veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


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Brendan Brazier, die Küchenmaschine und ich

Brendan Brazier „Vegan in Topform – Das Kochbuch“

Vor einigen Wochen erschien Brendan Braziers zweites Buch auf Deutsch im Unimedica-Verlag: „Vegan in Topform – Das Kochbuch“.  Da Brendan ja bereits seit Erscheinen seines ersten Buches „Vegan in Topform“ (ebenfalls Unimedica-Verlag) ja sowas wie ständiger Gast in meiner Küche ist, musste ich natürlich auch dieses Buch lesen.

Was heißt hier „lesen“? Verschlungen haben ich es!

Im wahrsten Sinne des Wortes. Oder wenigstens so in etwa. Das Buch ist noch ganz, hat jetzt Flecken vom Kochen und Knicke vom Umblättern, aber das muss ein gutes Kochbuch wegstecken. Und das hat Mr. Brazier hier, meiner Meinung nach, eindeutig vollbracht: ein gutes Kochbuch.

Chiapudding

Eins vornweg: es wird immer wieder gefragt, ob man denn zuerst sein erstes Buch lesen sollte oder ob man gleich mit dem zweiten Buch beginnen kann. Ja, es ist möglich direkt mit dem zweiten Buch zu starten, denn Brendan erklärt das komplette Prinzip seiner Thrive-Diät im ersten, theoretischen Teil des Buches. Seine Theorie ist für mich sehr gut nachvollziehbar und – was mir am wichtigsten ist – sie ist für mich logisch. Ganz grob und in meinen eigenen Worten würde ich es so beschreiben:

Mein Körper hat mehr Energie zur Verfügung für Training & Regeneration, wenn er Nahrung bekommt, für deren Verdauung er nicht soviel Energie aufwenden muss.

Die genauen Hintergründe, lasst ihr euch am besten vom Meister selbst erklären – er schreibt wirklich so, dass man gut versteht, worum es geht. Er geht außerdem im Theorie-Teil auf die Auswirkungen einer rein pflanzlichen Ernährung auf die Umwelt ein. Und dann geht’s auch schon los!

Wirsing-Buchweizen-Wrap

Die Vielzahl an Rezepten ist unglaublich!

Ich glaube, ich könnte ohne weiteres 2 Monate aus diesem Buch kochen und jeden Tag was anderes essen, bis ich alle Rezepte einmal ausprobiert habe. Hier findet ihr Pancakes, Smoothies, Reisgerichte, Pizzas, Suppen, Gemüsegerichte, Energieriegel, Nachtisch, Snacks, Kuchen, … und vieles mehr.

Für mich als Fan der Brazier-Thrive-Diät ist es das reinste Schlaraffenland! Es sind teils aufwändigere Rezepte drin aber auch sehr viele, die wirklich ruck-ruck gehen, was mir persönlich sehr wichtig ist.

Ein kleines Manko

hat das Buch für mich und ich wäre sehr glücklich, wenn mir jemand diese Frage beantworten könnte: Lieber Brendan, lieber Verlag! Ihr schreibt immer von einer Küchenmaschine. Dieses Teil muss ja wahre Wunder vollbringen, denn scheinbar kann sie aus den trockensten Zutaten wie Nüssen, Kerne etc. einen Teig herstellen! Ich brauche unbedingt sowas in meiner Küche – nur leider ist mit keinem Wort erwähnt, was genau für ein Gerät damit gemeint ist. Also ihr Lieben, welches geheimnisvolle Küchengerät kann alle diese Wunder vollbringen, die im Buch dargestellt werden?

Ich hab mich in dem Fall dann immer mit meinem alten Pürierstab abgemüht. Hat auch funktioniert. Ginge aber bestimmt bequemer. Für alles, was flüssiger ist, benutze ich meinen Vitamix und bin glücklich damit. Vom Equipment her, kommt ihr also mit einem Stabmixer/Mixer durch – es gibt eine Handvoll Rezepte, die nach einem Dörrapparat verlangen, teils wird aber auch die Alternative der Zubereitung im Backofen angeboten.

