veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners


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Turtlerunner 2.0

Was für ein grandioser Tag! Dabei gäbe es gleich mehrere Gründe, ihn überhaupt nicht zu mögen:

  1. es regnet wie aus Kübeln
  2. ich habe heute Matheunterricht
  3. ich habe heute Deutschunterricht und verweigert, die Hausaufgabe zu machen
  4. ich habe heute Ruhetag = kein Training!

 

An Ruhetagen bin ich meist etwas, sagen wir mal: unausgeglichen. Aber heute war ein besonderer Ruhetag.

Der Tag meiner 3. Leistungsdiagnostik seit Beginn meiner Läuferkarriere

Kurzer Überblick zum bisherigen Verlauf: 2012 im Juni startete ich mit ärztlicher Untersuchung, Rundum-Check und Leistungsdiagnostik bei rund 96 Kilogramm und mit relativ voluminösem Ausmaß. Ergebnis: eine kleine Katastrophe. Vereinbarung lautete: Walken, walken, walken – Grundlagenausdauer aufbauen.

Zeitsprung ins Jahr 2013 – Juli: inzwischen 25 kg leichter, ohne nennenswertes Training, da ich verletzungsbedingt pausieren musste, fand die 2. Diagnostik statt – Ergebnis: ernüchternd bis niederschmetternd. Trotz Gewichtsabnahme war ich nicht wesentlich fitter geworden. Wieso auch? Naja, ich hätte mir schon erwartet, dass das im Gesamtpaket irgendwie enthalten wäre à la „25 kg weniger, dafür 5 km/h schneller“. Aber so funktioniert das leider nicht. Weitere Vereinbarung: walken, walken, walken, max. 1 x pro Woche 30 min. laufen wegen der immer noch gefährdeten Hüftsehne, Grundlagenausdauer aufbauen!

Brav und stur wie ich bin, habe ich mich daran gehalten. Und heute, 8. April 2014, fand die 3. Leistungsdiagnostik im Diagnostikzentrums meines Vertrauens statt. Diesmal mit Markus, der mich bereits die letzten beiden Male schon gequält … äh, begleitet hat und Assistent Rainer. Rainer stellte kurz vor Beginn des Laufbandabenteuers fest, dass etwas nicht stimmte. „Du bist schon die Judith, oder?“ wollte er wissen. Soweit mir bewusst war, hatte sich zumindest daran nichts geändert. Ich nickte. „Da stimmt was nicht“, murmelte er. Ja wie denn? Jetzt schon? Das bei mir so manches nicht stimmte, war mir im Verlaufe der letzten beiden Jahre immer wieder deutlich bewusst geworden, aber jetzt lief das Laufband noch nicht mal! „Auf dem Formular steht zwar dein Name, aber beim Gewicht steht 96 kg. Das kann nicht sein!“ HA! Stimmt, das kann nicht sein. Nicht mehr. Markus meinte dazu: „Ja, das war einmal! Heute wird uns Judith mit sensationellen Leistungen überraschen!“

Setzte mich kaum unter Druck. Meine größte Sorge war nämlich, dass sich schlicht und ergreifend gar nichts verändert hat seit letztem Jahr. Klar, ich war weitere 5-6 kg leichter und trainierte wie jemand, dessen Lieblingsbeschäftigung das Laufen war, aber bei meinem verrückten Körper muss man sich auf alles gefasst machen. Dann ging’s los. Markus und Rainer hatten sich die Rollen derweil aufgeteilt in „guter Cop“ und „böser Cop“. Rainer, stoppte die Zeit und kümmerte sich um mein Wohlbefinden („du hast schon die Hälfte geschafft“ – „wie anstrengend ist das auf der BORG-Skala“ – „Alles ok?“), während Markus der Mann mit der Nadel war. Und die mit den Nadeln sind immer die Bösen. Alle 3 Minuten wurde mein Ohr gepikst und das Laufband um 1 km/h schneller gestellt. (Anm.: in Wirklichkeit waren natürlich beide, Rainer und Markus, sehr nett :))

Bei 9 km/h meinte Markus: „Da hast du letztes Jahr das Handtuch geworfen. Aber heut geht schon noch was, oder?“ Ja, aber wie da noch was geht, keuchte ich in Gedanken. Und rannte. Versuchte, dabei noch halbwegs elegant auszusehen.

Bei 10 km/h war mir das dann schon nicht mehr ganz so wichtig.
Bei 11 km/h fragte ich mich, wen zum Teufel es interessierte, wie man beim Laufen aussah.
Bei 12 km/h war mir klar: mich nicht!

Denn da war Ende. Zum ersten Mal für mich eine Schallmauer durchbrochen. Laufen im 2-stelligen km/h-Bereich. Das Endergebnis so toll wie Geburtstag und Zieleinlauf zusammen. Sämtliche Pulsschwellen haben sich nach oben verschoben. Puls ruhiger, Laktatwerte verbessert.

Und als Markus dann nach meiner Zielzeit für den 10-km-Frauenlauf fragte (ich habe mal ganz euphorisch 1h 10 min. angegeben), meinte er: „Ich seh mir dann dein Ergebnis ganz genau nochmal an – und wenn das nicht zwischen 55 – 60 Minuten liegt, dann aber!“

Ja klar, stresst mich auch nur unwesentlich, so eine Ansage. Wohl zuviel Zeit auf dem Laufband verbracht – ich, quasi die Erfinderin des Turtlerunnings, soll 10 Kilometer in einer Stunde oder weniger laufen? Niemals! „Doch, du kannst das. Deine Werte zeigen, dass das machbar ist. Mit einem dementsprechenden Training.“

AAAAAH! HILFE! ICH MUSS LAUFEN. ALSO SO RICHTIG.

