veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners

Aus. Ende. Vorbei? Niemals.

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Vorneweg: ich habe heute kein Foto für euch.

Ich war gestern beim Orthopäden. Seit 7 Jahren zum ersten Mal wieder. Und ich schätze, nicht zum letzten Mal.

Zumindest für 2012 wurde mir das Ende meiner Läuferkarriere verkündet. Und ich bin immer noch fassungslos. Hatte doch nicht im Leben damit gerechnet, dass ich nicht mehr laufen darf. Hab zwar darüber Witze gemacht, aber ernst gemeint, habe ich es nicht.

Nun ja, ich saß also in dem Sprechzimmer und warte auf den Mann, der mir sagt, wie es mit meiner sportlichen Karriere weitergeht. Die Tür geht und rein kommt ein riesiger Kerl – so ein Typ „Schrank“ –  mit grauem Bart, den ich spontan Zeus taufen würde. Wieso auch immer… „Was gibt es denn zu erzählen?“ Ich überlege kurz, und könnte spontan von meinem schlechten Arbeitstag, über das gelungene Mittagessen, bis hin zu den verlorenen 6 Kilo so einiges erzählen… aber ich schätze, das meint er nicht.

Also beginne ich damit, dass ich im April beschlossen habe, einen Viertelmarathon zu laufen. Und zwar jetzt im Oktober – noch gut 3 Wochen Zeit.Ich erzähle von meiner Sportdiagnostik, vom Umschwenken aufs Walking auf ärztlichen Rat hin und dann auf die seit 6 Wochen bestehenden Schmerzen. Ich schließe mit dem Satz: „Aber vielleicht ist es ja nur ein starker Muskelkater“. Er sieht mich an – steinerne Miene – und sagt tonlos: „Wollen wir es hoffen.“

Dann geht’s ab auf die Liege und er zieht und drückt an mir herum, dass mir ganz anders wird. Interessanterweise kann er mit meinem Bein machen was er will – es funktioniert. Ich könnte mich quasi zu einer Brezel verknoten. Dann muss ich mich zur Seite drehen und er drückt mit seinen Knochenbrecherfingern zielgenau in meine Schmerzstelle. „Tut das weh?“

„Tut das weh? Bist du noch ganz normal? Natürlich tut das weh! Weh ist überhaupt kein Ausdruck!“ Das hätte ich gerne gesagt. Stattdessen bin ich blass geworden und presse nur raus: „Ja. Ziemlich.“ Dann macht er noch ein paar Dinge mit meinem Bein, die mit Sicherheit nicht zu den schönsten Erlebnissen in meinem Leben gehören werden, und dann geht’s ab zum Röntgen.

Eine Assistentin, die wir an dieser Stelle Trude Herr nennen (sie sieht so ähnlich aus und ich warte dauernd, dass sie „Ich will keine Schokolade“ anfängt zu singen) erklärt mir, was ich zu tun habe. Nämlich halbnackt auf einer kalten Liege liegen, während sie mich positioniert. Hat so ein bisschen was von einem Foto-Shooting. Ich soll mein rechts Bein (das kaputte) anwinkeln und nach rechts außen kippen lassen, damit wir die Hüfte röntgen können. Kein Problem, leichte Übung. Das Bein kippt nach unten.

Trude fängt an zu lachen und sagt: „Respekt. So gelenkig war hier heute noch keiner. Aber die haben hier auch schon alle künstliche Hüftgelenke.“ Ich bin ein bisschen stolz, habe aber gleichzeitig ein wenig Angst, ob ich auch bald zu der Fraktion der künstlichen Hüften gehöre. Wenn mich jemals jemand fragen würde „Ist das alles echt?“ – Gott bewahre – ich müsste ehrlich zugeben: „Naja, ich hab da schon was machen lassen… das rechte Hüftgelenk ist nicht mehr ganz so wie Gott es schuf.“ Nein, peinlich.

Kurze Zeit später werde ich zu Zeus zurückgeführt, der sich erstaunlicherweise ganz viel Zeit für mich nimmt und mir erklärt, dass ich eine Hüftdysplasie habe, die allerdings derzeit nicht besorgniserregend ist und auch kein Hindernis beim Laufen. Und dann kommt das große Aber. Ich habe wohl eine oder mehrere entzündete Sehnen im Hüftbereich. Zeus erklärt es mir so: wie ein Tennisellenbogen nur an der Hüfte. Überlastete, entzündete Sehnen mit  einer intensiven Schmerztendenz und der Möglichkeit, chronisch zu werden, wenn man so weitermacht wie bisher. Zeus schickt mich also zum MRT, verbietet mir zu laufen (er sagte, „ich würde es Ihnen nicht raten“, aber der Unterton… also fasste ich es als Befehl auf), und sagt, wir müssen den Schmerz stillen. Danach soll ich unbedingt weitermachen – langsam aufbauen, damit die Sehne mitwachsen kann, sie muss stärker werden.

Ich soll den Kopf nicht hängen lassen – mein Ziel nicht aus den Augen verlieren und meinen Marathon nicht vor dem nächsten Frühjahr einplanen Alles in allem, finde ich das gar nicht so schlecht. Und ich bin positiv überrascht von meinem Orthopäden-Zeus, der mir gut zuredet, dass ich laufen soll – aber eben nicht gleich, und nicht von 0 auf 100.

Am 8.10. geht es weiter mit MRT und dann kommt der Behandlungsplan gegen den Schmerz.

Einen Trost gibt es: ich darf radfahren. Solange es nicht weh tut.

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Autor: Judith Riemer

Ehemals diätgeschädigte Jo-Jo-Expertin mit einer riesigen Abneigung gegen Sport und Bewegung aller Art. Der Schrecken aller Turnlehrer und zuverlässige Einnahmequelle der Diätindustrie. Bis sich 2012 über Nacht alles änderte. Ein Bild im Traum und die Reise begann. Ich begann zu laufen, stellte meine Ernährung um und verlor im Laufe der Zeit rund 30 Kilo Übergewicht. Erfahrungsgemäß gehe ich als eine der letzten Läuferinnen ins Ziel, was mir den Spitznamen "Turtlerunner" einbrachte. Nach wie vor bin ich untalentiert in Sachen Sport, aber inzwischen liebe ich es, mich zu bewegen. Und weil du das auch kannst, schreibe ich hier und helfe dir, wo ich kann.

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