Coole-Kokos-Orangenschnitten

Worin dieses Buch (wie auch das letzte Buch) unschlagbar ist:

es macht mich satt, zufrieden und glücklich wie es bisher kein anderes Kochbuch bzw. keine andere Ernährungsform geschafft hat. Brendans Rezepte schaffen es, dass ich kaum mehr Heißhunger habe. Kein Verlangen mehr nach anderen Süßigkeiten als Datteln und Obst.

Bauchschmerzen, Völlegefühl oder den Drang, sich vollzustopfen – gibt es nicht bei diesen Rezepten. Ich fühle mich zu 100% gut ernährt, wenn ich nach seinen Prinzipien koche und esse. Wie ihr wisst, trainiere ich rund 6 x die Woche (Laufen & Krafttraining) – und ich habe das Gefühl, wirklich optimal versorgt zu sein. Keine Hungerlöcher – dafür ein kontinuierlich gutes Gefühl beim Sport.

Deswegen  bekommt auch jeder, der mir schreibt und sich über Schokofrust und Heißhungerattacken beschwert, den Tipp, sich Brendans Bücher zu besorgen. Ich kenne nichts Vergleichbares und bin froh, endlich eine Ernährung gefunden zu haben, die mich zufriedenstellt.

Hier geht’s zu einer Leseprobe (inklusive Rezepten)direkt beim Verlag und ich würde euch auch ans Herz legen, das Buch direkt beim Verlag zu bestellen, denn obwohl ich in Österreich wohne und das Buch aus Deutschland kam, wurde ich noch nie so schnell beliefert. Außerdem arbeiten dort lauter nette Menschen, die äußerst freundlich und schnell auf e-Mails reagieren. Und außerdem gibt es dort einen Shop, wo ihr euch z.B. Hanfprotein bestellen könnte – und alles, was ihr sonst noch in dem Buch findet, und nicht wisst, wo man es besorgen kann – dort bekommt ihr es.

Buchweizen-Sonnenblumen-Pizza

 


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Experimente

Ein ziemlich schlauer Mann, genau genommen Alf Ramsey, hat mal gesagt:

Never change a winning team!

Und er hat ja sowas von recht damit. Vor einiger Zeit beschloss ich, mich mit Brendan Brazier zusammen zu tun. Morgens, mittags, abends haben Brendan und ich zusammen gekocht. Bin ich gelaufen, habe ich anschließend auf Brendans Empfehlung hin meinen Regenerationsdrink gemixt. Meine Energie bezog ich aus seinen Energieriegeln und auch sonst waren wir ein wirklich gutes Team. Alles spitzenmäßig!

Dann hatte ich die Idee, dass es immer noch ein wenig besser gehen könnte. Und schließlich mache ich ja jetzt auch Krafttraining, da brauche ich viel mehr Eiweißquellen und muss ganz andere Dinge essen – Brendan reichte nicht mehr aus. Dachte ich. Und schickte ihn für 2 Wochen auf Urlaub.

Diese 2 Wochen waren voll mit Vollkornnudeln, Sojadrinks und -joghurt, Tofu und dem Zählen von Eiweiß und Kalorien. Dazu gesellten sich Bauchschmerzen, Völlegefühl, ein Blähbauch,  lähmende Müdigkeit, Unlust auf so ziemlich alles und Frust. Frust, das ich nicht das essen konnte, worauf ich Lust hatte, weil mein „Plan“ es nicht erlaubte. Wehmütig dachte ich an meinen alten Trainingspartner zurück …

Seit dieser Woche ist er endlich wieder aus dem Urlaub zurück und wir kochen, essen und trainieren wieder gemeinsam. „Vegan in Topform“ sozusagen! Ich futtere wieder Trockenfrüchte, esse Pseudogetreide, Hanfprotein, backe Cracker und Pizza aus Kernen und Samen und Pancakes aus Buchweizenmehl, die ich dann mit Nussmus und Banane esse, trinke „fette“ Smoothies und fühle mich wohl in meiner Haut.