Ich gebe zu, ich bin saumäßig stolz auf diese Entwicklung gleichzeitig schiebe ich totale Panik. Was, wenn in Zukunft die Natur nur noch so an mir vorbeifetzt, quasi in „Blurred Lines“ und ich so schnell werde, dass ich viel längere Laufstrecken suchen muss, weil die alten nicht mehr ausreichen, was, wenn ich meinen Mann abhänge, was, wenn das Laufen plötzlich total anstrengend wird für mich, was, wenn … ach, Blödsinn! Ich übertreibe mal wieder maßlos und eigentlich mach ich doch nur Quatsch, denn wir wissen doch alle, dass das sehr wahrscheinlich nicht so schnell passieren wird. Denn auch wenn ich mich enorm gesteigert habe, reicht es bestenfalls für Turtlerunning 2.o. – ob ich irgendwann mal jenseits der 10km/h-Marke laufen werde steht noch in den Sternen und auch wenn, dann passiert das nicht von heute auf morgen. Es ist eine Entwicklung. Wie die Reise zum heutigen Tag und der heutigen, tollen Bestandsaufnahme.

Ich habe gelernt: Dranbleiben lohnt sich. Langsam laufen lohnt sich. Weitermachen, durchhalten, bei jedem Wetter laufen – lohnt sich. Auch wenn du selbst die Mini-Fortschritte gar nicht so erkennst, es gibt Menschen, die das für dich tun. Das sind dann die, die zu dir sagen: „He, jetzt ist aber mal gut mit Abnehmen“, wenn du schon seit 6 Monaten dieselbe Zahl auf der Waage siehst und denkst, es tut sich nix mehr. Oder die, die am Ende einer Leistungsdiagnostik zu dir sagen: „Wahnsinn, deine Entwicklung. Einfach Wahnsinn! Du bist eine richtige Läuferin geworden, eine richtige Wettkampfläuferin.“

Das schönste Kompliment, das ich seit langem gehört habe (sorry, Schatz, aber da kannst du echt nicht mithalten 😉 !

Und das ist nicht der einzige Grund, wieso ich Fan davon bin, sich hin und wieder der Tortur einer Leistungsdiagnostik zu unterziehen – inklusive hochrotem Kopf und dunkelrot-lila verfärbtem Ohrläppchen. Die nächsten Tage gibt’s auf meiner Website (www.judithriemer.com) einen Artikel über die wichtigsten Gründe, wieso ihr das unbedingt mal mitgemacht haben müsst. Und wer mag, besucht Markus und Rainer mal auf Facebook oder ihrer Website – da findet ihr einiges an Infos, Preisen und Hintergrundwissen zum Thema Laktat & Co.

 


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4 Dinge, die ich (fast) täglich verwende

Seit ich laufe, trainiere und sonst viele nette Dinge mache, an die ich vor zwei Jahren noch nicht im Traum gedacht hätte, haben sich ein paar Dinge verändert.

Ich kann Hosen anziehen, die seit 8 Jahren im Schrank auf mich warteten (ist eigentlich noch jemand außer mir so seltsam und bewahrt Klamotten so lange auf, für den Fall, dass man doch mal wieder schlank wird?), ich esse merkwürdige Dinge zum Frühstück (heute zum Beispiel Misosuppe und Vollkornreis mit Spitzkohl, weil es anscheinend für ein gutes Bauchgefühl den ganzen Tag sorgen soll – das muss ich natürlich testen) und ich habe ständig und überall an den verschiedensten Stellen meines Körpers Schmerzen.

Und auf die bin ich richtig stolz. Die sind hart erarbeitet. Muskelkater vom Berglauf, Muskelkater vom Bergablauf, Muskelkater vom Stabi-Training, Muskelkater vom Yoga, Muskelkater vom Wadenheben mit dem eigenen Gewicht (Mein Mann will mich ständig dazu überreden, noch Gewichtsscheiben draufzumachen, aber wozu? Habe ja mit meinem eigenen Körpergewicht schon genug zu tun) und sonst tut auch noch so dies und das hin und wieder mal weh.

Und wegen all dieser wunderbaren Neuerungen in meinem bewegten Leben, komme ich nicht umhin, heute aufzuschreiben, was mir kürzlich aufgefallen ist. Es gibt nämlich seither ein paar Dinge, die beinahe täglich bei mir im Einsatz sind und möglicherweise, kann der ein oder andere von euch, diese Dinge auch gut gebrauchen – oder mir Tipps geben, wie ich diese Liste erweitern könnte.

1. Meine neue App für’s Stabilisations-Training

Anfangs war mein Mann meine App. Ich habe ihn dazu gezwungen, mir für 4 Übungen à 3 Runden die Stoppuhr zu drücken – je 20 Sekunden pro Übung. Und vermutlich würden wir das auch heute noch so machen,  wenn ich nicht dahinter gekommen wäre, dass er mich betrügt. Mit der Stoppuhr! Als ich letztens keuchend in dieser Bauchstütz-Planken-Haltung war und kurz vor dem Exitus gehaucht habe „Wieviel noch?“, sagt der doch glatt: 30 Sekunden sind jetzt vorbei. Ich brach auf der Matte zusammen und erklärte ihm dann mit hochrotem Kopf, dass der Unterschied zwischen 20 Sekunden und 30 Sekunden vielleicht nicht gravierend ist, wenn man auf der Couch sitzt und fern sieht. Wohl aber, wenn man auf Zehenspitzen und Ellenbogen, lang ausgestreckt, versucht, sein Balance zu halten. Das war der Anfang vom Ende und ich beschloss, mir eine App zu holen. Fündig wurde ich bei Gymboss – kostet genau gar nichts und ich kann meine Intervalle genauestens programmieren, sowie die Pausen dazwischen und wieviele Durchgänge ich machen möchte. Perfekt! Mindestens 2 x die Woche im Einsatz. Gibt’s auch für Android, wenn ich es richtig gesehen habe.

