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aus dem laufalltag eines turtlerunners

Die Null-Bock-Woche

4 Kommentare

Trainingspläne sind was Schönes. Besonders wenn sie zu Ende sind. Denn dann folgt regelmäßig das, was ich die Null-Bock-Woche nenne. In dieser Woche (oft sind es auch zwei am Stück), darf und soll ich frei und ohne Plan tun, was mir Spaß macht. Ich kann laufen, wie und wann ich will, so schnell ich will – soll aber auch andere Dinge tun wie Radfahren, Schwimmen oder was auch immer. Diese Phase folgt meist auf ein intensives Trainingsplan-Ende, das in irgendeinem fantastischen Lauf gipfelte. Im Winter war das der Silvesterlauf – im Frühjahr war das mein Trainingshalbmarathon gefolgt vom WOW-Frauenlauf.

Nach so einem Gipfel soll also die Spaß-Fun-Run-Woche kommen. Bei mir ist das nicht so. Bei mir kommt nach dem Gipfel das tiefe Tal. Aber sowas von tief. Bereits zum zweiten Mal erlebe ich, dass mir auf einmal überhaupt nichts mehr Spaß macht. Ich hab keinen Bock zu laufen, keinen Bock zu radeln (liegt vielleicht daran, dass ich gar kein Rad habe), keinen Bock zu schwimmen, keinen Bock aufzustehen, nicht mal richtig Bock auf Essen. Meine Grundstimmung ist in dieser Zeit hochexplosiv und im Allgemeinen sehr fragwürdig. Innerhalb von Sekunden sind Umschwünge möglich und zu erwarten. Man könnte auch sagen: ich geh mir grad tierisch selber auf den Keks!

Und in dieser wunderbaren Gemütsverfassung passierten kürzlich zwei Dinge, die mich mal wieder aus der Fassung brachten.

Ich wurde von meinem Trainer nach neuen Zielen gefragt.

Tja, das warf mich dann schon ziemlich aus der Bahn. Denn irgendwie hab ich ja schon alles gemacht, was ich mir für dieses Jahr so vorgenommen habe. Ich bin sogar schon Halbmarathon gelaufen – zwar nur im Training, aber das zählt auch. Zumindest für mich. Klar, der nächste HM soll dann ein Wettkampf sein im September. Hab ich dafür Ziele? Und wenn ja, was für welche? Nach einiger Zeit des Überlegens wurde mir klar, dass es mir eigentlich völlig schnurzpiepsegal ist, in welcher Zeit ich diese 21.1 Kilometer laufe. Darf man das eigentlich laut sagen?

ES IST MIR SOWAS VON VÖLLIG SCHNURZPIEPSEGAL, OB ICH FÜR 21,1 KILOMETER 2 STUNDEN ODER 3 STUNDEN BRAUCHE!

Das was ich will, ist ein schöner Lauf. Ein Lauf bei dem ich noch lachen kann, mich gut fühle, mich anstrenge, alles unter Kontrolle habe, gut aussehe und nicht abgehetzt – und atmen kann. Ja, atmen wäre auch nicht schlecht.

Und wenn ich den Gedanken weiterspinne, dann würde ich das gerne auch von einer Marathondistanz und mehr behaupten können. Fassen wir es zusammen: ich möchte stundenlang und über zig Kilometer in meinem Feelgood-Slow-Turtle-Tempo, das derzeit bei rund 8 km/h liegt, laufen können, die Natur, die Menschen und den Lauf genießen. Mich wohlfühlen, mich verausgaben auf die Distanz gesehen, mich bewegen.

Ist das jetzt ein Ziel?

Vermutlich. Wenn auch nicht unbedingt eins, das man von einer Läuferin erwartet. Denn diese Woche bekam ich via Instagram eine Nachricht zu meinem Finisher-Foto vom Viertelmarathon. Der Gute hat versehentlich gemeint, ich wäre tatsächlich einen ganzen Marathon gelaufen und ratet mal, welche Frage er mir als erstes gestellt hat?

Wie lang hast du dafür gebraucht?

2013: Glücklich nach 12 Kilometern!

… und ich kann mich nur wiederholen: Auch beim Marathon, der auch nur eine Etappe auf dem Weg zu mehr ist, ist es mir wirklich sowas von völlig egal, wie lange ich dafür brauche – solange ich mir diesen Gesichtsausdruck beim Laufen bewahren kann, habe ich alles richtig gemacht.

So, und jetzt wird das Ende der Null-Bock-Woche eingeläutet!

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Autor: Judith Riemer

Ehemals diätgeschädigte Jo-Jo-Expertin mit einer riesigen Abneigung gegen Sport und Bewegung aller Art. Der Schrecken aller Turnlehrer und zuverlässige Einnahmequelle der Diätindustrie. Bis sich 2012 über Nacht alles änderte. Ein Bild im Traum und die Reise begann. Ich begann zu laufen, stellte meine Ernährung um und verlor im Laufe der Zeit rund 30 Kilo Übergewicht. Erfahrungsgemäß gehe ich als eine der letzten Läuferinnen ins Ziel, was mir den Spitznamen "Turtlerunner" einbrachte. Nach wie vor bin ich untalentiert in Sachen Sport, aber inzwischen liebe ich es, mich zu bewegen. Und weil du das auch kannst, schreibe ich hier und helfe dir, wo ich kann.

4 Kommentare zu “Die Null-Bock-Woche

  1. Jaja das kenn ich. Hatte gerade meinen ersten Wettkampf. Zwar nur 5 km war aber recht schnell. Hab kurz vor dem Wettkampf gemerkt das ich mir mit meiner Zeit einfach zu viel Druck gemacht hab und bin dann einfach ohne Uhr gelaufen und es war gut. Jetzt stellt sich aber auch mir die Frage was soll ich mir ohne Zeitziel vornehmen? hab mich jetzt nach 2 wöchiger Pause dafür entschiedn die nächsten Wettkämpfe sausen zu lassen und erstmal Abenteuer Sport (das heißt bei mir Mountainbiketouren mit Ziel ohne vorgebenen Weg oder eben auch Läufe) den Vortritt zu lassen. Eben ein wenig erleben was am Sport eigentlich so toll ist und warum ich Ihn eigentlich betreibe. Mal schaun wies wird und ob ich danach wieder Bock auf Wettkampf hab.
    Liebe Grüße,
    Christian

    • Klingt gut, Christian – ich denke, hin und wieder weg von ZDF (Zahlen, Daten,Fakten) zurück zum Körpergefühl – das bringt einen schon wieder auf die richtige Spur. Und man weiß hinterher wieder, wieso man eigentlich mal damit angefangen hat zu laufen, zu radeln, etc. Ich werde die kommenden Wettkämpfe weder als Wettbewerb noch als Kampf ansehen – und dann schauen wir mal, wie es so läuft 😉 LG Judith

  2. Soso, die hast Ziele auf dem Weg zum Ultralauf? Ja, warum eigentlich nicht? Entspannter und lockerer und vor allem ganz ohne Zeitdruck ist es allemal 🙂
    Und ja, ich darf auch mal ganz ohne Zahlen, Zeiten und Fakten gehen. Sonst würde es ja keinen Spaß machen!

    • Die Ziele sind schon so eine Sache, Markus 🙂 Ich muss ab und zu mal „Reset“ drücken, um zu prüfen, ob es eigentlich noch meine Ziele sind, die ich verfolge. Ja, und jetzt momentan stimmt’s wieder. Dann kommt der Spaß zurück. LG Judith

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