Und das Miststück? (wer es vergessen oder überlesen hat: Das ist meine Waage). Die freut sich auch. Es geht bergab mit ihr – freiwillig hat sie 1 kg herausgerückt (das ich mir übrigens vorher draufgefuttert habe dank zuvieler Lebensmittel, die ich einfach nicht vertrage).

Notiz für mich selbst: Wenn es mir gutgeht, muss ich nicht zwingend etwas suchen, von dem ich glaube, dass es mir damit noch besser gehen könnte. Einfach mal zufrieden sein, mit dem was man hat bzw. is(s)t. Ist doch ganz einfach, oder?

Keep calm!


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Judith’s ganz spezielle Spezialbratkartoffeln

War heute im Bio-Laden und hatte Lust auf Süßkartoffel. Und Bratkartoffeln.

Zuhause dann in Windeseile ganz spezielle Superbratkartoffeln mit Soße gemacht. Kann ich euch nicht vorenthalten. Warum schreib ich so kurz und abgehackt? Weil sie neben mir stehen und gegessen werden wollen. Wieso esse ich nicht zuerst? Weil ich dann nicht mehr weiß, was alles drin war. 😉

Legen wir los:

  • 2 kleine Süßkartoffel
  • 1 Fenchel
  • 1 kleine Zucchini
  • 1 Handvoll Champignons (oder andere Pilze)
  • 1 großer EL Kokosöl

Pfanne warm werden lassen, Kokosöl drin schmelzen. Süßkartoffel schälen und mit einem Hobel in dünne, dünne Scheiben hobeln. In das Öl geben. Passt auf, dass sie nicht in Schichten übereinander liegen – dann lieber 2 x hintereinander braten, wenn nicht alle Scheibchen einen Extraplatz in der Pfanne haben. Dauert nur ein paar Minuten bis sie dunkelorange werden und anfangen zu knuspern. Wenn alle eine gute Farbe haben kommt der Fenchel dazu. Der wird natürlich auch in ganz hauchdünne Scheibchen geschnitten (wer vorher noch nie einen gegessen geschweige denn verarbeitet hat: denkt dran, den Strunk rauszuschneiden). Zucchini mit dem Hobel auch in dünne Scheibchen verzaubern und ab in die Pfanne. Die Pilze schneiden oder mit den Fingern zerrupfen und dazugeben. Immer wieder umrühren, damit auch alles Wärme abkriegt. Salzen und pfeffern nach Geschmack. Ich hab außerdem ein Bratkartoffelgewürz mit Kümmel drangegeben.

Ich hatte zum Glück noch eine fertige Hefe-Schmelz-Soße daheim, die ich nur drüberkippen musste. Gehe davon aus, dass ihr das momentan nicht im Kühlschrank habt, deswegen:

  • Wasser
  • ein paar EL Hefeflocken
  • ein paar EL Sonnenblumenkerne
  • etwas Balsamicoessig
  • Paprikapulver
  • Salz
  • Pfeffer

und was euch sonst noch so einfällt (habe auch schon Pilze mitgemixt und Paprika und solche Dinge) durch den Mixer jagen. Ich hab keine Mengenangaben dabei, weil ich das nie abmesse. Ich geb es nach Gefühl in den Mixer und wenn mir die Konsistenz gefällt, dann passt’s! Normalerweise wird die Soße separat in einer Pfanne eine Zeitlang leicht geköchelt, damit sie eindickt, aber wenn ihr sie über die Bratkartoffeln gebt, reicht das auch.

Wie lange das Ganze dauert, weiß ich nicht, hab nicht auf die Uhr gesehen (ich hatte Hunger). Ausprobieren.
Schmeckt jedenfalls grandios! Finde ich.
Feedback erwünscht, falls sich jemand traut das Chaos-Rezept nachzukochen 🙂

Mahlzeit! 

Spezialbratkartoffeln


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Kakaobohnen-Kick!