2. Traumaplant – Schmerzsalbe

Manchmal, wenn ich es mal wieder übertrieben habe, und 500 Meter bergab gelaufen bin, kann es sein, dass meine Knie etwas mehr Zuwendung brauchen. Dann massier ich eine kleine Portion Traumaplant ein und gönne ihnen etwas Ruhe. Bisher hat es noch bei jedem Wehwehchen geholfen. Mehrmals wöchentlich im Einsatz bei mir.

3. Blackroll – die Rolle des Schreckens

Ich möchte jetzt hier gar nicht lang erklären, was das ist, denn das können andere viel besser. Am besten ihr googelt einfach mal nach dem Wort „Blackroll“ und dann seht ihr gleich wovon ich spreche. Im Grunde genommen, kann man sich damit selbst massieren und ich tue das mehrmals pro Woche. Wenn ich es nicht vergesse. Denn manchmal würde ich es gern vergessen. Es tut nämlich weh. Zumindest bei mir. Die meisten Leute, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, sagen, es wird besser, wenn man es ein paarmal gemacht hat. Bei mir nicht. Ich könnte jedesmal heulen vor Schmerzen. Scheinbar geht es um „verklebte Faszien“, was an sich schon total gruslig klingt. Und mit der Blackroll kann man die wieder fein fluffig rollen, damit nix mehr klebt. Das Gefühl während des Rollens ist ziemlich „bäh“. Aber danach fühlt man sich wirklich gut! Gut durchblutet, warm und entspannt. Beugt auch Verletzungen vor. Also, Augen und Mund zu (am besten geknebelt wegen der Schmerzensschreie) und durch!

4. Pferdebalsam

Erst war ich skeptisch. Schließlich bin ich Veganerin. Da schmier ich mir doch keinen Pferdeextrakt auf die Beine. Heutzutage weiß man ja nie, wo was drin ist. Aber dann habe ich entdeckt, dass der Balsam so heißt, weil er ursprünglich für Pferde entwickelt wurde. Das heißt, die lieben Vierbeiner wurden damit eingerieben. Wozu? Gute Frage, das habe ich noch nicht recherchiert, war mir aber an und für sich auch egal, wenn ich ehrlich bin. Der Mensch nutzt es dazu, schmerzende Muskeln, erschöpfte Beine, Gelenke, die weh tun und andere nette Dinge, damit einzureiben. Es riecht kräutrig-frisch, ist  kühl und zieht sehr schnell ein. Tut gut vor dem Laufen und auch danach. Meinen Balsam hab ich bei DM gekauft – aber Hersteller gibt es Tausende, wenn man so das www durchforstet.

Und dann gibt es heute noch ein paar Empfehlungen & Links, die mir grad wichtig sind: 

Anke und Timo haben eine vegane Suchmaschine realisiert und helfen damit, schneller Produkte im Dschungel des WWW zu finden. Ich finde, eine Hammer-Idee. Zu finden unter www.vegansuche.de 

Außerdem wurde ich doch glatt von einem englischsprachigen Blog interviewt zu meiner Geschichte. Die Chance habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen. Schließlich grad in Englisch maturiert, gute Gelegenheit, dranzubleiben. Nachzulesen unter runinspired!

Außerdem hab ich mal wieder einen Podcast aufgenommen – zum Thema Superheldentraining. Vielleicht wollt ihr ja was auf die Ohren 🙂 Viel Spaß beim Anhören!

Superhelden-Podcast


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Ruhe im Kopf oder die Kehrseiten-Depression

Heute ist so ein Tag. An dem gar nix funktioniert. An dem mir mal wieder bewusst wird, dass ich ja sowas von kilometerweit weg bin von einem Marathon, dass es beinahe schon wieder lustig ist. Aber auch nur beinahe. Heute ist nämlich nix lustig. Ich bin stinkig!

Ich habe zu viele Dinge in meinem Kopf, die mich verrückt machen. Leider lässt sich das Ding einfach nicht abschalten. Möglicherweise würde es funktionieren, wenn ich Kilometer um Kilometer laufen könnte und irgendwann schaltet der Kopf ab und nur noch der Körper rennt. Problem: ich kann nicht solange laufen! Mein Hirn macht mich wahnsinnig. Ständig denkt es. Ständig!

Das ist manchmal hilfreich, aber manchmal auch nicht. Kürzlich im Fitness-Studio, lag ich auf der Matte und begann mit meinen Stabi-Übungen. Klingelt neben mir ein Handy. Nicht meins. Sportlicher Typ Nr. 1, auf der Beinpresse sitzend, beginnt zu telefonieren. Ich ringe weiter um die Stabilität meiner Körpermitte. Klingelt das nächste Handy. Wieder nicht meins. Hätte mich auch gewundert, denn meins ist aus, während ich trainiere. Halbsportlicher Typ Nr. 2, rücklings auf der Matte bei den Bauchübungen, führt ein genervtes Telefongespräch. Mich nervt‘s inzwischen auch.
Unsportlicher Typ Nr. 3 sitzt zeitunglesend auf dem Spinningbike. Bitte, das ist ja schon ein Widerspruch in sich! Spinning und Zeitunglesen sind 2 Dinge, die sich konsequent ausschließen. Zumindest sollten sie das. Und dann geschah etwas völlig Unvorhersehbares: sein Handy klingelte! Schlussendlich, saß er, zeitunglesend und telefonierend, auf einem Spinningbike und jammerte, wie anstrengend es ist, ins Fitness-Studio zu gehen. Kann ich nur bestätigen! Wenn auch aus anderen Gründen. Vermutlich.

Was ist los mit den Menschen? Gibt es heute keine Dinge mehr, die man mit ganzem Herzen tut? Oder zumindest ohne Telefon? Krafttraining oder überhaupt Training ist nicht immer Spaß und Gaudi, schon klar. Aber wenn es mich so nervt, dass ich jede Gelegenheit wahrnehme, mich davon ablenken zu lassen, läuft dann nicht was verkehrt?

