veganmarathon

aus dem laufalltag eines turtlerunners

Läufertyp? Mitleidsläufer.

4 Kommentare

Sonntag, der perfekte Lauftag. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und es weht ein angenehmes Lüftchen.

Das, und die noch 62 verbleibenden Tage bis zum Bodensee-Marathon, waren für mich heute Grund genug, die Laufschuhe zu schnüren und loszulaufen. Heute ausnahmsweise mal allein – nur in Begleitung meines iPods.

Und da Sonntag ja bekanntermaßen ein besonders stressiger Tag ist (schnell laufen, schnell Fensterputzen, schnell frühstücken, damit man vielleicht am Nachmittag noch schnell baden gehen kann), habe ich einen folgenschweren Fehler begangen: ich bin schon 30 min. nach meinem Frühstück zum Laufen gegangen. Mein Frühstück bestand aus einer Scheibe Vollkornbrot mit pflanzlichem Aufstrich und 4 Cocktailtomaten. Nicht weiß Gott was für eine Menge, aber trotzdem passierte folgendes:

Kaum zur Haustür raus schoss mein Puls auf 130. Beim 1. kleinen Anstieg lag ich schon bei 145. Ich war noch nicht mal gelaufen – nur normal spaziert, würde ich sagen. Und so ging das die nächsten 20 Minuten dahin. Ich kam von den 140 gar nicht mehr runter. Dabei wollte ich doch so gern joggen.

Kurz auf 137 runter, war grad schön im Schatten, da lief ich dann trotzdem los. Ganz langsam. Innerhalb von Sekunden sprang der Puls auf 154 (gottogott, das sind 2 Schläge über meiner magischen anaeroben Grenze lt. Leistungsdiagnostik). Ich also gleich wieder in den Walking-Modus zurück. Und prompt war mein Puls „00“. Ja, wie jetzt? Herzstillstand und ich merke nichts davon? Kann ja nicht sein…. so langsam dämmerte mir, dass vielleicht meine Pulsuhr ein Problem hat und nicht ich. So ging das die ganze Zeit weiter, und ich beschloss, das Ding einfach zu ignorieren. (Würd mich trotzdem interessieren, ob jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht hat, dass der Puls direkt nach dem Essen höher ist, als wenn man 1-2 Stunden Pause vor dem Laufen hat – oder lag’s doch an der kaputten Pulsuhr?)

Mein Knie war heute erstaunlich ruhig und mein überempfindlicher Po-Muskel hat sich auch kooperativ verhalten. Beim Rückweg allerdings gab es eine kleine Steigung die Straße hoch. Da meldeten sich beide wieder. Ich also langsam nach oben gewalkt, in Gedanken völlig woanders, als plötzlich neben mir der Bus stehen bleibt. Ein besorgter Busfahrer schaut aus dem Fenster und fragt mich: „Soll ich dich mitnehmen?“ In dem Moment blieb mein Herz tatsächlich fast stehen – erst, weil ich total erschrocken bin und dann vor lauter Peinlichkeit. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich in ein leichtes Humpeln verfallen bin, während ich mich den Buckel hochkämpfte. Muss wohl einen sehr mitleiderregenden Eindruck gemacht haben, wenn sogar der Busfahrer neben mir anhält deswegen.

Den Rückweg lief ich dann in doppelt so schnellem Tempo.

Aber liebe Güte, wie peinlich ist das denn? Ich wette, das ist bisher noch keinem von euch passiert. Wusste erst nicht ob ich lachen oder weinen soll, hab dann aber doch den ganzen Rückweg vor mich hingekichert. Sowas gibt’s doch eigentlich gar nicht. Das Lustige ist, dass ich beim Weglaufen zu meinem Mann gesagt habe: „Ich hab heute kein Handy und nix dabei.“  Und er meinte: „Ja, wenn du in einer Stunde nicht zuhause bist, dann hol ich dich ab.“ Man weiß ja nie, wenn man sich den Knöchel verstaucht oder umknickt oder was auch immer. Und jetzt weiß ich: der Bus ist dann auch noch eine Option. Man muss nur ein wenig leidend aussehen ^^

 

… und falls ich mal wieder gefragt werde, was für ein Läufertyp ich bin, ob Fersenläufer, Vorfußläufer etc. kann ich ganz klar sagen: ich bin Mitleidsläufer und hab das Privileg im Ernstfall, den Bus nehmen zu können.

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Autor: Judith Riemer

Ehemals diätgeschädigte Jo-Jo-Expertin mit einer riesigen Abneigung gegen Sport und Bewegung aller Art. Der Schrecken aller Turnlehrer und zuverlässige Einnahmequelle der Diätindustrie. Bis sich 2012 über Nacht alles änderte. Ein Bild im Traum und die Reise begann. Ich begann zu laufen, stellte meine Ernährung um und verlor im Laufe der Zeit rund 30 Kilo Übergewicht. Erfahrungsgemäß gehe ich als eine der letzten Läuferinnen ins Ziel, was mir den Spitznamen "Turtlerunner" einbrachte. Nach wie vor bin ich untalentiert in Sachen Sport, aber inzwischen liebe ich es, mich zu bewegen. Und weil du das auch kannst, schreibe ich hier und helfe dir, wo ich kann.

4 Kommentare zu “Läufertyp? Mitleidsläufer.

  1. Hihi wie süß du das beschrieben hast, ich mag deine Art zu schreiben. 🙂
    Ich hatte bisher immer nur Angst vor dem Bus, der beim Marathon alle aufkehrt, ich wusste gar nicht, dass einem das auch beim Training passieren kann. Gut, dass auf meiner Strecke keine Busse fahren, sonst hätte es mich bestimmt auch schon erwischt. 😉

    • oje… das kann einem beim marathon auch passieren? das wusste ich nicht. sind ja tolle aussichten… aber ich hab ja noch 2 monate zeit zum trainieren 🙂

  2. Hihi, Mitleidsläufer! Aber nette Busfahrer scheints ja bei Dir zu geben! In Berlin würd mir das bestimmt nicht passieren 😦
    Ich kann ünrigens auch erst ca. eine Stunde nach dem Essen loslaufen, sonst bekomme ich schmerzhafte Seitenstiche. Ausnahme: morgens, Kaffee & Obstsalat frühstücken und los. Das geht ganz gut. Ich finde es aber auch immer noch spannend, rauszufinden, wie/wann/wo/in welcher Verfassung ich meine besten Leistungen bringe.

    • Naja… ich wohn in einem Dorf mit gut 500 Einwohnern 😉 Da laufen die Uhren noch ein bißchen anders. Wobei mich der Fahrer nicht kannte (zumindest kannte ich ihn nicht). Eigentlich ja schon eine nette Angelegenheit. Haha… ja, beim nächsten Mal lass ich mehr Pause zwischen Essen & Laufen. Soviel ist schonmal fix… und vielleicht schau ich mir vorher noch den Busfahrplan an, damit ich ihm nicht wieder übern Weg laufe ^^

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