Heute gibt es mal wieder ein kreativ-chaotisches Rezept für euch. Es entstand gestern Abend, wie üblich, ganz spontan. Frau Veganmarathon hatte Lust auf was Süßes. Auf etwas Schokoladiges. Grundsätzlich habe ich solche Dinge aber gar nicht im Haus (aus gutem Grund). Selbst ist die Frau!

Im Schrank entdeckte ich ein Päckchen rohe Kakaobohnen, die ich kürzlich geschenkt bekam. Was macht man denn eigentlich damit? Google hilft und ich wurde fündig. Und erschauderte vor Ehrfurcht! Diese kleinen, unscheinbaren Böhnchen schienen wahre Kraftstoff- und Vitalpakete zu sein.

  • reich an Magnesium
  • reich an Chrom
  • reich an Antioxidantien
  • reich an Glücksbotenstoffen wie Phenylethylamid und Anadamid
  • reduziert Appetit
  • steigert Energie und Wohlbefinden
  • hilft dabei, sich jung zu fühlen

Na, wer möchte das nicht? Lange Rede, kurzer Sinn – hier mein Rezept, macht es euch am besten gleich zum Frühstück. Ist lecker!

  • 1 kleine Handvoll Kakaobohnen (in einer Kaffeemühle mahlen)
  • 1 Banane
  • 2 getrocknete Feigen
  • 2 getrocknete Datteln
  • 1 EL gemahlener Leinsamen
  • Wasser

Alles zusammen im Mixer pürieren – Wasser soviel zugeben wie ihr es mögt. Wenn ihr nur so 150 – 200 ml dazugebt, wird es ziemlich dickflüssig und ergibt eine Creme zum Löffeln für den Nachtisch. Mit mehr Wasser wird es ein schöner Smoothie, den man gut trinken kann. Reicht für 1 – 2 Personen. Kommt drauf an, wie ungesättigt diese eine Person ist.

Kakao-Kick


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vegan, gesund, läuft.

Die letzten 48 Stunden vor dem 10-Kilometer-Nachtlauf brechen an und anstatt mich meiner Unruhe hinzugeben, genieße ich den heutigen Ruhetag mit Yoga und dem Administrieren und Moderieren meiner Facebook-Seite.

Himmel, Yoga ist anstrengend! Nix für Weicheier, sag ich euch. Aber danach bist du mindestens 5 Zentimeter länger. Länger, nicht breiter!

Aufgrund aktueller Anfragen möchte ich heute mit euch meinen Speiseplan teilen. Eine Frage lautete nämlich:

„Was isst du? Vegan heißt ja nicht per se gesund“

Richtig. Hab ich auch nie behauptet. Und wer meinen Blog verfolgt, der erinnert sich, dass meine Anfänge alles andere als gesund waren.

Etwas möchte ich an der Stelle noch einwerfen: Nicht-vegan zu essen bedeutet übrigens auch nicht automatisch gesund. Komischerweise denken das viele.
Ich wäre noch nie auf die Idee gekommen, mein omnivores (allesessendes) Gegenüber nach seinem letzten Blutbild zu fragen oder mal nachzuhaken wie‘s denn aussieht in puncto Mangelernährung. Seit ich erwähne, dass ich mich vegan ernähre werden mir diese Fragen regelmäßig gestellt. Interessant. Im Umkehrschluss müsste ich also davon ausgehen, dass sich jemand der Milchprodukte und Fleisch isst (gerne auch in Form von Pizza, Burgern & Co. – denn danach fragt komischerweise keiner) von Haus keine Sorgen um seine Nährstoffe machen muss.

Ok. Ich halte es hier schriftlich für die Nachwelt fest: mein letztes Blutbild war tiptop. Und ja, ich habe tatsächlich eines machen lassen! Ihr auch? Ich gehe davon aus, dass ich mich einigermaßen gesund ernähre, sonst würde mir das mein Blut wohl mitteilen.

Was isst jetzt also so ein gesunder Veganer? Ehrlich, alleine das klingt doch schon abschreckend. Ich werde mir ein anderes Wort suchen.