Ich habe festgestellt, dass ich sogar zum Laufen eine gewisse „Grundruhe“ brauche. Mein Puls reagiert auf meine Gedanken. Wie grässlich. Denn davon fliegen viele in meinem Kopf rum. Ständig. Aber das hatten wir ja schon. Jedenfalls verläuft eine Laufeinheit sehr unterschiedlich, je nachdem, ob ich in Ruhe von zuhause weglaufe oder ob mir während der ersten 5 Minuten jemand begegnet, der meint, sich mit mir unterhalten zu müssen – oder ich denke, es wäre angebracht ein paar Worte zu wechseln. Könnte manchmal etwas unsozial rüberkommen, wenn man einfach so vorbeiprescht, mit Blick auf die Pulsuhr, ohne einen Ton zu sagen, weil das eventuell wieder ein Piepsen derselbigen auslösen könnte.

Wenn ich also jemanden treffe, der etwas Konversation pflegen möchte – und sei es nur 1-2 Sätze, die man halt so sagt, dann passiert etwas mit meinem Puls. Er schießt nach oben. Nicht gravierend, aber doch bemerkenswert. Und da bleibt er eine ganze Weile. Ungefähr so lange, wie ich in Gedanken bei derjenigen Person bleibe, die mich irgendwie aufregt. Zumindest unbewusst. Ich atme hektischer und ich komme dann einfach nicht in meinen Tritt. Das „Gespäch“ ist dann vielleicht schon 5 Minuten vorbei und ich bin schon fast 1 Kilometer entfernt (jaaaa, klar – aber nicht in diesem Universum – ich und ein 5-Minuten-Pace funktioniert nur, wenn die Gesetze der Schwerkraft auf einmal ihre Meinung ändern). So geschehen übrigens auch letzten Samstag. Mein bisher längster Lauf stand auf dem Plan: 105 Minuten. Oder 1 Stunde und 45 Minuten.

Ich hatte eine Route geplant über zig Kilometer, mit 500 Abwärtshöhenmetern und dachte, diesmal werde ich schnell(er) sein. Geht ja schließlich nur abwärts. Aber irgendwie kam alles anders. Erst das Gespräch, das mich verfolgte, der springende Puls, ein Nachbar, der mir noch mitteilte, dass er mich unglaublich fleißig findet (danke übrigens, finde ich auch, hatte nur keine Luft zum Antworten) und nach 3 Kilometern stand ich auf dem Schrottplatz.

An dem die Route, die ich noch nie zuvor gelaufen bin, vorbeiführte. Nur habe ich noch nie in meinem Leben sowas gesehen. Der Platz strahlte etwas aus, das ich ganz und gar nicht nett fand. Tod, Stillstand. Müll, Abfall. Feindseligkeit. Überall Schilder, die mir sagten, dass ich hier nichts verloren hatte – wohlgemerkt, ich war auf einem offiziellen Wanderweg unterwegs. Die ganze Atmosphäre war irgendwie gruslig. So ähnlich wie bei Stephen King‘s „Es“ und dem Schrottplatz mit dem Kühlschrank, in dem die … Ahh, nein! Schon wieder Gedanken. Aus, aus, aus. Puls also wieder nach oben und ich machte mich daran, so schnell wie möglich, dieses Gelände zu verlassen und begann meinen Abstieg der 500 Höhenmeter. Verteilt auf etwa 1-2 Kilometer. Könnt ihr euch vielleicht ungefähr vorstellen. Ich bin dann runtergelaufen. Ja, gelaufen – nicht gegangen. Und ich musste unglaublich bremsen, denn die Schwungmasse und die Schwerkraft hatten sich verbündet. Ich hätte genauso gut runterrollen können. Hätte mir einige Unannehmlichkeiten erspart. Denn, heute an Tag 2 nach dieser Tortur, habe ich eine postdepressive linke Pobacke. Die musste wohl besonders viel bremsen, wie es scheint. Jedenfalls habe ich zum ersten Mal seit langem in meinem Läuferleben wieder einmal Schmerzen. Welcome back!

Und vielleicht bin ich deswegen so stinkig. Ich kann grad nicht so laufen, wie ich es normalerweise tue. Zum Slow-Motion-Gang kommt jetzt noch ein leichtes Hinken dazu, das mir meine illusionäre Leichtigkeit und das Fluggefühl raubt. Ich fühle mich jetzt beim Laufen also so, wie ich vermutlich in Wirklichkeit schon immer aussehe, wenn ich laufe, nur dass ich es nie gemerkt habe. Dementsprechend wollten sich heute mein kreisenden Gedanken rund um telefonierende Multi-Tasking-Sportler, feindselige Schrottplätze und schmerzende Kehrseiten einfach nicht in Luft auflösen. Na gut, als Alternative bleibt dann immer noch der Blog. Müsst halt ihr unter meiner Gedankenverstopfung leiden. Bleibt nur zu hoffen, dass ich bis Mittwoch, wenn der nächste Lauf ist, etwas fitter bin und das Fluggefühl zurückkommt. Ganz zu schweigen von Samstag, für den ich nochmal so einen Downhill-Lauf geplant habe. Vielleicht kommt dann die rechte Pobacke zum Zug – dann wär‘s wenigstens wieder ausgeglichen. Denn das ist es, was grad fehlt. Ausgeglichenheit. Ich glaube, ich geh mal auf einem Bein hüpfen. Natürlich rechts. Vielleicht hilft‘s.

12 Kilometer später ...


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Wenn der Berg ruft

Dann sollte man springen. Oder zumindest sein Bestes geben und bei dem Versuch … nein, ich will das Drama nicht vorweg nehmen. Heute auf meinem Trainingsplan: ein Lauf mit 3 kleinen Berglaufeinheiten. Heißt: 3 x 6 Minuten den Berg hoch, Puls bis max. 173 (das ist meine GA3-Stufe) und zwischen den „Bergen“ wieder runterschalten auf Erholungspuls.

Man nehme dafür im Optimalfall: 2 kräftige Beine, 3 passende Berge bzw. Anstiege und 1 ausgeruhte Läuferin.

