6 Monate später stattfand, angemeldet und mit dem Training begonnen.

Das war mein Klick.
Genau auf dieselbe Art und Weise habe ich übrigens vor fast drei Monaten mit dem Rauchen aufgehört. Ich hatte wieder das Gefühl, dass was nicht passt. Das Gefühl, dass ich eigentlich keine Raucherin (mehr) bin. Das passte nicht mehr. Ich war jetzt eine Läuferin. Rauchen musste ich nicht mehr. Von heute auf morgen aufgehört und ich vermisse es kein Stück. Denn ich bin eine Läuferin.

Ich weiß nicht, ob dir das hilft oder ob das nur so ein „Klick-Ding“ von mir ist.

Aber vielleicht ist es nicht schlecht,  ab und zu in dich reinzuhören, um rauszufinden, ob du noch die Dinge tust und isst und in deinem Leben hast, die zu dir passen. Oder ob du eigentlich ganz anders bist.


Hinterlasse einen Kommentar

Dunkel war’s, der Mond schien helle.

In knapp 2 Wochen findet der 10-km-Vollmondlauf statt, an dem ich teilnehme. Ich frage mich gerade, wieso der Vollmondlauf heißt, denn es ist doch jetzt Vollmond. Kann doch nicht in 2 Wochen schon wieder sein. Oder hat sich was geändert? Haben wir mittlerweile alle 2 Wochen Vollmond und ich weiß es nicht? Ich hoffe doch, dass sich nur der Veranstalter verrechnet hat, was an sich schon etwas peinlich ist. Aber zum Wesentlichen: es ist dunkel, wenn ich laufe. Sehr dunkel, denn die gute alte Zeitumstellung kommt auch noch dazu ab nächstem Wochenende.

Der Anbieter schreibt vor, dass man mit Stirnlampe oder Taschenlampe ausgerüstet sein soll, außerdem mit Reflektoren. Da bin ich ziemlich gut ausgestattet – ich leuchte wie ein Alien im Dunkeln. Nun hat mir mein Mann ein Geschenk gemacht: einen LED-Lenser.

Man könnte auch sagen: eine Taschenlampe. Aber die ist schon besonders, sonst hätte er sie nicht gekauft. Diese seltsame Begeisterung für Taschenlampen hatte er schon immer. Wir haben Mag-Lites in jeder Größe und Form zuhause. Wozu man das in der Vielfalt braucht, war mir nie klar. Die einen sammeln Briefmarken … jeder hat seinen Spleen.

Ich dachte mir also: „Oh. Toll. Schon wieder eine Taschenlampe.“ Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Aber er versprach mir, dass es die beste Lampe für meinen Nachtlauf sein wird. Und am gleichen Abend wollten wir das unter Beweis stellen. Auf zum privaten Nachtlauf!

Ich mach jetzt mal kurz: der LED-Lenser ist wirklich der Knaller! Ich kann den Lichtkegel so breit stellen, dass er über die Wegbreite hinausleuchtet oder so klein, dass ich damit in 230 Meter Entfernung (Herstellerangabe) noch sehen kann, ob jemand am Waldrand steht. Und das bei beinahe taghellem Licht!

Das ist übrigens der Nachteil: niemals reinsehen – und Vorsicht bei entgegenkommenden Menschen oder Tieren, die werden heftig geblendet, wenn man nicht aufpasst.

Dann gibt es noch weitere Funktionen:

  • 50% gedimmtes Licht –  spart  Batterie (und blendet nicht mehr so, ist aber immer noch hell)
  • Blinklicht – praktisch, um auf sich aufmerksam zu machen
  • SOS-Zeichen – finde ich sehr wichtig, denn falls man alleine unterwegs ist und sich verletzt, kann man so (hoffentlich) Hilfe herbeirufen
  • Stroboskop – kennen manche vielleicht noch aus der Disco. Das Licht blitzt so schnell, dass man geblendet wird, wenn man auch nur ansatzweise reinsieht. Sowas wie Pfefferspray ohne Pfeffer. Man kann im Notfall jemanden blenden und bekommt so die Gelegenheit zur Flucht, denn für ein paar Sekunden sieht derjenige bestimmt nichts mehr. Außerdem hilft es bei angriffslustigen Tieren – wobei das einzige Tier, das wir beim Nachtlauf entdeckt haben, ein Marder war, der sich sofort versteckt hat, als er unser Licht sah (ohne Stroboskop natürlich).

Die Lampe gibt es in ungefähr 3474 verschiedenen Formen und Größen (ok, nicht ganz – aber so an die 20 werden es schon sein) und außerdem als Stirnlampe. Ganz günstig sind sie nicht – unsere Handtaschenlampe hat ca. 50 Euro gekostet und die Stirnlampe, die ich noch nicht habe, würde rund 65 Euro kosten (mit derselben Leuchtkraft wie die große). Hab mich natürlich über den Preis aufgeregt, denn bei Tchibo bekomme ich die Stirnlampe um 15 Euro. Daraufhin hat sich mein Mann über mich aufgeregt, denn er meint, das kann man nicht vergleichen und ich würde hier eine Anschaffung für’s (Läufer)-Leben tätigen.

Kleinlaut musste ich zugeben, dass die Tchibo-Lampe nicht 1/3 so hell macht wie der LED-Lenser (die hatte ich nämlich auf dem Kopf dabei und war geschockt, dass es nur noch eine kleine Funzel war im Vergleich). Ich werde die 10 Kilometer im Dunkeln sehr wahrscheinlich mit dem LED-Lenser laufen und bin mal gespannt, ob ich wenigstens das hellste Licht habe, wenn ich schon nicht die Schnellste sein werde 🙂