Die Worte „gesund“ und „vegan“ klingen doch schon nach „schmeckt nicht“.

Ich ernähre mich also nicht gesund, sondern so dass es schmeckt. Und so, dass ich optimal mit allem versorgt bin was ich zum Atmen und Laufen brauche. Und so, dass es mich nicht dick macht. Prioritäten müssen sein!

Da ich grundsätzlich faul bin am Morgen, gab es heute früh einen Smoothie mit Bananen und Orangen = Frühstück. Kurze Zeit später war ich wieder leicht hungrig und verspeiste zwei große Handvoll Maroni. Warum? Weil‘s schmeckt. Und weil ich sie schon fertig daheim hatte. Also könnte man auch sagen aus reiner Faulheit.

Im Moment köchelt ein Töpfchen Quinoa vor sich dahin auf dem Herd. Wieso esse ich Quinoa und was ist das überhaupt? Es ist ein Pseudogetreide mit ziemlich viel Eiweiß. Brauch ich für meine Muskeln. Schmeckt gut. Geht schnell. Nicht komplizierter als Nudeln kochen. Wieso esse ich dann keine Nudeln? Zuwenig Eiweiß und macht mir Heißhunger.

Was wird‘s noch geben? Hab noch fertige Cracker aus Linsen und Kichererbsenmehl daheim (selber gemacht). Wieso esse ich das? Weil‘s sensationell schmeckt und wiederum Eiweiß und andere schöne Dinge beinhaltet. Außerdem weil sie da so rumliegen und eh wegmüssen.

Dazu gibt es eine Soße, die ich aus Hefeflocken, Sonnenblumenkerne, Gewürzen und Wasser gemacht habe. Warum esse ich so etwas Seltsames? Weil‘s besser schmeckt als es klingt und außerdem B-Vitamine und Eiweiß bringt. Außerdem passt es sensationell zu den Crackern.

Vielleicht, wenn ich einen ganz wilden Tag habe, brate ich mir noch einen Haufen Gemüse wie Zucchini, Pilze und Paprika ab und kippe 1-2 Löffel Kürbiskernmus drüber. Warum? Einfach nur lecker.

Salat werde ich heute noch machen. Warum? Weil ich jeden Tag was Grünes esse und weil er dringend gegessen werden muss. Sonst kommt er in den Kompost und das wäre schade – dann lieber einen Umweg über mein Verdauungssystem.

Dann gibt es heute garantiert noch Datteln. Warum? Weil ich die jeden Tag esse. Wieso? Weil sie besser schmecken als jede Schokolade und was Süßes brauche ich. Außerdem geben sie schnell Energie. Und allein dafür liebe ich diese kleinen, braunen, nicht besonders hübschen Dinger.

Gibt also schon ein paar Sachen, die ich wegen ihres Nährwerts esse. Schmecken müssen sie trotzdem. Darüber habe ich mir früher noch nie Gedanken gemacht, als ich noch alles gegessen habe.

Mein Fazit daraus ist: Egal, ob ich Allesesser bin oder Pflanzenesser – will ich mich gesund ernähren, dann komme ich nicht drumrum mich zu informieren und meine Ernährung ein wenig zu planen.

Denn die wenigsten Menschen, die ich kenne, höre ich sagen: „Ich habe heute viel zu wenig Tryptophan zu mir genommen – ich muss dringend noch ein paar Cashewnüsse essen!“ Im Gegenteil, die meisten wissen nicht mal, was das ist. Ich schon.


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Low-Carb-Rohkost-Basenüberschüssige-Supernahrung, oder was?

Vor lauter Euphorie über meinen 10-km-Lauf hab ich wohl vergessen, dass auch angehende Läufer zwischendurch was essen sollten. Mein Kühlschrank war leer. Bis auf eine Portion Reis, ein bisschen Obst, eine halb zerdrückte Paprika und eine Sojasahne, die verschlossen und mit eiserner Miene seit Monaten auf ihren Verzehr wartete, war nicht allzuviel vorrätig.