Ich hatte heute zur Verfügung: 2 Gummioberschenkel, 3 unpassende Anstiege mit teilweise hochalpinen Schneeverhältnissen und 1 ziemlich ausgelutschten Turtlerunner, nämlich mich.

Reden wir nicht lang drumherum: Ich hatte kurzzeitig das Gefühl, mitten im Geschehen, direkt und jetzt sofort sterben zu müssen. Mein Herz schlug bis zum Hals und darüber hinaus, meine Lunge gab seltsame Geräusche von sich (die nur ich hören konnte, denn natürlich übertreibe ich mal wieder ohne Ende) und meine Beine … ach ja, reden wir nicht davon.

Das war der erste Anstieg. Ganz schön ungewohnt und ich war mir nicht sicher, ob ich die nächsten beiden Anstiege überleben würde. Aber ich hatte ja meinen Turtle-Mann dabei, der hätte mich bestimmt nach Hause getragen, wenn nix mehr ging. Oder doch nicht? Ich frag lieber nicht nach und lebe weiter innerhalb meiner romantischen Illusionen …

6 Minuten sind ja sooooooo lang! Unfassbar. Der zweite Anstieg war noch fieser, weil steiler. Ich keuchte jede Minute nur noch ein Wort: „Zeit!“ Denn Zeit ist was unglaublich Wichtiges. Wurde mir heute wieder mehr als deutlich bewusst. Zeit.

Wann zum Teufel sind denn diese verdammten 6 Minuten um?

Ehrlich,  hätte ich nicht schon vor Monaten mit dem Rauchen aufgehört – heute hätte ich’s getan! Einfach so. Aus voller Brust heraus. Denn da war heute nur Luft drin und davon auch schon zu wenig. Wenn ich beim Laufen mal nicht ständig meinen Schnabel aufhabe, dann sollte man sich langsam Gedanken machen.

Heute war der stillste Lauf meiner bisherigen Karriere.

Und ich musste die ursprünglich geplante Trainingszeit von 55 Minuten überziehen. Um ganze 18 Minuten! Warum? Weil ich so langsam zwischen den Bergen, die gar keine waren, gehen musste, damit mein Puls runterkommt. Ganz schöne Berg- und Talfahrt war das heute. Alles in allem ein kleines Drama. Und ja, das ist es tatsächlich, denn in Wirklichkeit war es eigentlich halb so wild. Klar, hab ich das alles genauso zu 100% empfunden.

Aber jetzt – zuhause – nach der warmen Dusche, nach meinem Energie-Erholungs-Drink, Salat mit Kräckern, gefühlten 2 Kilo Datteln und einer Viertel Reisbohnen-Pizza mit Brokkoli, muss ich sagen:

Das war mit Abstand der coolste Lauf, den ich bisher gemacht habe!

Habe mich selten so lebendig gefühlt und gespürt, wie sehr mein Herz klopfen kann und das ich trotz allem fähig bin, einen Berg (es war in Wirklichkeit kein Berg, aber für mich war es einer) hinaufzurennen. Gut, „rennen“ ist jetzt vielleicht auch wieder relativ … aber Herrschaftszeiten, wen juckt das? Für mich und meine Verhältnisse bin ich heute 3 Berge hochgerannt. Und allein das zählt. Ein Supertag!

Foto gibt’s übrigens keins – hatte keine Zeit zu fotografieren (war ja am „rennen“) 😉


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Ist es wichtig?

Heute stand mein langer Lauf am Programm. Rund 80 Minuten unterwegs im Bereich der Grundlagenausdauer. Bei mir zwischen 110 – 147 Schlägen laut der letzten Leistungsdiagnostik. Was heißt das nun konkret?
Ich turtle meines Weges mit 6-7 km/h. Gemütlich? Ja, irgendwie schon. Wenn die Maschinen mal laufen und alles angewärmt ist (so nach 30 Minuten), dann fühlt sich das gar nicht so schlecht an und läuft quasi von selbst. Naja, nicht ganz. Aber fast.

Bei diesen Läufen habe ich Zeit nachzudenken und mir fallen die seltsamsten Dinge ein. Manchmal sogar ziemlich schlaue, wie zum Beispiel ein Zitat, das in der Zwischenzeit sogar schon auf Facebook die Runde gemacht hat: „Die Dinge verlieren ihren Schrecken, während man sie tut.“ Gibt ein kleines Video dazu – mal gucken?

Heute sind mir aber ganz viele Fragen eingefallen. Die schreib ich hier auf. Könnt ihr gerne lesen und euch eure eigenen Gedanken dazu machen. Ich bin für mich selbst erst noch im Antworten-Findungsprozess. Und das kann dauern … So ein Turtlerunner ist schließlich kein ICE.

Beim heutigen Dahinlaufen hatte ich plötzlich das Gefühl, mich wirklich wohl zu fühlen. Einfach so, mit mir selbst, mit meinem nicht vorhandenen Tempo, … Und dann begann ich zu überlegen. Was wäre, wenn das so, wie es jetzt ist, einfach bleibt?

Ist es wichtig, schneller zu werden?
Ist es wichtig, 10 Kilometer in unter 1 Stunde laufen zu können (würde ich gern mal)?
Ist es wichtig, bei Wettläufen im Mittelfeld zu sein (statt ganz am Ende)?
Ist es wichtig, noch mehr aus mir herauszuholen (vorausgesetzt, da ist noch was)?

Ist mir das wichtig?

Oder genügt es, dass ich mich wohl fühle?
Genügt es, dass ich in Bewegung bin?
Genügt es, dass ich (m)eine Bewegung gefunden habe?
Genügt es, dass ich endlich mein Körpergefühl wiedergefunden habe?

Genügt mir das?

Und was wäre, wenn das eine das andere gar nicht ausschließt?

Tja, sowas denke ich mir während eines 9-Kilometer-Laufs. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn ich mal 30, 40 oder gar 100 Kilometer laufen würde!

