veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners

Trainingsplan und Trauma

7 Kommentare

Ab heute trainiere ich nach einem Trainingsplan, den ich einem Kollegen verdanke, der ebenfalls beim „Team vegan.at“ läuft (allerdings schon viel länger und wesentlich erfolgreicher als ich – grad am Sonntag hat er einen Halbmarathon in 1 Stunde 24 absolviert – krass, oder?). Dort bin ich ganz neu dabei und hoffe, auch bald ein paar erfolgreiche Läufe beisteuern zu können.

Für diese und nächste Woche sieht mein Plan folgendermaßen aus:

Montag: 60 min. Walking
Dienstag: 45 min. Walking
Mittwoch: 90 min. Walking
Freitag: 50 min. Laufen A2
Samstag: 60 min. Laufen A1
Sonntag: Fitness-Studio Krafttraining

A1 und A2 sind Bereiche meiner Herzfrequenz. A1 ist in meinem Fall ungefähr bis 147 Schläge und somit noch im unteren, aeroben Bereich. A2 darf dann bis 161 Schläge gehen – darüber wird’s anaerob und das will ich vorerst vermeiden. Denn meine Muskulatur und der Stoffwechsel sollen lernen möglichst lange im unteren Pulsbereich auszukommen und die Energie aus den Fettdepots zu ziehen und eben nicht aus den schneller verfügbaren Kohlenhydraten. Zumindest hat man mir das so bei der Leistungsdiagnostik erklärt.

Wer hier schon länger mitliest, kann sich vielleicht noch an meinen Horrortag im letzten Juni erinnern: der 5-km-Frauenlauf. Einer der schrecklichsten Tage in meiner Laufgeschichte (kurze Auffrischung: es kamen so nette Kommentare von den Zuschauern wie „Nicht einschlafen beim Laufen!“, weil ich halt so langsam war, aber ich habe mein Bestes gegeben). Gestern abend, als ich in Scott Jureks Buch Eat & Run von seinen Gefühlen beim Laufen las und wie es so ist in einem Wettkampf zu laufen, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich im Oktober die 12 Kilometer zum ersten Mal ganz alleine laufen werde. Also natürlich nicht ganz allein – ungefähr 10.000 andere Läufer sind auch noch dabei – aber ich habe niemanden, der mit mir mitläuft.

Letztes Jahr war es meine Schwester, die immer an meiner Seite war und auch die doofen Zuschauer mit den blöden Sprüchen in ihre Schranken wies, wofür mir die Luft fehlte – dieses Jahr ist sie hochschwanger und bekommt bald ihr Baby – da ist nix mit Laufen momentan. Beim Frauenlauf in 3 Wochen habe ich meine Laufkollegin Kathi mit dabei, mit der ich wöchentlich trainiere – die ist aber im Oktober auf einer Hochzeit eingeladen, genau am Wochenende des Marathons. So, wer bleibt übrig? Ich. Und ich.

Und da überkamen mich gestern nacht dann tatsächlich zum ersten Mal leise Zweifel und eine dezente Panik. 12 Kilometer ist jetzt nicht der Wahnsinn, aber man ist schon eine Zeitlang unterwegs. So mit sich selbst. Und mit seinen Gedanken. Und mit Menschen, die man nicht kennt (und vielleicht auch gar nicht kennen will). Woher weiß ich, dass ich es trotzdem schaffe, weiterzulaufen auch wenn niemand da ist, der mich anspornt?

Kurze Unterbrechung: Gerade eben ist meine erste Bestellung von veganpower.at eingetroffen. Roh-veganes Eiweißpulver von SunWarrior, sowie Activated Barley (Low Glycemic Index Superfood steht drauf, wenn das mal nicht was kann! Barley ist übrigens Gerste) , was langsame Kohlenhydrate zur Verfügung stellt und für länger andauernde Ausdauereinheiten von Vorteil sein soll. Wenn ich also Zweifel bekommen sollte während meiner 12-km-Reise, dann werde ich mir einfach vor Augen halten, dass ein SunWarrior nicht einfach so aufgibt. Ja, man braucht eine Mission. So wie die Blues Brothers, die im Auftrag des Herrn unterwegs waren, oder? Dann geht’s doch gleich viel leichter. Ich werde das mal testen.

Sonnenkriegerin. Testweise.