Da stellte sich mir dann doch die Frage: wie ernähre ich mich überhaupt? Klar, in jedem Fall vegan, aber gibt es einen Trend? Bin ich ein Rohköstler? Esse ich kohlenhydratreduziert und bin ein Low-Carbler? Oder doch eher ein Clean Eater? Achte ich auf meinen Säure-Basen-Haushalt? Gibt es ein Konzept nach dem ich lebe?

Eigentlich gab es jahrelang immer irgendein Konzept nach dem ich lebte. Mal war es Weight Watcher’s fröhliches Punktezählen oder ich hielt metabolische Balance. Mal wurde ich schlank im Schlaf (was irgendwie nie so richtig funktionierte, obwohl ich extra viel geschlafen habe – denn dann kann man schon nicht essen), mal trennte ich die Speisen auf meinem Teller in Kohlenhydrate und Fette und Eiweiß. Eine Zeit lang war das auch alles ganz LOGIsch. Aber immer kam nach ein paar Wochen der Punkt, an dem ich alles in Frage stellte. Und vor allen Dingen hatte ich irgendwann keine Lust mehr, einem Konzept zu folgen. Vor allem, wenn es nicht mein eigenes war. Immer aufschreiben, was du isst? Immer alles grammgenau abwiegen? Abends keine Kartoffel, wenn alles was du auf dieser Welt haben willst, genau diese eine Kartoffel ist?

Zum ersten Mal bin ich nun seit einigen Tagen konzeptlos und ohne Aufschreiben unterwegs. Einerseits ist das sehr befreiend. Andererseits seltsam. Ich weiß oft nicht, was ich essen möchte und experimentiere viel – und nein, es ist nicht alles toll! Ihr kriegt nur die tollen Sachen zu sehen – die nicht so tollen kriegt mein Mann zum Probieren, dessen Urteil meist eintönig ausfällt. „Hm.“

Ich kämpfe mich also durch die Konzepte, suche meinen eigenen Weg durch den veganen Ernährungsdschungel und kann zumindest ein paar Dinge zusammenfassen, die mir für meine Ernährung wichtig sind und passen:

  • meine Ernährung ist vegan
  • meine Ernährung besteht zu einem wachsenden Teil aus Rohkost, derzeit etwa 40-50%
  • meine Ernährung mag ich oft basisch (d.h. vorrangig Obst & Gemüse, kleine Portionen Nudeln, Reis, etc.)
  • meine Ernährung besteht aus möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln
  • meine Ernährung kommt gut ohne herkömmlichen Zucker und Weißmehl aus

So sieht es momentan aus. Ich glaube, wenn ich ein Konzept oder einen Namen dafür bräuchte, trifft es am ehesten der Begriff „Clean Eating“. Aber ich glaube, das ist auch mehr eine Art der Ernährung als ein Konzept. Von mir aus auch ein Lifestyle. Ich mag mich selbst ja auch am liebsten natürlich und ungeschminkt. Warum sollte mein Essen dann anders sein?

Der Tag heute lief dann wie folgt ab – und den zähle ich teilweise durchaus, zwecks mangelndem Kühlschrank und Vorratsschrank-Inhalt zu den 5 miesen Prozent dazu:

Frühstück: 

Zwetschgen-Banane-Zimt-Smoothie (der war noch 100% genial)
Rest Naturreis angebraten, mit einem Schluck Reissirup und Zimt (ging ja auch noch gerade so …)

Mittags:

Vollkornnudeln mit Paprika und Zwiebel angebraten in Olivenöl, abgelöscht mit der äußerst verschlossenen Sojasahne
– das war für mich schon fast ein bisschen wie Fast Food – machte mich übrigens auch nicht satt.

Und da es so nicht weitergehen konnte, beschloss ich, die umliegenden Obstbauern am Bodensee zu unterstützen und was für meine Vorratshaltung zu tun. Nun habe ich also Erdmandelmüsli im Schrank, das ich nur heiß aufgießen muss, dazu Unmengen an Zwetschgen, Marillen, Äpfel und Pfirsiche. Außerdem frischen Kopfsalat, Zucchinis und Radieschen.