Ich würde nach Hause kommen und ein Buch schreiben.

Laufen im Januar. Am Bodensee. Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter! ;)


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Die Wahrheit.

Der letzte Tag des Jahres 2013 und ich finde, er hat es verdient, der Wahrheit gewidmet zu werden.

Immerhin bin ich vorgestern 12,4 Kilometer in meiner bisher besten Zeit gerannt. Turtlerunner-Zeit, versteht sich. Aber sapperlot, ich habe mich um mehr als 10 Minuten verbessert auf diese Distanz, seit 6.10.2013. Wenn das mal nicht eine Ansage ist! Aber beginnen wir von vorn und zwar mit der Wahrheit.

Ich mag keine Menschenansammlungen. Ich mag keine Läufe, wo sich Menschen versammeln, die allesamt viel schneller sind als ich. Grundsätzlich mag ich dieses Gewusel, diese kollektive Hektik und das geschäftige „Sich-Warm-Machen“ ohne Rücksicht auf Verluste (und vor allem auf andere Menschen) nicht. Und so kam es, dass ich bereits, bevor ich meine Startnummer in der Hand hielt, schon ziemlich grantig war. Mein Bruder meinte kürzlich, dass solche Läufe für Menschen sind, die gern das soziale Erlebnis, das Miteinander im Vordergrund sehen. Ähm, ja. Wenn’s nach mir ginge, würde ich 30 Sekunden vor Startschuss im Startblock abgesetzt werden und direkt nach dem Sprint über die Ziellinie würde ich einen Portschlüssel direkt nach Hause nehmen. Soviel zum Thema „Miteinander“ – nein, ich bin kein „Miteinander“-Mensch – zumindest nicht, wenn ich als einzelner Vertreter meiner eigenen Rasse (Turtlerunner) unterwegs bin.

Zur Unterstützung hatte ich diesmal meinen Mann dabei (und das war auch bitter nötig, ohne ihn hätte ich vielleicht eine Abkürzung genommen). Das Läuferfeld setzte sich in Bewegung und wir waren mittendrin. Die erste Runde (es waren 4 insgesamt) lief grandios. Wir überholten sogar andere Menschen! Unfassbar, dass ich das noch erleben darf. Die 2. Runde begann vielversprechend. Doch dann hörte ich es. Ein Hecheln direkt hinter meinem linken Ohr. Es kam immer näher und wurde immer lauter. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich behauptet, einer meiner Hunde hat den Weg hierher gefunden. Ein kurzer Blick nach hinten:  Läuferin mit riesigen Kopfhörern, direkt in meinem Windschatten. Sie rückte immer näher auf, ich fühlte mich bedrängt. Versuchte, ruhig zu bleiben. Fiel mir schwer. Über 2 Kilometer blieb sie mir im Nacken sitzen. Wurde schneller, wenn ich schneller wurde – fiel zurück, wenn ich zurück fiel. Was war ich wütend! Eine Unverschämtheit. Hätte ich noch ein wenig mehr Puste gehabt, ich weiß nicht, was ich getan hätte! Vermutlich das erste Damen-Wrestling während eines Silvesterlaufes eröffnet.

Irgendwann hat sie mich dann endlich überholt! Hätte nicht gedacht, dass ich das mal so erleichtert hinnehmen würde. Dann kamen die letzten 3 Kilometer. Mein Mann war schon ziemlich erledigt, von mir wollen mir mal gar nicht sprechen. Aber ich war  glücklich, da ich meinen Puls mehr oder weniger konstant bei 170 bzw. etwas darunter halten konnte. So 600 Meter vor dem Ziel hatte ich dann das Gefühl, die Beine sind nicht mehr da. Und wir hatten vereinbart, dass wir Hand in Hand ins Ziel laufen. 300 Meter vor dem Ziel sagte ich dann zu ihm: „Hand! Schnell! Ich schaff’s sonst nicht!“. Also packte er mich an der Hand und zog mich ins Ziel.

Insgesamt haben wir beide ein respektables Ergebnis geschafft: die letzten in der eigenen Altersklasse und beide haben wir den vorletzten Platz in der Gesamtwertung gemacht (Männer/Frauen getrennt). Ich finde, wir haben die Turtlerunner-Ehre heldenhaft verteidigt!

Die Euphorie begann dann ca. 15 -20 Minuten später. Ich fühlte mich großartig (tu es auch heute noch, bis auf ein bisschen Muskelkater) und war einfach stolz auf meine Verbesserung. Wenn juckt es da, dass die Verpflegungsstände schon fast leer waren und ich sogar um meine Fleecedecke noch kämpfen musste (Hast du keine bekommen? Nein, bin grad erst ins Ziel? Wieso das denn – warst du zwischendrin Kaffee trinken?) ?

Wenn ich also alle Widrigkeiten hinter mir lasse und das Erlebnis aufs Wesentliche reduziere, war es ein toller Lauf, mit einer krassen Zeitverbesserung und zum ersten Mal einer Art „Miteinander-Feeling“, denn ich hatte mit meinem Mann einen zweiten Turtlerunner an der Seite. Die Gemeinde wächst!

Und wieso ich trotz allem, was ich hier geschrieben habe, finde, dass noch mehr von uns an Rennen teilnehmen sollten, das habe ich auf meinem Blog veröffentlicht – hier geht es zu den 5 Gründen, wieso wir Langsamläufer eigentlich die besten Erlebnisse während eines Laufs haben.

So, ich bin dann mal am Regenerieren …

Auf geht's! Oder?


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Ich glaub, es geht schon wieder los.

Noch 1 Stunde bis zur Abfahrt. Startschuss um 12.15 Uhr, Silvesterlauf. Bis spätestens 11 Uhr muss ich unsere Startnummern abholen (557 und 558 – 5 ist meine Lieblingszahl, das kann nur Glück bedeuten, oder?).