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Autor: Judith Riemer

Ehemals diätgeschädigte Jo-Jo-Expertin mit einer riesigen Abneigung gegen Sport und Bewegung aller Art. Der Schrecken aller Turnlehrer und zuverlässige Einnahmequelle der Diätindustrie. Bis sich 2012 über Nacht alles änderte. Ein Bild im Traum und die Reise begann. Ich begann zu laufen, stellte meine Ernährung um und verlor im Laufe der Zeit rund 30 Kilo Übergewicht. Erfahrungsgemäß gehe ich als eine der letzten Läuferinnen ins Ziel, was mir den Spitznamen "Turtlerunner" einbrachte. Nach wie vor bin ich untalentiert in Sachen Sport, aber inzwischen liebe ich es, mich zu bewegen. Und weil du das auch kannst, schreibe ich hier und helfe dir, wo ich kann.

7 Kommentare zu “Trainingsplan und Trauma

  1. Ich bin schockiert über die Kommentare, die Du Dir anhören musstest. Vor allem waren das ja wohl Leute die GAR NICHT mitliefen. Wie oberarschig! Lass Dich nicht einschüchtern. Nimm Dir zur Not etwas für auf die Ohren mit. Mit Musik läuft sichs einfach gut und Du hörst keine blöden Kommentare.
    Andererseits habe ich es auf KEINEM Wettkampf jemals mitbekommen, dass Menschen solche Kommentare abgeben. Das war sicher eine Ausnahme!
    Egal wie langsam Du läufst! Wenn Du läufst hast Du schon gewonnen!
    LG

  2. Ja, das war damals echt nicht so nett … aber mei, manchmal denken die Leute einfach nicht drüber nach, was für einen Blödsinn sie von sich geben. Leider! Dafür war der 2. Lauf einen Monat später dann viel netter. Trotzdem sitzt einem das irgendwie immer noch in den Knochen. Es war ein richtiges Scheiß-Gefühl (sorry, für den Ausdruck, aber das kann man nicht beschönigen). Ich kam damals mit 197 Puls im Ziel an und war einfach froh, dass ich nicht umgekippt bin. Aber ich habe es geschafft und ich werde es auch dieses Jahr schaffen – die 12-km-Strecke ist nämlich ausgerechnet auch noch auf derselben Strecke wie der Lauf letztes Jahr (ein Teil davon) … deswegen hat das echt was mit „Trauma überwinden“ für mich zu tun. Musik ist ein guter Tipp! Daran habe ich auch schon gedacht … mal sehen, wie es wird 🙂

    • OMG, was ist dein max HF, dass du beim Lauf Bis 197 gekommen bist?!
      Doof die Bemerkungen, ich würde auch mit Musik laufen. .. bzw jetzt laufe ich schon mit Geschichten, Hörbüchern, Podcasts, die Musik nervt mich irgendwie.

  3. Leider so sieht die Realität aus, auf der einen Seite wird jedem unsportlichen Menschen von allen Seiten Sport zu treiben empfohlen. Und wenn man das dann wirklich macht, gibts blöde Kommentare, das ist total daneben.

    Musik zu hören ist sicherlich eine gute Idee. Aber mir fällt noch eine Sache ein, eine kleine Liste mit 3 – 4 Kontersprüchen (vielleicht mithilfe der Schwester?) erstellen, auswendig lernen und vielleicht sogar mal heimlich üben, damit sie flüssig sitzen. 🙂 Und dann jeden dämlichen Kommentar kontern, beispielsweise wie: „Kuck dich selbst an, hässlicher Vogel!“… Das ist super für das Selbstvertrauen und pusht einen hoch. 🙂

    • An so eine Liste hab ich auch schon gedacht 🙂 Und dieses Jahr hab ich hoffentlich mehr Luft. Oder noch besser: niemanden, der doofe Kommentare abgibt! Ich hab ja gleich 2 Läufe vor mir – da kann ich direkt üben =D

      • Ich würde sowas schon davor üben, am besten am Ende der langen Läufe irgendwo am Wald oder wo keiner ist. So hast du dann schonmal die Gewohnheit bei körperlicher Anstrengung zu kontern, beim Wettkampf kommen ja noch Schwierigkeiten wie andere Läufer, Zuschauer, Druck, usw. dazu. Weil ich öfter an Konferenzen, Diskussionen beteiligt bin und auch die ein oder andere Präsentation halte, übe ich sowas sehr oft.

        Dein Trainingsplan hat eine leichte Intensität und ist kontinuierlich, das ist optimal, die Walkingeinheiten baue ich in meinen ein :). Und so wie ich es sehe, hast du ja noch einen Monat Zeit zu trainieren, so wird der nächste Wettkampf sicherlich auch der beste werden.

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