So geht’s dann halt weiter im Lern-Modus: Als jahrelang diätgeschädigte Jojo-Frau musst du das erst mal auf die Reihe bekommen, dass dir keiner sagt, was du essen sollst. Bisher endete das immer in 3-4 Kleidergrößen mehr. Aber diesmal nicht. Denn inzwischen bin ich eine Läuferin.

Und Läufer essen nun mal gute Dinge. Dann wenn sie Hunger haben. Hören auf damit, wenn sie satt sind und wissen genau, was der Körper jetzt braucht – und was er braucht, um 100 Kilometer Ultramarathon durchzustehen. Zumindest bilde ich mir das ein und habe es als Ziel für mich auserkoren, was meinen Speiseplan angeht.

Falls ihr mal was für den süßen Zahn braucht und das verdammt schnell, kann ich übrigens eines wärmstens empfehlen:

1 Medjoule-Dattel
1 TL Mandelmus
– beides in Rohkost-Qualität, wer mag –

Die Dattel halbieren, Kern raus und die Dattel mit dem Nussmus füllen. Gibt fast nix, was besser schmeckt.
Außer vielleicht … die Rohkost-Schokolade-Creme mit Kokosöl, also die ist schon mega … ich glaube, dafür hab ich noch alle Zutaten da. Ich bin dann mal weg!
Mahlzeit.

Pflanzentreibstoff


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Laufen mit rohem Pflanzentreibstoff

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich zu Übertreibungen neige?

Meist – nicht mehr immer, denn ich versuche, es mir abzugewöhnen – bin ich ein 100%-Mensch. Ein Ganz-oder-Gar-Nicht-Typ. Die Entweder-Oder-Fraktion.

Das ist toll für deinen Arbeitgeber. Und auch für deinen Lebenspartner. Möglicherweise noch für deinen Autoverkäufer, der sich sicher sein kann, dass auch der nächste Wagen wieder bei ihm gekauft wird, denn schließlich identifizierst du dich mit der Marke.

Nicht ganz so toll ist es, wenn du mit Übergewicht anfängst 5x die Woche zu joggen. Oder, wenn du ohne Vorlaufphase, einen Rohkosttag einlegst an dem Tag, an dem du den längsten Lauf deiner bisherigen Karriere eingeplant hast. Könnte im ersten Fall zu einer Hüftsehnenentzündung führen, die ein mehrmonatiges Laufverbot nach sich zieht. Im zweiten Fall könnte es zu bösen Bauchschmerzen führen, die den Lauf zur Qual machen – und zwar 70 min. lang.

Ich möchte mich heute etwas kürzer fassen als gewohnt, denn mein Magen ist immer noch böse auf mich. 2 Dinge möchte ich euch aber mitteilen:

1. Keine grünen Smoothies 60 min. vor dem Lauf, wenn ihr den Stoff nicht gewohnt seid.
2. Es bringt nichts, den Körper zu überfordern. Wenn nix mehr geht, dann geht nix mehr. Wenn du das ignorierst, wird bald für sehr viel länger nichts mehr gehen. 

Ansonsten gibt es heute nicht mehr viel zu sagen – außer dass der grüne Smoothie und ich keine Freunde werden. Auch ohne Bauchschmerzen nicht. Ich bleibe bei Bananen-Nektarinen-Smoothies mit Cacao-Nibs. Und ich habe heute einen Rohkost-Blog entdeckt, der das Potential zum Lieblings-Blog & zur Rezeptschatzkiste hat – „Nordisch Roh“. Heute habe ich daraus den „Coleslaw“-Rohkostsalat gemacht. Alleine das Dressing ist ein Gedicht! Ob ihr jetzt vegan seid oder nicht, Rohköstler oder nicht – völlig egal: MACHT DIESES DRESSING! Hier geht’s zum Rezept. 

Und wenn ihr die Möglichkeit habt: Esst frische Feigen! Esst sie einfach. Sie machen glücklich.