Und wie immer an solchen Tagen und dem davor (also dem Tag vor dem Rennen), frage ich mich, wieso ich das eigentlich tue. Ich könnte es sooooo viel gemütlicher haben. Nur für mich ein bisschen vor mich hinlaufen, Natur genießen, mein Tempo laufen, alles easy und entspannt. Was tue ich stattdessen?

Ich stürze mich in eine Masse von hufscharrenden Läufern, die alle ganz wild darauf sind, beim Startschuss nach vorne zu preschen, die anderen hinter sich zu lassen, Tempo zu machen und der Welt zu zeigen, wie schnell sie laufen können.

Mein Anliegen ist das nicht, denn ich kann nicht schnell laufen. Es will einfach nicht … also wird das heute wieder ein Turtlerunner-Missions-Lauf. Ich lauf für alle, die so langsam sind wie ich (hallo – ist da jemand?) und versuche, mich nicht davon irritieren zu lassen, dass ich heute gleich 4 x an denselben Menschen vorbeilaufe, denn der Lauf geht über 4 Runden.

Heute bin ich außerdem in Begleitung: Mein Mann läuft mit und zwar im T-Shirt von „Laufen gegen Leiden“. Ich laufe natürlich für meinen Verein „Team vegan.at“. Wir werden aussehen wie zwei Twinnie-Eis, falls das noch jemand kennt. Fotos folgen später.

So, nun sitz ich hier, löffle Hirsebrei, trinke Wasser und bin nervös. Wie immer. Und denke mir, dass ich nie wieder an einem Lauf teilnehmen werde. Wie immer. Und dann werde ich vermutlich diesen Lauf laufen und mich dabei selbst übertreffen. Wie immer. Nur wird es keiner merken, denn wenn ich mich selbst übertreffe bin ich immer noch turtlerunnermäßig langsam. Wie immer. Aber eigentlich ist das auch völlig egal. Danach, wenn ich es geschafft habe, werde ich Spaß haben. Wie immer. Und dann ist ja noch dieser eine Gedanke da …. „vielleicht, ganz vielleicht schaff ich es ja, diesmal meine Zeit um 3-5 km/h zu verbessern. So ganz spontan. Plötzliche Läufer-Geschwindigkeits-Erleuchtung. Vielleicht.“ .

Und weil ich auf diese Erleuchtung warte, muss ich an Rennen teilnehmen. Denn sonst krieg ich es ja nicht mit, wenn es soweit ist.


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Nadelstiche, ein Kompliment und die 32-kg-Marke

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Die Welt ist im Fest- und Geschenkerausch. Ich auch. Nur bei mir kommt noch der Waldrausch dazu: ich rausche fast täglich durch die Wälder. Ausgerüstet mit Goretex-Laufschuhen, meinem Polar-Buff, der mein edles Haupt schützt und natürlich mit Spikes.

Es sind noch 3 Tage bis zum Silvesterlauf, an dem ich ehrenhaft die Fahne der Turtlerunner hochhalten werde. Denn wenn bis Sonntag nicht noch ein Wunder geschieht, dann werde ich wohl wieder so um die 1,5 Stunden für den Lauf brauchen. Aber was soll’s! Es gibt üblere Wege seinen Sonntag zu verbringen. Letzte Woche habe ich übrigens – so ganz nebenbei – meinen ersten ganz privaten Halbmarathon absolviert. 21,2 Kilometer in gefühlten 6,75 Stunden (in Wirklichkeit waren es ziemlich genau drei Stunden). Es war das sensationellste Feeling seit langem, als ich zu dem Schild mit der 21-Kilometer-Marke kam. Kann ich nicht beschreiben, müsst ihr ausprobieren, wenn ihr es noch nicht getan habt. Einfach WUHUUUU!

Und vor ein paar Tagen bekam ich ein tolles Kompliment. Nicht, dass ich die nicht ständig bekommen würde (hüstel …), aber da war schon besonders. Mein Bruder, von der sportlichen Hälfte der Familie (wir waren von Geburt an gesplittet in Sportler und Couchpotatoes und die letzten 32 Jahre verbrachte ich mehr oder weniger auf der Couch – dann wechselte ich die Lager), kam zu Besuch an Weihnachten. Er hatte mich 1 Jahr lang nicht mehr gesehen und sagte plötzlich:

„Judith, du bist ja eine richtige Sportlerin geworden!“

Das bringt es sowas von auf den Punkt. Und ich glaube, das ist das Wichtigste, an der ganzen Veränderungssache. Ich wollte von Anfang an eine Sportlerin werden. Nichts anderes stand im Vordergrund. Und jetzt bin ich das irgendwie, auf meine Art. Einfach cool, oder?

Und weil ich eine Sportlerin bin, auf deren Trainingsplan heute 40 Minuten Fahrtspiel standen, das letzte richtige Training vor dem Silvesterlauf, schnürte ich natürlich auch heute die Laufschuhe. Draußen 0 Grad, scharfe Windböen, Eiseskälte und ein Schneesturm. Schweinehund und ich trabten los, gut eingepackt. Eine Zeit lang wurde es ganz hart, da lief ich gegen den Wind und der Sturm peitschte tatsächlich die gefrorenen Schneeflocken direkt in mein Gesicht – wie kleine Nadelstiche fühlte sich das an. Am liebsten hätte ich die Augen zugemacht. Ist aber ungünstig beim Laufen. Also durchhalten, durchbeißen und dann bei der Kehrtwende auf dem Heimweg, den Wind im Rücken. Laufen, traben, beschleunigen, treiben lassen … das war dann herrlich! Und jetzt sitz ich hier, schlürfe meinen Obst-Nuss-Kakao-Smoothie und bin schon fast auf dem Weg zum nächsten Familienfest: Mama und Bruder haben heute Geburtstag. Natürlich gibt’s massenhaft zu futtern, aber was soll ich sagen: Es ist der 2. Weihnachtsfeiertag und ich habe heute meine 32-Kilo-Marke geknackt. Offiziell bin ich heute 32 Kilo leichter als am 1. April 2012. Da darf’s heute auch mal ein Löffelchen mehr sein … 😉


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Verrückte Ideen und Zehennägel.

Tja, heute schreib ich über seltsame Dinge und ich kann mich nicht entscheiden welches davon ich seltsamer finde.

Fangen wir mal damit an, dass ich seit einiger Zeit verrückte Zehennägel habe. Also wirklich ver-rückt. Zwei bis drei dieser seltsamen Zehenanhängsel verformen sich nämlich seit ich den Viertelmarathon gelaufen bin. Hatte immer mal wieder blaue Verfärbungen, Hornhaut und so hübsche Dinge, die kein Mensch haben will und vor kurzem habe ich festgestellt, dass manche der Nägel eine andere Richtung einschlagen. Das gibt mir zu denken … an den Schuhen sollte es nicht liegen – ich habe Platz genug für alle Zehen. Ist jetzt nicht dramatisch, aber irgendwie verrückt. Kennt das wer von euch?

Die letzte Zeit hab ich mir wieder Gedanken zum Thema Motivation gemacht. Ich brauche ständig etwas, was mich antreibt und vorwärts bringt. Mich zu motivieren ist nicht immer einfach. Und die letzten Tage bin ich etwas müde geworden – müde vielleicht auch vom anstrengenden Training auf den Silvesterlauf (aaaah! In 13 Tagen ist es schon so weit!), das schöne, aber anstrengende Laufen auf dem Schnee und im Eis und so im Allgemeinen, was aber durchaus an der Jahreszeit liegen könnte. Wenn um 17 Uhr das Licht draußen ausgeht, geht es bei mir auch aus.
220 Kilometer. Mit dem Auto kein Problem. Und zu Fuß?

Brauche also ein Licht der Motivation. Und als ich am Wochenende am Bodensee war, kam mir eine Idee. So viele Menschen gehen jedes Jahr auf ihren Jakobsweg und laufen Hunderte Kilometer zu Fuß, pilgern von einem Ort zum nächsten, immer näher zu ihrem Ziel, finden sich dabei selbst wieder (zumindest stelle ich mir das so vor) und machen interessante Erfahrungen. Das möchte ich auch. Und ich möchte laufen. Lange laufen. Langsam laufen. Einmal um den Bodensee laufen.

Wann? Keine Ahnung. Soweit bin ich noch nicht. Bisher weiß ich, dass die Strecke ca. 220 Kilometer misst und dass es einen Fußwanderweg gibt. Ich werde die nächste Zeit nutzen, zu recherchieren und zu überlegen, ob, wie und wann ich so etwas umsetzen kann. Ob ich durchlaufen möchte oder nicht, wieviel Begleitung ich brauchen würde, bis wann ich überhaupt körperlich und mental so weit sein könnte. Tatsache ist, dass mich dieses Ziel mehr reizt als jeder Wettkampf. Denn ich würde einfach für mich, ohne offizielle Zeitmessung, versuchen, diese Strecke zu bewältigen. Vielleicht werden’s dann doch nur Etappen oder ich laufe es wirklich komplett. Das wird sich in den nächsten Monaten herauskristallisieren. Und wer weiß, vielleicht begleitet mich ja jemand von euch ein Stück … zu Fuß, mit dem Rad … wird sich alles ergeben, wenn es denn wirklich so sein soll. Daran glaube ich.

Aber jetzt erstmal auf den Silvesterlauf trainieren und ein wenig Stille Nacht und so … abschalten, nachdenken, neu sortieren und orientieren und dann: weiterlaufen, wohin der Weg mich führt.


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Mach das Licht aus!

Letztes Wochenende stand mal wieder ein langer Lauf auf meinem Trainingsplan. Sollten rund 80 Minuten werden. Mein Pacer, mit dem ich zufällig auch verheiratet bin, und ich, beschlossen, dass wir mal eine andere Strecke laufen wollten, zumal es auch wieder ein halber Nachtlauf werden würde. Lässt sich ja momentan kaum vermeiden, da es um 17 Uhr schon beinahe zappenduster wird.

Wir wollten als kleines Action-Element die Lindauer Hafenweihnacht einbauen. Ich stellte mir das so vor, dass ich fröhlich laufend dort eintrudelte, mir geschwind ein heißes Getränk ausfasste, und noch während dem Trinken wieder von der Insel lief.

Begann dann aber damit, dass wir uns mit der Strecke verschätzt hatten und bereits auf dem Hinweg viel länger unterwegs waren als geplant. Dann tauchte noch mein Lieblingsthema auf: ich musste mal. Weit und breit kein WC in Sicht. Hach ja, wer kennt es nicht von euch? Das Problem ist: wenn es dann mal einen gewissen Schmerzensgrad erreicht hat, dann kannst du nix machen. Dann brauchst du ein Örtchen. Am besten ein dunkles. Ich jammerte und seufzte also immer lauter und mein Mann meinte, dass er das perfekte PP-Örtchen für mich wisse.

Dabei fällt mir gerade ein, dass ich ihn noch gar nicht gefragt habe, wieso er auf unserer brandneuen Laufstrecke mindestens 2 naturbelassene, dunkle Örtchen kennt … auch nach 13 Jahren gibt es also immer noch Geheimnisse. Interessant!

Jedenfalls lotste er mich dorthin, wo kein Mensch war und auch keiner hinsah. Es war beinahe schon gemütlich, das Plätschern des Bodensees nebendran … der Ort war wie geschaffen dafür, abgelegen und trotzdem nah an der Straße. Also, Stirnlampe aus, damit mich auch ja keiner sieht und ab in die Büsche. Plötzlich hörte ich die Stimme meines Mannes:

„Hör mal, es nutzt nix, wenn du deine Stirnlampe ausknipst, aber deine Fußreflektoren weiterblinken lässt. Mach das Licht aus!“